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„Problem steckt derzeit im Kopf“

Eishockey-Zweitligist Bietigheim Steelers ist in eine völlig ungewohnte Schieflage geraten, aber Geschäftsführer Volker Schoch verteidigt den eingeschlagenen Kurs mit jungen Spielern und glaubt fest an ein Happy End.

Jubeln dürfen häufig die Gegner: Die Steelers (grüne Trikots) kommen in dieser Saison noch nicht richtig in Fahrt.Foto: Baumann
Jubeln dürfen häufig die Gegner: Die Steelers (grüne Trikots) kommen in dieser Saison noch nicht richtig in Fahrt. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen.. Die knapp 4000 Zuschauer trauten am Dienstagabend ihren Augen nicht, als die Steelers im Duell der Erzrivalen von den Heilbronner Falken förmlich zerrupft wurden. Nach 48 Minuten lagen die Gastgeber mit 1:7 zurück und eine zweistellige Blamage schien unausweichlich. Immerhin wehrten sich Topscorer Matt McKnight und Co. gegen die Demontage und schafften mit dem 4:7-Endstand noch etwas Ergebniskosmetik.

Die Probleme der Steelers wurden dadurch nicht verdeckt. Auch nach der Entlassung von Cheftrainer Hugo Boisvert gab es unter Interimscoach Marc St. Jean drei Niederlagen am Stück und mit Rang neun eine Platzierung, die man im Ellental nur noch vom Hörensagen kannte. Heilbronn, das die vergangenen 14 Spiele in Bietigheim allesamt nicht gewinnen konnte, hat als Tabellenzweiter bereits 12 Punkte Vorsprung auf den Nachbarn, der momentan sogar um den Einzug in die Pre-Play-offs bangen muss.

Davon will Volker Schoch allerdings nichts wissen: „Ich bin sicher, dass wir die Play-offs erreichen. Da nehme ich jede Wette an.“ Der Geschäftsführer wischt die Probleme zwar nicht beiseite, verteidigt aber den eingeschlagenen Kurs, den Weg mit jungen deutschen Spielern zu gehen. Entsprechende Verträge wurden auch mit Blick auf die nächste Saison gemacht, in der es endlich wieder um den Aufstieg in die DEL geht. Die derzeitige Kritik aus dem erfolgsverwöhnten Umfeld muss Schoch aushalten, der sagt: „Mein Job ist gerade nicht vergnügungssteuerpflichtig.“ Bei der Suche nach Gründen für die Krise des viermaligen Zweitliga-Meisters wird von Vereinsseite nicht an der Qualität des Kaders gezweifelt. „Zudem ist die Mannschaft körperlich topfit, doch das Problem steckt im Kopf“, ist sich Schoch sicher. Der jungen Mannschaft, der nach Abgängen von Routiniers wie Sinisa Martinovic, Justin Kelly, Marcus Sommerfeld, Bastian Steingroß, Tyler McNeely und anderen viel Erfahrung verloren gegangen ist, fehlt in dieser Saison oft die führende Hand auf dem Eis.

„Wie wichtig Selbstvertrauen ist, hat man an Heilbronn gesehen“, verwies Marc St. Jean am Dienstagabend nach dem Derby auf einen entscheidenden Unterschied. „Wir versuchen uns zu finden, aber es ist nicht leicht, wenn man in so ein Loch fällt. Wir werden nur mit harter Arbeit da wieder rauskommen.“

Einen Trumpf, den die Steelers noch in der Hinterhand haben, soll vorerst nicht ausgespielt werden: die vierte Ausländerposition ist noch unbesetzt. Schoch: „Wir haben Vertrauen in das Team, da steckt viel Talent drin.“ Spätestens in der nächsten Saison, wenn es um die Wurst geht, müssen die Steelers ihr Potenzial auch ausschöpfen.

Kurzfristig muss man sich wohl durchbeißen. Am morgigen Freitag gastieren die Schwaben bei den Tölzer Löwen, der Mannschaft der Stunde in der DEL 2. Unglaubliche neun Siege in Serie hat Ex-Steelerscoach Kevin Gaudet mit dem Traditionsclub eingefahren. Und am Sonntag empfängt Bietigheim um 17 Uhr die Eispiraten aus Crimitschau in der Ege Trans-Arena, die mit der Empfehlung eines 6:3-Derbyerfolgs gegen die Lausitzer Füchse anreisen.

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