Logo

Eishockey

Altlasten brechen Steelers das Genick

Geträumt wurde vom Aufstieg in die DEL, doch gestern gab es einen Paukenschlag: Eishockey-Zweitligist Bietigheim Steelers wurde die Lizenz für die kommende DEL-2-Saison verweigert.

Glatteis: Die Steelers sind bei der Lizenzprüfung ausgerutscht.Foto: Baumann
Glatteis: Die Steelers sind bei der Lizenzprüfung ausgerutscht. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Die Nachricht der Liga traf um 11.01 ein und erschütterte den ambitionierten Club aus dem Ellental, der seit 2009 vier Zweitliga-Meisterschaften feiern durfte und sich den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse auf die Fahnen geschrieben hat, bis ins Mark. Um die Lizenz doch noch zu bekommen, ziehen die Steelers jetzt vors DEL-Schiedsgericht.

„Wir werden über das DEL- Schiedsgericht

diese Entscheidung prüfen lassen.“

Steelers-Erklärung

„Die Lizenz für die Bietigheim Steelers musste durch den Aufsichtsrat mit einstimmigem Beschluss verweigert werden. Die gemäß Lizenzordnung geforderte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit konnte bis zum Abschluss und innerhalb der vorgegeben Fristen des Lizenzprüfungsverfahrens durch den Club nicht nachgewiesen werden. Den Bietigheim Steelers steht wegen der Verweigerung der Lizenz der Rechtsweg vor das DEL-Schiedsgericht frei“, teilte die DEL 2 gestern mit. Den übrigen 13 Clubs wurde die Lizenz für die kommende Spielzeit erteilt.

Die Steelers reagierten wenig später auf die Liga-Entscheidung mit einer gemeinsamen Erklärung des Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Kaufmann sowie des Geschäftsführers Volker Schoch. „Wir hatten im Lizenzierungsverfahren darum gebeten, wegen der Corona-Situation und der Unsicherheit wann der Spielbetrieb begonnen werden kann, die Sicherheiten erst bei Klarheit zum Spielbeginn oder mit auflösender Bedingung, falls kein Spielbetrieb stattfinden kann, zu stellen. Das Risiko für die Bürgschaftsgeber ist in dieser Situation außerordentlich hoch. Dies wurde mit Hinweis auf die Lizenzierungsbestimmungen abgelehnt. Wir haben absolut kein Verständnis dafür, dass der Aufsichtsrat der DEL 2 in einer so außergewöhnlichen Situation nach rein formalen Kriterien entscheidet. Wir werden über das DEL- Schiedsgericht diese Entscheidung prüfen lassen,“ heißt es in der Erklärung.

Dann kommen Kaufmann und Schoch zum entscheidenden Punkt: „Es ist das Thema Altlasten, welches uns hier im Wege steht. Zum 24. Juni hat man uns mitgeteilt, dass wir erstens 250 000 Euro Patronate, zweitens 300 000 Euro Bürgschaften und drittens 200 000 Euro neues Kapital oder Darlehen mit Rangrücktritt erbringen müssen. Die Einbringung von Cash wurde erstmalig am 24. Juni verlangt.“

Die Punkte eins und zwei, so Kaufmann und Schoch, konnten erfüllt werden. In Corona-Zeiten sei der dritte Punkt eine große Herausforderung gewesen. Ein großes Bietigheimer Unternehmen habe Unterstützung in Aussicht gestellt. Dies sollte in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des Unternehmens am 7. Juli entschieden werden. „Dies haben wir dem Lizenzausschuss mitgeteilt und den kompletten Schriftverkehr mit der unterstützenden Firma inklusive der Einladung zur Sitzung übermittelt. Wir sind davon ausgegangen, dass dies ausreichend ist, um eine Fristverlängerung zu erhalten. Unser operatives Geschäft, unser geplantes Budget für die neue Saison, sowie der Jahresabschluss (plus 2600 Euro, „schwarze Null“) waren kein Thema. Es sind die Altlasten die uns belasten, diese stehen aktuell bei 650 000 Euro. Gestartet sind wir mit 1,3 Millionen Euro. Durch Verzichte und positive Ergebnisse konnten wir diesen Betrag reduzieren. Jetzt gehen wir den Schritt vors Schiedsgericht – hier hoffen wir auf Verständnis für die schwierige Aufgabe der Kapitalbeschaffung in diesen schwierigen Zeiten“, beenden die beiden Macher der Steelers ihre Erklärung.

DEL-2-Geschäftsführer Rene Rudorisch gab gestern Einblicke in die Entscheidung der Liga: „Bei den Lizenzunterlagen geht es vor allem auch um den Wirtschaftlichkeitsnachweis der letzten Spielzeit und der letzten Jahre, das hat mit der aktuellen Krise und der Situation wenig zu tun. Den Steelers waren die Anforderungen dahingehend schon bei der Abgabe der Unterlagen bekannt und sie haben sich in diesem Punkt auch zu den Vorjahren nicht geändert“, so Rudorisch.

Für die DEL 2 sei die notwendige Lizenz-Verweigerung „extrem bitter, da die Steelers ein zumindest sportliches Aushängeschild der letzten Jahre waren“, so Rudorisch. Auch war Bietigheim neben den Löwen Frankfurt und den Kassel Huskies einer von drei Clubs, die sich für den DEL-Aufstieg nach der kommenden Saison beworben hatten. Zudem war man bei den Schwaben mit der Kaderplanung schon weit vorangeschritten. Der Kader umfasst bislang 22 Spieler, darunter fünf Zugänge und mit Daniel Naud einen neuen Trainer. Drei der vier Ausländerpositionen sind bereits besetzt. Jetzt heißt es aber erst einmal Abwarten.

Autor: