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Analyse

Frust müssen bei Steelers nun Korrekturen folgen

Die Eishockey-Sommerpause, davon konnte man in Bietigheim in den vergangenen Jahren fast immer getrost ausgehen, beginnt im Mai. Also nach der Play-off-Finalserie in der Deutschen Eishockey-Liga 2. Diesmal werden die Golfschläger fast zwei Monate früher ausgepackt, denn die erfolgsverwöhnten Steelers scheiterten bereits in der Qualifikation zum Play-off-Viertelfinale und verfehlten ihre ursprünglichen Ziele damit krachend.

„Ich bin sprachlos, einfach sprachlos. Das ist nicht akzeptabel für uns“, gab ein frustrierter Trainer Marc St. Jean nach dem Aus gegen den ESV Kaufbeuren zu Protokoll. In beiden Spielen fingen sich die Bietigheimer den entscheidenden Gegentreffer in der Schlussminute – doch von Pech konnte nach einer verkorksten Saison kaum mehr die Rede sein. Die drohende Abstiegsrunde wurde nämlich erst am vorletzten Hauptrundenspieltag mit einem Derbysieg gegen Heilbronn verhindert und damit noch das „Minimalziel Pre-Play-offs“ (Geschäftsführer Volker Schoch) erreicht. Doch der Trend zeigte schon zuvor nach unten.

Hugo Boisvert, der 2018 das schwere Erbe von Erfolgscoach Kevin Gaudet angetreten hatte, scheiterte mit seinem neuen Team in der vergangenen Saison ebenfalls ungewöhnlich früh im Viertelfinale und wurde im November 2019 seinen Job bei den Steelers wieder los, auch wegen einer „nicht erkennbaren Weiterentwicklung des Teams“. Der sportliche Leiter St. Jean übernahm.

Der Umbruch im Kader, auch mit Blick auf den wieder möglichen DEL-Aufstieg in der kommenden Saison, war zweifellos nötig. Doch unterschätzt wurde offenbar, dass der Abgang beziehungsweise das Karriereende zahlreicher Routiniers und Leistungsträger wie Dominic Auger, Bastian Steingroß, Marcus Sommerfeld, Shawn Weller oder Tyler McNeely den Schwaben zugleich auch wertvolle Erfahrung kostete.

„In brenzligen Situationen haben sie mit ihrer Erfahrung für die richtigen Entscheidungen gesorgt“, merkte St. Jean an.

Als die Play-offs in Gefahr gerieten und mit Tim Schüle eine zentrale Figur in der Abwehr und im Powerplay ausfiel, zogen die Steelers noch einmal alle Register. Doch obwohl sich die beiden Kontingentspieler Guillaume Leclerc und Myles Fitzgerald als Verstärkungen erwiesen, ließ sich die Misere nicht mehr aufhalten.

Kluge Entscheidungen gefragt

Jetzt gilt es im Ellental, die richtigen Weichen zu stellen. Etatmäßig wird man mit Frankfurt oder Kassel, die mit Macht in die DEL streben, kaum mithalten können. Es bedarf also kluger Entscheidungen in der Trainerfrage und entsprechender Korrekturen am Spielerkader – nur dann lebt der Traum vom Aufstieg weiter.