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Basketball

Vechta durchlebt 20-minütige Hölle

20 Minuten von John Patricks gefürchteter Ganzfeldverteidigung reichen, um den Riesen den Weg zum Sieg zu ebnen. Dennoch – oder gerade deswegen – übt Ludwigsburgs Coach Kritik an seinem Team.

Jaleen Smith (links) und Elias Harris (rechts) jagen Vechtas Jean Salumu in dessen Hälfte. Foto: bm
Jaleen Smith (links) und Elias Harris (rechts) jagen Vechtas Jean Salumu in dessen Hälfte. Foto: bm

Ludwigsburg. Thomas Päch kochte vor Wut. Das war dem Trainer von Rasta Vechta am Samstagabend nicht nur daran anzumerken, dass er sein Jackett ablegte, um abzukühlen, sondern auch in der menschenleeren MHP-Arena deutlich zu hören. „Wir haben darüber gesprochen“, schrie er die um sich versammelte Mannschaft in einer Auszeit Mitte des zweiten Viertels an. „Seid stark, seid physisch, spielt feste Pässe“, wurde er laut, nachdem sein Team zum wiederholten Mal den Ball in der eigenen Hälfte hergeschenkt hatte. Die Ganzfeldverteidigung der MHP-Riesen Ludwigsburg stellte Vechta vor enorme Probleme – und bescherte den Riesen beim 85:73 den sechsten Sieg im siebten Spiel der Basketball-Bundesliga.

Wesentlich nüchterner betrachtete Päch die Partie später bei der Pressekonferenz. „John Patricks Mannschaften spielen mit einer Intensität und Physis, die unglaublich beeindruckend sind“, lobte er sein Gegenüber mit leiser und besonnener Stimme: „Es ist trotz einer Woche Vorbereitung unmöglich, den Druck im Training zu simulieren, den man hier erlebt.“

Von Beginn an kam sein Team nicht zurecht mit der für Patrick bekannten, in den letzten Jahren aber nicht in absoluter Regelmäßigkeit eingesetzten Ganzfeldverteidigung. Jaleen Smith, Tremmell Darden und Elias Harris brachten die Riesen schon früh mit 8:2 in Front. Lediglich im Reboundverhalten zeigten die Ludwigsburger Schwächen, kaschierten das aber mit der intensiven Verteidigung. Erneut Smith sorgte zum Ende des ersten Viertels für ein Acht-Punkte-Polster (19:11).

Nachdem Vechta mit einem sehenswerten Dunk von Dennis Clifford noch auf 19:26 herankam, fielen die Niedersachsen auseinander. Smiths Punkte nach einem einfachen Ballgewinn stellten auf 31:19 – und führten zu Pächs eingangs erwähntem Ausbruch. Kaum vorzustellen, wie laut er geworden wäre, hätte er den folgenden Spielverlauf zu diesem Zeitpunkt geahnt. Ludwigsburgs Desi Rodriguez klaute Vechtas Robin Christen sofort nach Pächs Auszeit den Ball und stopfte ihn in den Ring. Danach schaffte es das Rasta-Team nicht, innerhalb der vorgegebenen acht Sekunden aus der eigenen Hälfte zu kommen – zur großen Freude der Ludwigsburger Bank. Mit 33:19 ging das zweite Viertel an die Barockstädter, die bis dahin zwölf Ballverluste provoziert hatten.

Und auch die Offensive lief heiß. Nach Punkten von Topscorer Harris, der seinen ohnehin schon herausragenden Punkteschnitt von 18 Zählern pro Partie mit 20 Punkten gegen Vechta nach oben korrigierte, ging Ludwigsburg mit einer 52:30-Führung in die Halbzeit. Das Spiel war bereits zu diesem Zeitpunkt entschieden. „Wenn die Leute auf dem Feld engagiert und konzentriert waren, konnten wir über das ganze Feld verteidigen“, lobte Patrick nach einer „sehr guten ersten Hälfte“.

Dennoch klang er in der Pressekonferenz wesentlich unzufriedener, als es der vierte Heimsieg im vierten Spiel vermuten lassen würde. Der Grund war die etwas zerfahrene zweite Hälfte. „Die Intensität war nicht optimal. Besonders von der Bank hatten wir nicht so viele Impulse wie gewünscht“, monierte er und hob besonders die neu verpflichteten US-Amerikaner hervor. „Die Konstanz unserer G-League-Guys ist einfach nicht da“, sagte er über die vor der Saison aus der US-amerikanischen Entwicklungsliga verpflichteten Desi Rodriguez und Barry Brown. „Wenn einer von den fünf auf dem Feld nicht konzentriert ist, funktioniert das nicht“, sagte Patrick über seine Ganzfeldverteidigung, die er einst als „40-minütige Hölle“ beschrieb. Da Patrick jedoch seinem zweiten Anzug in den letzten beiden Vierteln viel Spielzeit gab, durchlebte Vechta letztlich nur eine 20-minütige Hölle.

„Druck! Druck!“, rief der mit der Defensive unzufriedene Patrick. Smith ließ die Führung auf 26 Zähler wachsen (63:37), ehe sie dank eines 17:3-Laufs der Gäste in den letzten fünf Minuten schrumpfte. „Wir spielen in drei Tagen wieder“, sah Patrick darüber hinweg. Morgen müssen die Riesen in Chemnitz ran (19 Uhr).

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