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Fußball

Der Dauerbrenner im 15. VfB-Jahr

Trainer Markus Koch steht für eine langjährige Erfolgsgeschichte in Neckarrems – Nun soll Volker Finke eingeholt werden

Markus Koch leidet aktuell unter der fußballfreien Zeit. Foto: Baumann
Markus Koch leidet aktuell unter der fußballfreien Zeit. Foto: Baumann

Remseck. .„Homeoffice ist eine grausige Sache. Zwar hat man mehr Zeit für die Familie, es fehlt aber einfach etwas, nämlich der Fußball. Ich war noch nie der Typ, der abends vor dem Fernseher sitzt“, sagt Markus Koch. Wie dem Langzeitcoach von Verbandsligist VfB Neckarrems geht es in diesen Tagen vielen. In drei Wochen feiert Koch sein 15-jähriges Jubiläum als VfB-Trainer, doch spricht leider gar nichts dafür, dass dann der Ball schon wieder rollt.

Daran, wie er an diesem 20. April 2005 zu seinem Amt kam, erinnert sich der 52-jährige Sozialpädagoge noch sehr genau: „Ein eklig-kalter Nachmittag, ich war beim VfB noch Spieler, wir steckten in der Bezirksliga tief im Abstiegskampf und lagen zur Halbzeit auf dem alten Kunstrasen in Löchgau mit 0:1 hinten“, erzählt er und fährt fort: „In der Kabine meinte dann unser damaliger Trainer Robert Dannecker: Ich mag nicht mehr. Markus, mach du jetzt weiter!“ Koch machte, und auch wenn die ersten 45 Minuten unter seiner Ägide mit einer 0:2-Niederlage endeten, hielt man im Sommer die Klasse. Wie die Jungfrau zum Kinde sei er aber nicht zum Trainerjob gekommen: „Ich hatte das schon im Blick, schließlich war ich ausgebildeter Sportlehrer und hatte bereits die Trainerlizenz“, erklärt er und fügt schmunzelnd hinzu: „Dass daraus aber 15 Jahre werden, hätte ich mir nie träumen lassen. Zumal Rems von den Charakteren am Stammtisch nicht einfach ist“.

Der sportliche Erfolg, der sich mit der Bezirksligameisterschaft im Folgejahr und bald darauf zwei weiteren Aufstiegen einstellte, begünstigte sicherlich die Entwicklung. „Wäre es anfangs nur dahingetröpfelt, wären es keine 15 Jahre geworden“, weiß der Dauerbrenner unter den Coaches im Kreis, der selbst fußballerisch einst bei der SpVgg 07 Ludwigsburg groß wurde. Die Aufstiege in Verbands- und Oberliga 2009/10 binnen zwölf Monaten waren dann absolute Highlights.

„Neckarrems ist eben dann doch Dorf: Wenn du gewonnen hast, war die Hölle los“, erinnert er sich, betont aber gleichzeitig die sportliche Wertigkeit der Tatsache, dass der Dorfverein aktuell schon seine neunte Saison in Folge in der Verbandsliga spielt: „Auch das ist für mich kein Dahintröpfeln, sondern ein Bereich, der für Rems das Maximum darstellt“, sagt er bestimmt.

Abnutzungseffekte sieht Koch nicht, obwohl es auch kritische Phasen wie den finanziellen Kollaps und das Auseinanderbrechen der Mannschaft nach dem Oberligaaufstieg 2010 gab. „Das war eine ganz schwierige Zeit, denn es stand auf der Kippe, ob es überhaupt weitergeht. Manche Verwerfungen in Neckarrems bestehen seit damals“, erzählt er und lässt durchblicken, dass ihm auch sein aktueller Kader, der vor der Corona-Zwangspause auf Abstiegskurs lag, einiges Kopfzerbrechen bereitet.

Vieles habe sich in den 15 Jahren verändert. Er selbst („Ich bin heute inhaltlich ein wesentlich besserer Trainer als früher“) genauso wie die Spielergeneration: „Heute muss man sie überzeugen, denn sie sind kritischer, als wir das früher waren, und hinterfragen alles. Das ist zwar erst mal positiv, aber kritisch zu sein heißt leider nicht unbedingt, auch selbstkritisch zu sein“, findet Koch, der einräumt, dass er „sicher auch altersbedingt“ heute mehr Distanz zu seinen Spielern habe. Seiner Motivation kann dies aber nichts anhaben: „Das läuft bei mir intrinsisch. Trainer zu sein macht mir immer noch riesigen Spaß.

Zudem sind meine Co-Trainer Gert Ranzinger, Karsten Hönle und Aleks Konstencevski inzwischen enge Freunde“, erklärt er. Ans Aufhören denkt Koch, der erst kürzlich dem VfB auch fürs nächste Jahr zugesagt hat, folglich nicht. „Otto Rehhagels 14 Jahre in Bremen habe ich schon übertroffen. Volker Finke war 16 Jahre in Freiburg. Den will ich auf jeden Fall noch überholen“, lacht er, weiß aber ganz genau: „Irgendwann kommt das Ende. Ich bin hier nicht unkündbar“. Des Öfteren, gesteht er, denke er sich nach Niederlagen: „Jetzt müssten sie mich doch eigentlich entlassen“. Tun sie bislang aber nicht. Und das vermutlich mit gutem Grund.

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