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Basketball-Bundesliga

Was macht die Riesen so stark?

Die MHP-Riesen Ludwigsburg sind Spitzenreiter der Basketball-Bundesliga. Vor dem Spiel gegen den Syntainics MBC – das die Riesen am Samstag mit 93:80 gewonnen haben – hatten wir mit den bisherigen Gegnern der Ludwigsburger gesprochen und gefragt, was die Riesen so stark macht. Es gibt mehr als einen Grund.

Genießt viel Respekt im Kollegenkreis: Riesen-Coach John Patrick.Foto: Baumann
Genießt viel Respekt im Kollegenkreis: Riesen-Coach John Patrick. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Die MHP-Riesen Ludwigsburg sind nun seit acht Spielen Tabellenführer der Basketball-Bundesliga. Nur eins der 14 Saisonspiele hat das Team von Trainer John Patrick bisher verloren. Gegen den FC Bayern München unterlagen die Riesen mit 70:93. Ansonsten fand bisher keine Mannschaft ein Mittel gegen die Ludwigsburger, auch nicht Titelverteidiger Alba Berlin. Der Club aus der Hauptstadt musste sich mit 71:78 geschlagen geben. Am Samstag wurde auch der Syntainics MBC in Weißenfels mit 93:80 besiegt. Doch was macht die Ludwigsburger so stark? Wir haben uns umgehört und mit den Verantwortlichen der bisherigen Gegner gesprochen:

Roel Moors, Trainer der BG Göttingen (Spielergebnis 100:73 für Ludwigsburg): „Ludwigsburg hat in Jordan Hulls, Barry Brown und Jaleen Smith drei sehr gute Kreativspieler, die nur schwer zu stoppen sind. Oft spielt das Team mit einer vergleichsweise kleinen Aufstellung ohne echten Center, was den Gegnern Probleme bereitet.“

Chris O’Shea, Co-Trainer der Telekom Baskets Bonn (86:82): „Unser Spiel war noch relativ früh in der Saison, seitdem hat sich Ludwigsburg wahrscheinlich sehr verbessert. Ich war von ihrer Energie und vom Selbstbewusstsein ihrer jungen deutschen Spieler, wie Lukas Herzog und Jacob Patrick, beeindruckt. Ich bin gespannt, wie sie den Verlust von Elias Harris kompensieren. Mit seinen Offensiv-Fähigkeiten war er für sein Team eine Konstante in der Zone und hat dort für viel Gefahr gesorgt.“

Tuomas Iisalo, Trainer der Crailsheim Merlins (97:88): „Einer der Gründe für die Ludwigsburger Stärke ist, dass sie in der Vorbereitung und der Anfangsphase der Saison mehr personelle Änderungen vornehmen können als andere Teams, um Spieler zu finden, die in ihr System passen. Die Dinge, die Ludwigsburg gut macht, sind für niemanden überraschend. Das Geheimnis ist die außergewöhnlich gute Wirkung des Teams und das ist immer beeindruckend.“

Marco Baldi, Geschäftsführer von Alba Berlin (78:71): „Ludwigsburgs Tabellenstand ist nicht überraschend. Immerhin sind sie Vizemeister. Trotz immer wieder neuer Teams hat Ludwigsburg seit Jahren eine klare Ausrichtung, das hilft. Und wer John Patrick nicht folgen will, ist nicht lange da. Das Spielsystem ist sehr schwer zu spielen, da kann man nur zur Spielerauswahl gratulieren. Die Intensität des Ludwigsburger Spiels können die Gegner in der Vorbereitung nur schwer simulieren. Wenn man mental nicht voll da ist, wird es schwer. Zudem hilft es Ludwigsburg, dass sie dieses Jahr nicht international spielen. Wir hatten zuletzt das Pech, nach einem Euro-League-Doppelspieltag auf die Riesen zu treffen. Wenn man nach so einer Belastung auch noch nach Ludwigsburg muss, wird es schwierig, weil man gegen die Riesen sehr viel Energie braucht.“

Thomas Päch, Trainer des SC Rasta Vechta (85:73): „Egal wo John Patrick hingeht, er leistet herausragende Arbeit und seine Teams spielen immer erfolgreich. Er hat auch dieses Jahr wieder einen unglaublichen Job gemacht. Die MHP-Riesen sind eine extrem geschlossene Mannschaft mit klaren Strukturen, die offensiv und defensiv sehr ausgeglichen und gut spielt. Beeindruckt ist man jedes Mal von der Intensität in der Defensive. Eigentlich kann man davon nicht mehr überrascht sein. Aber es gelingt den Ludwigsburgern doch immer wieder, weil sie das einfach so gut machen. Mit dieser Intensität, Energie und Aktivität, die Ludwigsburg seit Jahren auszeichnet, bekommt man es sonst selten zu tun. Und mit Jaleen Smith haben sie für mich dieses Jahr den besten Spieler.“

Rodrigo Pastore, Trainer der Niners Chemnitz (91:114): „Der wichtigste Grund des Erfolges, jetzt und in den vergangenen Jahren, ist meiner Meinung nach Trainer John Patrick. Er macht einen großartigen Job. Bemerkenswert ist die Fähigkeit des Ludwigsburger Teams, in der Verteidigung sehr aggressiv zu spielen und hohen Druck aufzubauen, ohne dabei viele Fouls zu begehen. Wenn die Riesen überhaupt Schwächen haben, dann verstecken sie diese bisher wirklich sehr gut. Ich konnte noch keine entdecken.“

Pedro Calles, Trainer der Hamburg Towers (86:65): „Sie haben im Sommer ein wirklich gutes Team zusammengestellt, die richtigen Spieler für ihren Spielstil gefunden. Zudem konnten sie einen Spieler wie Jaleen Smith – bei dem es, glaube ich, nicht einfach war – im Sommer halten. Ich war beeindruckt von der Beständigkeit ihrer defensiven Systeme, mit denen sie unsere Offensive gestört haben. Außerdem beeindrucken mich ihre Wurfquoten, sowohl von Außen als auch im Zwei-Punkt-Bereich.“

Raoul Korner, Trainer medi Bayreuth (89:70): „Eine sehr gute Mischung aus Erfahrung und Talent mit viel individueller Qualität macht Ludwigsburg stark, dazu die enorme Physis, Athletik und Aggressivität an beiden Enden des Feldes. Beeindruckend war vor allem, dass sie gegen uns am Ende des Spiels aufgrund ihrer Tiefe noch einmal einen Gang zulegen konnten. Nach dem Abgang von Harris auf der Inside-Position könnte das eine Schwäche sein. Ich rechne aber damit, dass man sich da dann noch entsprechend verstärken wird.“

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