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Breitensport

Corona: Amateurfußballer im Bezirk Enz/Murr stellen sich die Sinnfrage

Am Donnerstag schalten sich Funktionäre aus dem ganzen Verbandsgebiet zusammen, um über den Spielbetrieb angesichts der Coronavirus-Pandemie zu sprechen. Unter den Fußball-Clubs in der Region mehren sich die Stimmen für eine Saison-Unterbrechung.

Spielbetrieb unter Einschränkungen im Amateurfußball. Foto: Baumann
Spielbetrieb unter Einschränkungen im Amateurfußball. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Am Wochenende fand das erste Mal ein Fußball-Spieltag unter den Einschränkungen der Alarmstufe statt. Ungeimpfte Trainer und Vertragsspieler durften dabei nur mit einem negativen Antigen-Schnelltest spielen, alle anderen ungeimpften Akteure mussten sogar einen negativen (und teuren) PCR-Test vorlegen. Trotz fast neun Prozent abgesagter Spiele zog der Verband ein positives Fazit. „Das ist absolut im erwartbaren Rahmen und nur leicht über der zu dieser Jahreszeit üblichen Zahl“, sagt Heiner Baumeister, Pressesprecher des Württembergischen Fußballverbandes auf Anfrage.

Dennoch ist bei den Vereinen im Bezirk Enz/Murr Unmut über die Fortsetzung des Spielbetriebs zu Vernehmen – und die PCR-Testpflicht für Ungeimpfte ist dabei nur einer der Gründe. „Moralisch ist es nicht zu vertreten, dass wir weiterspielen, wenn man in die Krankenhäuser schaut“, sagt Benjamin Osswald, Sportlicher Leiter beim Bezirksligisten TASV Hessigheim. „Wir sind aber auch gebrannte Kinder.“

Damit spielt Osswald auf die Ereignisse der vergangenen Tage an. Vor knapp zwei Wochen trat im Team der Hessigheimer ein Coronafall auf. Weil der betroffene Spieler auch privat Kontakt zu anderen Teamkameraden hatte, wurde das Spiel gegen Merklingen in Absprache mit dem Gegner verlegt. Besser so: Es folgte im Laufe der Woche ein weiterer Fall – trotz nahezu vollständiger Impfquote. Auch am vergangenen Samstag wies ein Schnelltest kurz vor dem Treffpunkt bei einem weiteren Spieler ein positives Ergebnis auf. Doch die Partie gegen den TV Aldingen konnte nicht mehr verschoben werden. „Wir wurden vor die Wahl gestellt unter Risiko anzutreten oder das Spiel zu verlieren. Wir haben uns für die Sicherheit entschieden“, berichtet Osswald. Der Verband verwies auf die vorhandenen mindestens 16 spielfähigen, geimpften und symptomfreien Spieler und wertete das Spiel mit 3:0 für Aldingen. Das hat auch den Gegner irritiert: „Die Gesundheit geht vor. Wenn man den Fall Hessigheim sieht, lässt das Spielrecht keine Ausflüchte zu“, sagt der Aldinger Spielleiter Frank Schneider, der auch als Staffelleiter der Kreisliga B1und B3 tätig ist. „Das ist nicht mehr auf fairen Wettbewerb zurückzuführen. Wenn es nach uns ausgeht, kann man ruhig unterbrechen.“ Auch Spiele ohne Zuschauer hält Schneider für sinnvoll.

Das Argument, unbedingt 50Prozent der Partien zu absolvieren, damit die Saison in jedem Fall gewertet werden kann, lässt Schneider nicht gelten. „Es sind nur noch drei oder vier Spiele, das bekommt man mit Englischen Wochen hin.“

Das sieht so auch Timo Balle, Sportlicher Leiter beim TSV Schwieberdingen. „Das nachzuholen geht. Für mich ist das Maßgebende, dass die Ärzte sagen, es war noch nie so schlimm und wir sollen die Kontakte reduzieren.“ Zudem ächzt der TSV unter den Kontrollen der Maßnahmen, wie das geltende 2G für Zuschauer. „Ich müsste eigentlich fürs Weiterspielen plädieren, weil je weniger Spiele, desto schwerer wird es für uns, den Klassenverbleib zu schaffen.“ Verbandspressesprecher Baumeister sagt dazu: „Wir wissen eine Sache sicher, dass wir jetzt noch spielen dürfen. Was wir nicht wissen, ist, wie es im Frühjahr aussieht. Auf dieser Grundlage organisieren wir im Rahmen der Vorgaben den Spielbetrieb.“

Dass dabei Ungeimpfte nur mit negativem PCR-Test spielen dürfen, stört Markus Fendyk. „Es bietet keine Chancengleichheit. Es gibt keine Impfpflicht. Wenn sich jeder frei entscheiden kann, muss man auch akzeptieren, dass sich manche nicht impfen lassen“, sagt der Trainer des A-Ligisten TSV Grünbühl. Weil laut Fendyk fünf bis sechs Spieler ungeimpft seien und zudem am Samstag einige arbeitsbedingt und wegen Verletzungen ausfielen, konnte der TSV nicht antreten. Zudem vermutet der erfahrene Trainer: „Ich glaube nicht, dass alle mit offenen Karten spielen.“ Kontrollen vom Ordnungsamt sind bisher wohl nicht vorgekommen, jedenfalls sind dem Bezirksvorsitzenden Ingo Ernst keine Kontrollen bekannt. Die Vereine kontrollieren selbstständig und versichern die Richtigkeit der Angaben schriftlich. „Die Kontrollfunktion ist aus meiner Sicht nicht gegeben“, sagt Ernst.

Doch unter den Vereinen gibt es auch Stimmen, die sich für eine Fortsetzung aussprechen. „Es wäre wichtig, zu sagen, dass es für Geimpfte und Genesene weitergeht. Mir geht es um das Signal. Ich würde mir wünschen, dass die Regeln schärfer kontrolliert werden“, sagt Lars Schweizer, Coach des B-Ligisten DJK Ludwigsburg, der zuletzt zweimal den Aufstieg aufgrund des Saisonabbruchs verpasste.

Am Donnerstag kommen die Bezirksvorstände, Bezirksspielleiter und die Staffelleiter der überbezirklichen Ligen in einer Videokonferenz zusammen, um über die Situation zu beraten. Dazu drohen durch die ab Mittwoch geltende Alarmstufe II weitere Verschärfungen. Wie diese aussehen, wird sich aber erst im Laufe des Mittwochs zeigen, wenn das Landes-Kultusministerium die Corona-Verordnung Sport voraussichtlich gegen Nachmittag entsprechend angepasst haben wird.

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