Logo

Basketball-Bundesliga

Tremmell Darden, Per Günther und Rickey Paulding: Das Wochenende der BBL-Routiniers

Besondere Spiele in der Basketball-Bundesliga für drei erfahrene Profis

Urgestein auf Abschiedstour? Tremmell Darden spielt wohl seine letzte Saison als Profi. Foto: Baumann
Urgestein auf Abschiedstour? Tremmell Darden spielt wohl seine letzte Saison als Profi. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Vielleicht ist es ein Zitat von Anthony Quinn, das das Phänomen Tremmell Darden ideal beschreibt. Der mittlerweile verstorbene Schauspieler war es, der einst sagte: „Auch mit 60 kann man noch 40 sein – aber nur noch eine halbe Stunde am Tag.“ Am Freitag feierte der US-Amerikaner Darden seinen 40. Geburtstag, am Sonntag steht er mit seinen MHP-Riesen Ludwigsburg wieder auf dem Bundesliga-Parkett – im Auswärtsspiel beim FC Bayern München (18 Uhr/Magentasport). Und ganz nach Quinn ist es möglich, dass Darden zwischen all den bis zu 20 Jahre jüngeren Spielern wieder einer der besten ist – für 30 Minuten.

Nun trifft es sich sehr gut, dass Darden mittlerweile – und das ist wohl der einzige Aspekt, in dem er seinem Alter sportlich Tribut zollen muss – „nur“ noch 25 Minuten im Schnitt pro Partie auf dem Feld steht, springt, wirft, blockt, coacht. Denn auch das ist Darden: eine Art Spielertrainer im Kader der Riesen. „Er ist von Natur ein geborener Anführer, ein Gewinner“, sagt sein Trainer John Patrick über den Routinier mit der illustren Karriere im europäischen Basketball. Müde wurde Patrick bereits letzte Saison nie, den Arbeitsethos Dardens zu loben. „Im Sport sagen dir viele, dass du als alt giltst, wenn du in deine Dreißiger kommst. Wenn du dich aber um deinen Körper kümmerst und dich richtig ernährst, spielt dies keine Rolle“, sagt Darden selbst.

Für Höhepunkte noch immer zu haben

„Der Routinier und die jungen Kerle“, hat schon unsere Zeitung vor einem Jahr getitelt, als Darden in seiner ersten Riesen-Saison wichtiger Bestandteil des Teams war, das letztlich die Hauptrundenmeisterschaft feierte. „Ich denke nicht, dass ich mich wie der älteste Spieler der Liga bewege“, sagte Darden damals, womit er zweifellos recht behielt. Die große Dominanz wie früher bringt der 1,94-Meter-Mann nicht mehr aufs Parkett, doch für spektakuläre Aktionen ist er noch zu haben. Mit Alley-Oop-Dunks und krachenden Blocks hat es Darden in viele Highlight-Videos geschafft.

Womöglich kommen am Sonntag gegen München weitere dazu. Ein wenig ausgeruhter als sein kommender Gegner dürfte Darden trotz seines runden Geburtstages sein. Am Mittwochabend kam Bundesliga-Spitzenreiter Bayern in der Euroleague auswärts bei Olympiakos Piräus unter die Räder (60:83). Die Reise ging danach weiter nach Belgrad, wo sie am Freitagabend bei Roter Stern spielen mussten. Der Tabellendritte aus Ludwigsburg konnte bereits am Mittwoch beim 95:67-Heimsieg gegen ersatzgeschwächte Fraport Skyliners das Team um Darden schonen. „Es war gut, dass keiner über 26 Minuten gespielt hat“, sagte Patrick und blickte auf die Neuauflage des letztjährigen Play-off-Halbfinals: „Wir müssen gegen Bayern frisch sein und einen Kampf liefern.“

Paulding und Günther im Duell

Ohnehin gehört das komplette BBL-Wochenende den Oldies der Liga. In Oldenburg treffen am Samstag (18 Uhr) die EWE Baskets auf Ratiopharm Ulm. Es ist eines der letzten Aufeinandertreffen der BBL-Legenden Rickey Paulding (39) und Per Günther (33). Beide haben vor der Saison ihr Karriereende nach dieser Spielzeit angekündigt. Während Darden für zwölf Teams in acht Ländern der Welt professionell Basketball spielte, stehen Günther und Paulding für absolute Vereinstreue. Paulding trägt seit 2007 das Trikot der Oldenburger, Günther seit 2008 das Jersey der Ulmer. Mit dieser Saison endet in beiden Vereinen eine Ära.

Ob Darden überhaupt aufhört, steht dagegen noch nicht einmal fest. Neben seiner körperlichen Verfassung spielt auch die räumliche Trennung zu seiner in den USA lebenden Familie eine große Rolle bei der Entscheidung, ob er sogar noch eine weitere Saison dranhängt. Es gilt als wahrscheinlich, dass Darden sich derzeit auf seiner Abschiedstournee im professionellen Basketball befindet. Doch bis die Karriere endgültig beendet, der letzte Dunk gemacht, der letzte Sieg gefeiert oder die letzte Niederlage verdaut ist, wird Darden träumen dürfen: „So verrückt es klingt: Der Traum von der NBA ist immer noch irgendwo in meinem Hinterkopf – so lange, bis ich meine Schuhe an den Nagel hänge“, sagte er unserer Zeitung vor einem Jahr.

Autor: