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interview

„Tun alles dafür, um zu überleben“

Eishockey-Zweitligist Bietigheim Steelers spielt aufgrund der Corona-Pandemie seit zwei Monaten ohne Zuschauer. Ein Drahtseilakt, zumal der Club auch noch Auflagen aus dem Lizenzierungsdrama im Frühjahr 2020 zu erfüllen hat. Geschäftsführer Volker Schoch hat sich dennoch seinen Optimismus bewahrt.

„Die Situation ist nach wie vor schwierig“: Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch.Foto: Baumann
„Die Situation ist nach wie vor schwierig“: Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Hilfreich ist dabei natürlich der gelungene Start in die neue Saison mit dem Sprung auf Platz drei nach dem 4:2-Sieg am Dienstag gegen Crimmitschau. Im LKZ-Interview zieht Schoch eine Zwischenbilanz und hofft, dass sich der sportliche Trend beim Gastspiel heute in Dresden und am Sonntag (17 Uhr, Ege Trans-Arena) im Heimspiel gegen den EV Landshut fortsetzt.

Von den Clubs der DEL 2 war vor dem Saisonstart Anfang November zu hören, dass Spiele ohne Zuschauer über einen längeren Zeitraum wirtschaftlich nicht darstellbar seien. Wie bewerten Sie die Lage nach zwei Monaten und neun Heimspielen der Steelers?

Volker Schoch: Es ist nach wie vor schwierig. Den Bundeszuschuss, den man bekommt, ist eine Teilkompensation. Uns fehlt definitiv Geld. Maximal 800 000 Euro pro Club an Corona-Hilfen waren bereitgestellt worden, es ist aber nicht alles abgeschöpft worden. Jetzt denkt der Staat darüber nach, die Summe noch einmal auf 1,2 Millionen Euro zu erhöhen. Wenn man das bekommen könnte, hätte man eine Chance. Bei uns fehlen allein durch Dauerkarten, VIP-Karten und Tageskarten knapp 1,3 Millionen Euro an Einnahmen.

Wie sieht es mit den Sponsoren aus?

Da haben auch die meisten gesagt, wir können nicht mehr machen. Da müssen wir mit 20 bis 30 Prozent weniger Einnahmen rechnen. Also muss ich nicht nur die Ticket-Differenz kompensieren. Das kann ich unter anderem durch Sparen erreichen, jeder Euro zählt. Im August war die Mannschaft noch arbeitslos, erst im September haben wir wieder trainiert.

Derzeit muss man durchaus damit rechnen, dass die Saison komplett ohne Zuschauer zu Ende gespielt werden muss.

Vielleicht entspannt sich die Lage etwas, wenn im Frühjahr die Temperaturen wieder ansteigen. Aber ich gehe erst mal davon aus, dass wir keine Zuschauer haben werden.

Aber man könnte die Saison trotzdem irgendwie überstehen?

Wir tun alles dafür, um zu überleben. Und es macht Freude zu sehen, wie die Mannschaft funktioniert. Wir waren einer der wenigen Clubs, die keine DEL-Leihspieler geholt haben und wir haben immer noch aus wirtschaftlichen Gründen nur drei Ausländer im Kader. Auch wenn Trainer Daniel Naud mal nachfragt. Denn ein vierter Kontingentspieler würde mit Sicherheit noch mehr Qualität bedeuten und mehr Konkurrenzkampf im Team. Aber im Moment ist ein vierter Ausländer nicht zwingend notwendig. Und uns war wichtig nach dem ganzen Theater im Sommer mit der Lizenzierung, dass wir die Auflagen, die wir bekommen haben, erfüllen. Und die erfüllen wir im Moment alle. Ich will da nichts riskieren.

Wieweit belasten die Auflagen, die die Steelers nach dem Schiedsgerichtsurteil erfüllen müssen, denn derzeit?

Wir müssen ja monatlich Berichte abgeben an die Liga durch einen Wirtschaftsprüfer und wir wurden bisher noch nie kritisiert. Wir sind im Moment flüssig und da bin ich auch stolz drauf.

Andere DEL-2-Clubs haben noch einmal aufgerüstet und nachgelegt. Die Steelers haben sich da zurückgehalten.

Wenn ich sehe, was Kassel und Ravensburg so gemacht haben. Wir sind die einzigen, die in der Personalgeschichte noch gar nichts gemacht haben.

Wie fällt denn die sportliche Zwischenbilanz nach 17 Punktspielen aus?

Wir sind unter den ersten vier Mannschaften in der Tabelle. Im Anschluss an die Quarantäne haben wir kurz den Rhythmus verloren, aber sportlich bin ich mit der Leistung der Mannschaft und des gesamten Trainerteams absolut zufrieden. Da gibt es nichts zu kritisieren. Daniel Naud und Fabian Dahlem machen einen klasse Job, das Ganze noch verbunden mit unseren Athletik- und Fitnesstrainern Fabian Wolbert und Pirmin Härle. Das funktioniert einwandfrei. Die Organisation um unsere Mannschaft herum ist sehr professionell.

Was ist denn, wenn die Steelers ins Finale kommen und der Aufstieg lockt?

Die DEL-Bürgschaft von 800 000 Euro haben wir hinterlegt. Wobei ich persönlich sagen muss: nach dieser Corona-Saison wäre es nicht schlimm, nicht aufzusteigen. Dann könnte man auch noch das eine oder andere an der Mannschaft machen mit neuem, frischen Geld. Da könnte ich uns einen größeren finanziellen Spielraum verschaffen. Denn wir haben nichts vorgezogen in Sachen Dauerkarten oder Sponsoring.

Aber die Steelers würden sich auch nicht gegen einen Aufstieg schon nach dieser Saison wehren?

Ich bin mir nicht sicher, ob in der DEL alle Clubs überleben. Und ob die DEL dann nicht dankbar wäre, wenn aus der DEL 2 sogar zwei oder drei Clubs aufsteigen wollen, um einen vollen Spielbetrieb zu haben.

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