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Eishockey

„Auch die DEL.2 ist eine Ausbildungsliga“

Vereinsmanager Gregor Rustige spricht im Interview über die Nachwuchsarbeit der Bietigheim Steelers und den möglichen Sprung zu den Profis

Der Nachwuchs der Bietigheim Steelers hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Foto: Baumann
Der Nachwuchs der Bietigheim Steelers hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Als Vereinsmanager der Bietigheim Steelers leitet der 32 Jahre alte Gregor Rustige die Geschäftsstelle und organisiert das Tagesgeschäft des Vereins. „Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung und äußert sich über den Aufwand, den die Steelers betreiben, die Ziele des Nachwuchses und die Zukunft der Frauenmannschaft.

Die erste Mannschaft der Steelers will um den Aufstieg in die DEL mitspielen. Die Amateure haben letztes Jahr Erfolge gefeiert und auch im Nachwuchs läuft es ordentlich. Was ist am Eishockeystandort Bietigheim noch möglich?

Der fünfte Stern in der Zertifizierung des Deutschen Eishockey-Bundes ist ein Ziel, das wir erreichen wollen. Wir haben zuletzt viermal in Folge vier Sterne erhalten. Außerdem wollen wir uns immer weiter verbessern.

Was muss sich tun, um den fünften Stern zu bekommen?

Bisher hat uns die schulische Anbindung gefehlt. Dafür müssen Kinder und Jugendliche morgens zu einem zusätzlichen Fördertraining und die ausgefallene Schule dafür nachholen können. Da braucht man gewisse Kooperationen, die wir im letzten und in diesem Jahr geschlossen haben. Mittlerweile arbeiten wir mit fünf Schulen zusammen. Vielleicht erhalten wir schon bei der kommenden Bewertungsrunde einen fünften Stern.

Gibt es bei den Mannschaften ein Team, über das Sie sagen, dass es das wichtigste unterhalb der ersten Mannschaft ist?

Im Nachwuchs ist jede Mannschaft wichtig. Beispielsweise würde es ohne eine U.9 gar keinen Nachwuchs geben. Es ist aber schon so, dass die U.20 das Aushängeschild ist. Da wollen wir gut sein. Das ist die Altersklasse, die in den Medien wahrgenommen wird, auch weil das der Übergang zur Profimannschaft ist.

Sie haben in der Jugend als Goalie in Bietigheim gespielt, sind deutscher Meister geworden. Was hat sich seitdem verändert?

Das Spiel ist athletischer geworden. Die Jungs sind so gut trainiert. Im modernen Eishockey macht Schnelligkeit das Spiel. Zu meiner Zeit konnte man mit zwölf Jahren mit Eishockey anfangen. Um leistungsorientiert Eishockey zu spielen, muss man sehr früh die ersten Erfahrungen auf dem Eis machen. Wir rekrutieren heute viel früher. Wer mit vier Jahren anfängt, auf Schlittschuhen zu laufen, hat so gesehen sechs Jahre Vorteil gegenüber jemandem, der mit zehn Jahren anfängt.

Wie groß ist der Sprung von der Nachwuchs- in die Profimannschaft? Vergangene Saison standen mit Fabjon Kuqi und Robert Kneissler zwei Eigengewächse mehrfach im Profikader.

Wenn es jedes Jahr ein bis zwei Spieler schaffen, ist das gut. Dass in einem Kader von 20 Spielern zehn aus dem eigenen Nachwuchs kommen, wäre unrealistisch. Die Jungs aus dem Nachwuchs müssen aber das Niveau mitbringen und die Motivation, alles reinzulegen. Aber auch die DEL.2 ist eine Ausbildungsliga.

Wenn der Sprung in die DEL.2 nicht gelingt, geht es meist zu den Amateuren. In der Regionalliga sind die Steelers der einzige Verein, der ligaweit seinen Spielern nichts bezahlt. Wieso?

Erstens, weil die Liga eine Amateurliga ist. Zweitens, weil das Amateurteam unsere 2..Mannschaft ist. In der Regionalliga spielen sonst fast nur 1..Mannschaften mit, da ist es logisch, dass diese ihren Spielern eine Entschädigung zahlen. In Bietigheim spielt die 1..Mannschaft, die bezahlt wird, in der DEL.2.

Trotzdem hält die Amateurmannschaft der Steelers gut mit, hat im letzten Jahr sogar den Titel geholt.

Die meisten unserer Spieler haben auch bei uns im Nachwuchs gespielt. Der Schritt zu den Amateuren ist oft der erste Schritt ins Herreneishockey. Auch für Spieler, die es vielleicht schaffen, bei den Profis reinzuschnuppern. Bei den Amateuren soll es professionell ablaufen, eine gute Attitüde in der Kabine herrschen. Da ist für uns der Anreiz, den Clubs, die den Spielern etwas zahlen, eins auszuwischen. Das war schon so, als ich dort gespielt habe.

Weniger Konkurrenz herrscht dagegen in der Frauenmannschaft der Steelers. Sie wurde zuletzt in einer Vierergruppe scheinbar mühelos Erster in der EBW-Frauenliga. Der zweithöchsten, aber zugleich niedrigsten Liga im Fraueneishockey.

Unsere Mannschaft hat sich etabliert – darauf können wir stolz sein. Leider gibt es nicht so viele Frauen, die Eishockey spielen. Als ich gespielt habe, hatten wir ein Mädchen im ganzen Verein. Heute gibt es immerhin in jeder Altersklasse ein Mädchen. Wir machen uns aktuell beim Verband stark, dass unsere Mannschaft in der nächsten Saison auch Meisterschaftsspiele mit Vereinen aus Bayern austragen darf.

Ist denn für die Frauenmannschaft ein Aufstieg in die Bundesliga realistisch?

Das wäre noch einmal ein ganz anderes Level. Der Umfang wäre dann um einiges höher. Wir würden auch noch einige Mädels benötigen, um einen breiteren Kader zu haben. Wir wollen aber keine Frauenmannschaft, die einfach zusammengekauft wird.

Ein Aufstieg bleibt also ausgeschlossen?

Auf lange Frist nicht. Ich kann mir das schon vorstellen. Man braucht aber einen Kader von 20 Spielerinnen, die alle auf diesem Niveau spielen können. Das dauert und ist eine große Aufgabe.

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