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Interview
Riley Sheen nimmt mit den Bietigheim Steelers die Play-offs der DEL ins Visier

Riley Sheen kommt im Bietigheimer Trikot bereits auf 56 Scorerpunkte in dieser DEL-Saison. Foto: Baumann
Riley Sheen kommt im Bietigheimer Trikot bereits auf 56 Scorerpunkte in dieser DEL-Saison. Foto: Baumann
56 Scorerpunkte hat Star-Angreifer Riley Sheen in dieser Saison bereits gesammelt. Nun möchte er mit den Bietigheim Steelers in die Entscheidungsspiele der DEL einziehen.

Bietigheim-Bissingen. Mit 35 Toren ist Riley Sheen der mit Abstand beste Torschütze der Deutschen Eishockeyliga (DEL). In seinem zweiten Jahr bei den Bietigheim Steelers blüht der 27 Jahre alte Kanadier auf und hat großen Anteil daran, dass die Ellentäler neun Spieltage vor Hauptrundenende auf dem zehnten Platz liegen. Am Freitagabend (19.30 Uhr/Magentasport) treffen die Steelers in der SAP-Arena auf den Tabellenvierten und deutschen Meister von 2019, die Adler Mannheim. Vor der Partie spricht der in Edmonton geborene Sheen über die bislang beste Saison seiner Eishockey-Karriere, eine mögliche Olympiateilnahme und das Ziel, in die Play-offs einzuziehen.

2020 wechselten Sie aus China nach Bietigheim in die DEL2. Hätten Sie zu diesem Zeitpunkt erwartet, dass Sie zwei Jahre später Top-Torschütze der DEL sein werden?

Riley Sheen: Das hatte ich damals nicht im Kopf. Als das Angebot kam, habe ich mir die Geschichte von Bietigheim angeschaut und gesehen, dass die Steelers sehr erfolgreich in der DEL2 waren. Mein Ziel war es, ein Jahr in der Zweiten Liga zu spielen und dann in die DEL aufzusteigen. Das ist genau, was wir erreicht haben.

Haben Sie schon einmal eine so starke Saison gespielt oder erlebt die DEL gerade den besten Riley Sheen, den es je gab?

Natürlich hat man als Jugendlicher ein paar statistisch sehr starke Saisons, aber diese Saison rangiert sich ganz oben ein. Es läuft wirklich super.

Haben Sie in diesem Sommer etwas anders gemacht als in den Jahren zuvor?

Nein. Ich habe mit ein paar Freunden in Kanada trainiert. Ich versuche immer, so viel Zeit wie möglich auf dem Eis zu verbringen, um die Technik aufrechtzuerhalten und physisch fit zu bleiben.

Ihr Landsmann und Trainer Daniel Naud hat während der Olympischen Spiele in China gesagt, dass er Sie gerne im kanadischen Team gesehen hätte. Gab es im Vorfeld der Spiele Kontakt zum Nationaltrainer?

Nein, aber das war sehr nett von Danny. Ich versuche, einfach weiter das Bestmögliche zu geben. Vielleicht ergeben sich ja in der Zukunft neue Möglichkeiten.

Also zu Olympia 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo?

Wir werden sehen. (lacht)

Bevor Sie nach Bietigheim kamen, haben Sie als Profi für ORG Beijing in China gespielt. Was hat Sie damals zum Wechsel nach Asien bewegt?

Das war eine tolle Erfahrung. Mein Agent hatte Kontakt zu einem nordamerikanischen Trainer bei einem Verein in Peking, der aber in der russischen Hockeyliga VHL gespielt hat. Das war ein toller erster Schritt, um ins Profigeschäft zu starten.

Was war die größte Umstellung, als Sie nach China gezogen sind?

Natürlich ist die Kultur eine andere, aber Hockey ist Hockey, egal, wo man es spielt. Man teilt sich eine Kabine mit 20 Kumpels, und sobald man das Eis berührt, ist es immer das Gleiche.

Was schätzen Sie am meisten am Leben in Deutschland?

Die Küche. Ich konnte außerhalb unserer Spiele nicht sehr viel im Land erkunden, aber alleine Schnitzel schmecken super.

Gibt es eine Liga, in der Sie irgendwann unbedingt spielen möchten?

Ich schaue nicht so sehr in die Zukunft. Als Profi in Europa gibt es etliche Möglichkeiten, wo man landen kann.

Sie wollen also in Europa bleiben?

Ich denke schon. Aber man weiß nie, was passiert.

Und wie wahrscheinlich ist es, dass Sie auch – vorausgesetzt, die Steelers schaffen den Klassenverbleib – nächste Saison in Bietigheim in der DEL spielen?

Ich liebe es hier in Bietigheim. Aber aus solchen Gründen haben wir Agenten und Manager, damit ich mich jetzt nicht um meine Zukunft kümmern muss. Wir haben noch Arbeit zu erledigen, aber bewegen uns in die richtige Richtung.

Sie sagen es: Die Steelers sind als Außenseiter in die Saison gestartet, stehen nun überraschend auf dem zehnten Platz in der Tabelle. Was macht das Team stark?

Das hat eine Menge mit Selbstvertrauen zu tun. Wir sind in diese Saison gegangen und wollten die starken Clubs in der Liga herausfordern. Als wir am Erfolg geschnuppert haben, haben wir realisiert, dass wir auf diesem Level mithalten können. Und wenn es darauf ankam, haben wir immer sehr gutes Hockey gespielt.

Am Freitagabend spielen Sie in Mannheim. Auch dort nehmen die Steelers die Außenseiterrolle ein. Liegt Ihnen das?

Wir haben gegen Mannheim bisher gut ausgesehen in diesem Jahr. Es ist auch wegen der örtlichen Nähe schon eine gewisse Rivalität entstanden. Ich freue mich darauf, das wird ein großes Spiel. Bisher liegt uns die Underdog-Rolle sehr gut. Schon in den Finalspielen der DEL2 letztes Jahr gegen Kassel hat niemand mit uns gerechnet und wir haben das Gegenteil bewiesen.

Bisher wurde stets der Klassenverbleib als Saisonziel genannt. Als Zehnter würden Sie – Stand jetzt – in den Pre-Play-offs antreten. Ist es nun das Ziel, diese zu erreichen?

Natürlich. Wenn man sich die Tabelle anschaut und wo wir stehen, ist es möglich. Wir möchten in jedem Spiel Punkte holen und schauen, wofür es am Ende reicht.