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Basketball

Souveräner Sieg gegen platte Reifen

17. Sieg im 17. Heimspiel: Die MHP-Riesen Ludwigsburg schlagen den ausgelaugten FC Bayern München in der Basketball-Bundesliga 91:77.

JaJuan Johnson (links) behauptet den Ball gegen Ludwigsburgs Tremmell Darden. Foto: Baumann
JaJuan Johnson (links) behauptet den Ball gegen Ludwigsburgs Tremmell Darden. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Mangelndes Engagement war Andrea Trinchieri gestern Nachmittag in der MHP-Arena nicht vorzuwerfen. Der Trainer des FC Bayern München ging bei der 77:91-Niederlage seiner Mannschaft bei den MHP-Riesen Ludwigsburg mit gewohnter Gestik, Leidenschaft und Lautstärke zu Werke. Sein Team tat sich gegen das intensive Spiel der Ludwigsburger schwerer. Die Riesen holten auch im 17.Heimspiel der Saison den 17. Sieg und krönten ihre Hauptrunde, die sie mit 30Siegen auf dem 1.Platz abschließen.

„Wir sind wie platte Reifen – nicht physisch, sondern mental und emotional“, sagte Trinchieri gestern. Ohne die verletzten Nihad Djedovic und Ex-Riese Nick Weiler-Babb sowie die geschonten Vladimir Lucic, Wade Baldwin und James Gist war Trinchieri bemüht, die Minuten seiner Spieler zu verteilen. Am Dienstag war Bayern in einer dramatischen Partie bei Olimpia Milano im entscheidenden Play-off-Spiel der Euroleague gescheitert. Am Freitag unterlagen die Münchner in Ulm mit 64:98. So kam auch die Niederlage in Ludwigsburg nicht allzu überraschend.

Dabei ließen die Münchner im ersten Viertel den Ball sehenswert durch die eigenen Reihen laufen und erspielten sich freie Würfe. Diese fanden aber nur selten den Weg in den Korb. Mit einer miserablen Wurfquote (4 von 22) gelangen der Trinchieri-Truppe nur zwölf Zähler im ersten Durchgang. Einen mehr verbuchte alleine Jamel McLean im Auftaktviertel. Der nachverpflichtete Center bewies mehrfach seine beeindruckende Mischung aus Athletik und feinem Handgelenk und führte die Ludwigsburger zu einer 24:12-Führung.

Bei den Bayern wuchs der Frust. Sowohl Trinchieri als auch Center Leon Radosevic erlaubten sich Technische Fouls – zum Ärger von Geschäftsführer Marko Pesic. „Keine Kommunikation, schon die ganze Saison – nur Technische Fouls“, brüllte der Ex-Nationalspieler die Schiedsrichter an. Im Anschluss musste Pesic zusehen, wie Jordan Hulls die Riesen zu einer 50:33-Halbzeitführung führte. Hulls war am Ende mit 22 Zählern bester Werfer auf dem Parkett. Dicht dahinter lag Jalen Reynolds. Bayerns Urgewalt reichten 17 Spielminuten, um 21 Punkte aufzulegen. Besonders im dritten Viertel fanden die Riesen kaum Mittel gegen den 2,08 Meter großen und 114 Kilogramm schweren Center. 15 Punkte gelangen Reynolds im dritten Durchgang, in dem Bayern auf 58:67 herankam.

Nun legten es die Bayern aber offensichtlich nicht darauf an, um jeden Preis gegen die Riesen zu gewinnen. Denn Reynolds kehrte im Schlussabschnitt nicht aufs Parkett zurück. Das war einer der Gründe, weshalb auch Ludwigsburg davonzog. Spätestens nach Jacob Patricks Dreier aus der Ecke zum 89:75 war die letzte Gegenwehr der Bayern gebrochen.

„In ihrer jetzigen Form ist München nicht Favorit, aber die werden zurückkommen“, sagte Riesen-Trainer John Patrick, der seinerseits gestern Barry Brown, Jonas Wohlfarth-Bottermann, Andrew Warren und Oscar da Silva schonte.

Spurlos vorüber ging die Niederlage, wegen der Bayern voraussichtlich als Vierter in die Play-offs geht und im Halbfinale auf die Riesen treffen könnte, keineswegs. „Müssen wir noch mehr beweisen?“, konterte Trinchieri auf die Frage eines Journalisten, ob die Bayern nicht den Meistertitel holen müssten. „Vielleicht haben Sie donnerstags und freitags nicht Basketball, sondern eine Seifenoper geschaut“, spielte Trinchieri auf die Euroleague-Partien an. Kurz zuvor hatte Trinchieri die Riesen und Alba Berlin als Favoriten gekürt. „Wir wollen gewinnen“, sagte er. Aber den Titel holen, sei keine Pflicht: „Man muss sterben. Das ist das Einzige, was man muss.“

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