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Basketball

Vechta dominiert auch die Riesen

Die Ludwigsburger Basketballer haben es im dritten Spiel binnen sieben Tagen verpasst, sich selbst eine perfekte Woche zu bescheren. Beim Überraschungsteam Rasta Vechta kassierten die MHP-Riesen eine 92:112 (44:55)-Niederlage.

Weder von Donatas Sabecki (l.) noch von Quirin Emanga (r.) zu halten: Rasta-Guard T.J. Bray. Foto: Elke Schikora
Weder von Donatas Sabecki (l.) noch von Quirin Emanga (r.) zu halten: Rasta-Guard T.J. Bray. Foto: Elke Schikora

Vechta. Als John Patrick am Samstagabend mit seinem Rollkoffer Richtung Mannschaftsbus marschierte, warteten davor noch einige mitgereiste Fans auf den Coach der MHP-Riesen. Die getrennte Reisegruppe wechselte noch ein paar Worte, bevor sich Patrick in den Bus verabschiedete. Dafür, sich gegenseitig in die Arme zu fallen und Jubelschreie loszulassen, fehlte die Gesprächsgrundlage. Denn: Der Basketball-Bundesligist kassierte zuvor beim Aufsteiger einen äußerst bitteren Rückschlag im Kampf um die Play-off-Plätze.

Während die Riesen nach den beiden Erfolgen gegen medi Bayreuth am vergangenen Sonntag in der Liga (100:82) und beim polnischen Meister Anwil Wloclawek in der Champions League (87:74) in Vechta einen Dämpfer erfuhren, freute sich der furiose Aufsteiger über seinen sechsten Sieg in Serie. Und den hatte sich Rasta redlich verdient, wie auch John Patrick einsehen musste. „Leider haben wir nicht das aufs Parkett gebracht, was wir wollten. Vechta hat uns dominiert“, resümierte der US-Amerikaner.

Das Duell der beiden Verteidigungs-Spezialisten hielt für die Zuschauer im mit 3140 Zuschauern ausverkauften Rasta-Dome eine willkommene Überraschung bereit: Das Spiel avancierte keineswegs zum zähen Ringen, sondern entwickelte sich schnell zu einem offenen Schlagabtausch zweier Teams, die ansonsten eher vom Gedanken „Defense first“ geprägt sind.

Ludwigsburg blieb zwar bis zum dritten Viertel (71:83) in Schlagdistanz, doch die letzte Führung datierte von der sechsten Minute (12:11). Die Vechtaer legten anschließend einen 9:0-Lauf hin und erspielten sich eine Führung, die sie nicht mehr aus der Hand gaben. Überragender Rasta-Akteur war T.J. Bray. Der US-Guard drehte vor allem im zweiten Viertel gewaltig auf und erzielte hier 17 seiner insgesamt 31 Punkte. An den eigens aufgestellten BBL-Bestwert der laufenden Saison (36 Punkte) kam Bray aber am Ende nicht heran – knapp zwei Minuten vor Schluss bremste ihn ein Cut über dem Auge aus. Rastas Topscorer unterstrich parallel mit neun Assists auch wieder seinen Ruf als bester Passgeber der Liga.

In dieser Riege mischt normalerweise auch Ludwigsburgs Leistungsträger Jordon Crawford mit. Aber am Samstag erwischte der Point Guard einen schwachen Tag, dafür sprach auch seine mit Abstand geringste Einsatzzeit der laufenden Saison (17:22 Minuten). Die weiteren Fakten: Nur drei Assists und magere fünf Punkte. „Er hatte heute ein paar Probleme mit der Eins-gegen-eins-Verteidigung und wir haben insgesamt zu viel gedribbelt. Aber die Niederlage lag nicht an ihm, er spielt eine gute Saison“, meinte Patrick.

In der Tat konnte man die Niederlage nicht an einer Person festmachen. Offensiv präsentierten sich die Riesen auch ordentlich, leisteten sich aber 16 Ballverluste (Vechta: sieben). Erschwerend hinzu kam die schwache Dreierquote (29 Prozent), während Rasta Vechta jeden zweiten Versuch jenseits der 6,75-Meter-Linie versenkte (18 von 36 Dreiern) und im letzten Viertel schlussendlich von dannen zog.

Topscorer der Riesen war Kelan Martin (26 Punkte), dahinter punkteten mit Lamont Jones (19) und Marcos Knight (17) noch zwei weitere Akteure zweistellig. Doch das war zu wenig, um die Siegesserie des Aufsteigers zu stoppen. John Patrick blieb dennoch positiv: „Ich hoffe, dass wir aus dieser Niederlage lernen können“, sagte er – und dann ging’s Richtung Bus.

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