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DEL ist für Steelers nach Meisterschaft zum Greifen nah

Mit dem Gewinn der Meisterschaft in der Deutschen Eishockey-Liga2 haben sich die Bietigheim Steelers für die DEL qualifiziert. Jetzt muss der Club noch eine Spielberechtigung erhalten.

Überglückliche Kämpfertruppe: Die Steelers haben zur Überraschung vieler Experten die Meisterschaft in der DEL 2 gewonnen. Foto: osnapix/PIX-Sportfotos
Überglückliche Kämpfertruppe: Die Steelers haben zur Überraschung vieler Experten die Meisterschaft in der DEL 2 gewonnen. Foto: osnapix/PIX-Sportfotos

Kassel. Nach der Pokalübergabe war die Meisterfeier am Samstagabend in Kassel fast ein wenig am Einschlafen. Erschöpft standen die Spieler der Bietigheim Steelers nach ihrem grandiosen Kampf in kleinen Gruppen zusammen, manche saßen an der Bande. Da hievte Alexander Preibisch eine Lautsprecher-Anlage auf die Eisfläche und drehte die Box auf. Zum Italo-Rocksong „Gloria“ stimmten die Meister-Helden lautstark ein. Noch lauter wurde es, als die Bietigheimer den als Fanhymne längst bekannten Song „Freed from desire“ umdichteten und „Steelers on fire“, grölten. Die Party war wieder voll im Gange.

Der Eishockey-Zweitligist feierte den 5:2-Sieg im entscheidenden fünften Spiel der Finalserie über die Kassel Huskies bis tief in die Nacht. Durch den kaum für möglich gehaltenen Erfolg sind die Steelers der erste sportliche Aufsteiger in die DEL seit 2006. Bietigheim ist dem langgehegten Traum vom Oberhaus damit so nah wie nie. Entsprechend wurde auch gefeiert.

Da die Getränkevorräte auf der Heimfahrt lange vor der Ankunft im Ellental zur Neige gingen, eilte Liga-Rivale Bad Nauheim zur Hilfe und lieferte an einem Autobahn-Parkplatz Nachschub. In Bietigheim angekommen ging die Fete weiter.

Die Feierei hat sich das Team hart erarbeitet. Denn nachdem die Steelers im Sommer im ersten Anlauf nicht einmal eine Lizenz erhalten hatten, hätte kaum jemand diesen Erfolg für möglich gehalten. „Das ist eigentlich unglaublich. Alle Spieler sind geblieben, obwohl sie hätten gehen können, allein das zeigt schon den Charakter“, sagte Trainer Daniel Naud nach dem Spiel. Dass sich Geschäftsführer Volker Schoch mit ihm und Co-Trainer Fabian Dahlem für ein erfahrenes Gespann entschieden hatte, erwies sich als goldrichtige Entscheidung.

Die beiden Coaches führten das Team trotz einiger gewaltiger Probleme mit viel Ruhe durch die schwierige Corona-Saison. Zweimal musste das Team aufgrund von Infektionen in Quarantäne, dazu kamen Verletzungsengpässe. Dennoch schaffte es der SCB in der Hauptrunde auf Platz vier. In den Play-offs brauchten die Bietigheimer im Viertelfinale gegen Frankfurt und im Halbfinale gegen Freiburg alle fünf Spiele und trafen im Finale auf den souveränen Hauptrundensieger Kassel.

Als Bietigheim die ersten beiden Spiele gegen die Nordhessen verlor, sprachen erneut alle Fakten gegen die Grün-weiß-blauen. Aber wie so oft kämpften sich die Steelers zurück und bekamen so im fünften Spiel am Samstag doch die Chance zur Meisterschaft. In Kassel gingen die Schwaben durch C.J. Stretch in Führung, mussten aber vor der ersten Pause den Ausgleich hinnehmen. Im Mitteldrittel geriet Bietigheim ins Schwimmen und hatte Glück, mit nur einem Tor in Rückstand zu geraten.

Im Schlussabschnitt sah es erneut nicht gut aus für die Steelers, doch nach Norman Hauners 2:2 lief es plötzlich bei den Gästen. Mit einem unbändigen Siegeswillen überrollten die Steelers den Favoriten in der Schlussphase und sicherten sich durch weitere Tore von Evan Jasper, Hauner und Tim Schüle den Sieg. „Ich denke, dass wir in den letzten Wochen einfach Situationen hatten, die Kassel nicht hatte“, sagte Hauner nach dem Spiel. „Wir wurden in den letzten Wochen zu einer Einheit, die über den Willen kommt und so schwer zu schlagen ist.“

Durch ihre mentale Ausnahmeleistung haben sich die Steelers-Akteure zu Helden gemacht. Ob sie am Ende womöglich trotzdem als tragische Helden in die Vereinsgeschichte eingehen werden, zeigen die kommenden Wochen. Denn die sportliche Qualifikation war nur der erste Schritt für eine Spielberechtigung in der DEL. Neben der sportlichen Eignung müssen nun auch die wirtschaftliche und infrastrukturelle nachgewiesen werden. Bei der Infrastruktur müssten die Stadtwerke als Betreiber der Arena eine Flexbande installieren, die mehr Schutz bei Checks bietet, erklärte Schoch. Was die Wirtschaftlichkeit angeht, ist Schoch optimistisch: „Entspannt schlafen werde ich erst, wenn der Spielplan rauskommt und Bietigheim darin aufgeführt ist. Aber ich glaube daran.“ Heute werden die Unterlagen für das Lizenzierungsverfahren eingereicht.

Das Team soll laut Schoch im Falle des Aufstieges weitestgehend zusammenbleiben. „Das ist meine Mannschaft, auch in der DEL. Wer mitgeholfen hat, das zu erreichen, soll auch eine Chance bekommen.“

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