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Deutsche Eishockey-Liga

Bietigheim Steelers und die DEL vom Virus ausgebremst

Jetzt hat die Coronapandemie auch den Eishockey-Erstligisten Bietigheim Steelers ausgebremst und für die Absage des für gestern angesetzten Spiels in Krefeld gesorgt.

Nach starken Leistungen vorerst gestoppt: Steelers-Keeper Sami Aittokallio.Foto: Baumann
Nach starken Leistungen vorerst gestoppt: Steelers-Keeper Sami Aittokallio. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Der DEL-Aufsteiger war gerade so richtig in Fahrt gekommen und hatte mit fünf Siegen in Folge die Abstiegsplätze verlassen, da mussten die Schwaben am Freitag mitteilen, dass sich zwei Spieler nach positiven PCR-Tests in Quarantäne befinden. Die betroffenen Akteure seien vom Team isoliert worden, teilte der Club auf seiner Homepage mit, das Auswärtsspiel am Sonntag bei den Krefeld Pinguinen sei derzeit nicht in Gefahr.

Doch einen Tag später ordnete das Gesundheitsamt für einen Großteil der Steelers-Mannschaft, die am Freitag spielfrei gewesen war, Quarantäne an. Damit standen Trainer Daniel Naud nur noch zehn Feldspieler und kein Torhüter zur Verfügung – also kein spielfähiges Team. Die Partie in Krefeld, für die auch eine Übertragung im Fernsehsender Servus TV vorgesehen war, wurde abgesagt.

„Allen Spielern geht es soweit gut“, teilte Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch gestern auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Anzahl der positiv Getesteten wollte Schoch nicht nennen, er ging aber davon aus, dass seine Mannschaft am kommenden Freitag zum Auswärtsspiel in Augsburg wieder antreten kann. Die Bietigheimer Spieler, betonte Schoch gestern noch einmal, seien alle mindestens zweimal geimpft, zum Teil auch schon mit Booster-Impfung.

Gleich vier Mannschaften aus der Deutschen Eishockey-Liga sind derzeit wegen Corona-Ausbrüchen nicht spielfähig, die DEL ist damit einen Monat vor den Olympischen Winterspielen besonders gebeutelt. „Erst ohne Zuschauer, jetzt ohne Spieler – das macht nicht wirklich Spaß. Wir kämpfen bis zum Letzten“, sagte DEL-Chef Gernot Tripcke. Die Nervosität im Ligabüro, bei den Clubs und den Spielern ist erhöht, die Termin-Not wächst.

In drei Wochen soll sich das Nationalteam in Mannheim treffen und am 2. Februar nach Peking aufbrechen. Geht das Infektionstempo in der DEL so weiter, könnte Olympia für einige Spieler in Gefahr geraten. Die DEL gerät in Not, die Olympia-Pause dafür zu nutzen, die derzeit schiefe Tabelle mit Nachholspielen zu bereinigen. Schon weit über 30 davon stehen an. Auch weil die DEL als erste große deutsche Profiliga den Clubs erlaubt hat, Partien wegen Booster-Impfungen zu verlegen.

„Das stellt uns vor Probleme, den Spielplan über die Bühne zu bringen“, sagte DEL-Geschäftsführer Tripcke der ARD. „Uns gehen die Spieltage aus. Wir können die Mannschaften ja nicht dauerhaft vier Mal pro Woche spielen lassen.“ Am Freitagabend waren mit EHC Red Bull München, den Iserlohn Roosters und den Grizzlys Wolfsburg drei Teams in kompletter Quarantäne. Am Samstag wurden dann auch noch die Bietigheim Steelers vom zuständigen Gesundheitsamt aus dem Spielbetrieb genommen. Dies könnte bald zu Nachholspielen während Olympia führen.

Auf- und Abstieg in der Diskussion

Indes würden Nachholpartien ohne die besten Profis, die dann in Peking im Einsatz wären, den Spielbetrieb möglicherweise weiter verzerren. Schon jetzt stellen vor allem natürlich die abstiegsbedrohten Clubs den zu dieser Saison wieder eingeführten Auf- und Abstieg infrage. „Die Fairness lässt mittlerweile Federn“, urteilte Iserlohns Sportdirektor Christian Hommel.

Die Roosters sind aktuell Letzter und von Corona besonders betroffen. „Ich muss ganz ehrlich sagen, so hätte ich es nicht erwartet. Wir sind mittlerweile bei 27 Fällen angelangt“, berichtete Hommel über den bereits zweiten Corona-Ausbruch im Sauerland in dieser Saison.

Logisch, dass er den drohenden Abstieg verhindert wissen will: „Ich bin klar gegen Auf- oder Abstieg. Es gehört nicht zu unserem Eishockey-Konzept. Es geht nicht, wenn drei bis fünf Teams ums Überleben kämpfen.“ Noch hält die DEL an der ausgehandelten Regelung mit der DEL 2 fest und verweist auf einen Vertrag mit dem Unterhaus.

Möglicherweise könnte Iserlohn von der aktuellen Situation am Ende aber sogar noch profitieren. Die notgedrungene Spielpause nutzte der letzte am Sonntag zur Trennung von Chefcoach Brad Tapper. Das durchaus gut besetzte Team kann sich nun neu justieren und nach Beendigung der Team-Quarantäne mit neuem Chefcoach noch einmal neu angreifen.

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