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Viereinhalb Jahre liegen zwischen beiden Aufnahmen: Streli Mamba im Trikot des SC Paderborn im November 2019 (oben) und bei einem kraftvollen Einsatz für den Fußball-Oberligisten SGV Freiberg gegen die Stuttgarter Kickers im März 2015 (unten). Fotos: Fris

Der steile Aufstieg des Streli Mamba

Vor vier Jahren spielte er noch in Freiberg, heute trifft er in der Allianz-Arena auf den FC Bayern München. Streli Mamba vom SC Paderborn 07 hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Dass er es so weit gebracht hat, überrascht sogar einen seiner ehemaligen Trainer.

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Viereinhalb Jahre liegen zwischen beiden Aufnahmen: Streli Mamba im Trikot des SC Paderborn im November 2019 (oben) und bei einem kraftvollen Einsatz für den Fußball-Oberligisten SGV Freiberg gegen die Stuttgarter Kickers im März 2015 (unten). Fotos:
Viereinhalb Jahre liegen zwischen beiden Aufnahmen: Streli Mamba im Trikot des SC Paderborn im November 2019 (oben) und bei einem kraftvollen Einsatz für den Fußball-Oberligisten SGV Freiberg gegen die Stuttgarter Kickers im März 2015 (unten). Foto: Friso Gentsch (dpa)/Baumann

Ludwigsburg. Als Streli Mamba am Dienstagabend das Fußball-Champions-League-Spiel Borussia Dortmund gegen Paris Saint-Germain im Fernsehen verfolgte, „war ich vor dem Spiel aufgeregter, als wenn ich selbst spielen würde“, scherzt der 25-jährige Fußballprofi des SC Paderborn.07. Dabei weiß Mamba, der in der Saison 2014/15 für den SGV Freiberg in der Oberliga spielte, wie es sich anfühlt, den Dortmunder Signal-Iduna-Park zum Schweigen zu bringen. Im Bundesliga-Auswärtsspiel beim BVB traf Mamba im November doppelt, als Paderborn beim 3:3 nach furioser erster Spielhälfte einen Punkt aus Dortmund entführte.

„Jeder Fußballer träumt davon, vor so einer Kulisse zu spielen und dann auch noch zu treffen“, erinnert sich Mamba. „Beim ersten Tor war ich perplex und wusste nicht, wohin mit mir. Ich habe zu einem Mannschaftskollegen gesagt, er soll mich mal bitte zwicken.“ Vor seinem zweiten Tor überrannte Mamba damals Dortmunds Verteidiger Julian Weigl, ehe er eiskalt abschloss und während seines Torjubels ungläubig den Kopf schüttelte.

Anders als vor dem Verfolgen des BVB-Spiels im Fernsehen: Nervosität verspürt er vor der heutigen Aufgabe in der Bundesliga nicht. Um 20.30 Uhr (Dazn) trifft er mit dem SC Paderborn in der Allianz-Arena auf den FC Bayern München. „Vor solchen Spielen muss der Trainer gar nichts sagen, da weiß jeder Bescheid, worum es geht“, erzählt der gebürtige Göppinger.

Auch gegen die Bayern will Paderborn mutig spielen. Und auf die gewohnte Konterstärke setzen. „Auf den Offensivpositionen bringt kaum eine Mannschaft so viele PS auf den Platz wie wir“, sagt Mamba über den schnellen Angriff der Ostwestfalen. Auch er selbst hinterließ schon zu Freiberger Tagen dank seiner Schnelligkeit einen bleibenden Eindruck. „Seine Geschwindigkeit ist sensationell“, weiß Mambas ehemaliger Trainer Ramon Gehrmann. Der 45-Jährige trainierte Mamba vor ihrer gemeinsamen Zeit beim SGV auch in der Jugend des VfB Stuttgart. Dass es Mamba allerdings einmal zum Bundesligaspieler schaffen würde, damit hatte Gehrmann, der heute die Stuttgarter Kickers coacht, nicht gerechnet. „Die erste Liga hätte ich ihm zu Freiberger Zeiten nicht zugetraut“, sagt er und nennt Gründe dafür: „Damals war er in seiner Ballan- und -mitnahme sowie im Abschluss noch nicht so stark, wie er jetzt ist.“

Allerdings bemerkte der heute 45-Jährige schon damals, welche Voraussetzungen Mamba mitbringt. „Bis auf Antonio Rüdiger habe ich noch nie einen Spieler trainiert, der so einen Körper hatte. Das ist schon Wahnsinn.“

Zweifel an einer eigenen Bundesliga-Karriere hatte auch Mamba selbst. Alleine für sechs verschiedene Vereine spielte er in der Jugend. Zwischen 2013 und 2016 stand der Deutsch-Kongolese bei weiteren fünf Mannschaften im Herrenbereich unter Vertrag. „Ich hatte stets die Hoffnung, dass ich irgendwann Bundesliga spielen werde“, so Mamba. Dennoch hatte er sich eine Frist gesetzt. „Ich habe mir gesagt: Wenn ich mit 24 oder 25 noch nicht meinen Unterhalt mit Fußball verdiene, werde ich kürzer treten.“ Einen konkreten Plan B habe er aber nicht gehabt.

Den brauchte er allerdings auch nicht. Bei Energie Cottbus, wo er von 2016 bis 2019 spielte, gelang schließlich der Durchbruch. Vor der aktuellen Saison folgte der Wechsel zum Bundesligaaufsteiger Paderborn – im Alter von 24 Jahren. „In der Jugend war es so, dass ich eher aus Verzweiflung oder wegen des schnellen Erfolges gewechselt habe. Ich hätte vielleicht irgendwo standhaft bleiben sollen, dann wäre ich früher Profi geworden“, blickt Mamba zurück. Bei den Herren habe er sich allerdings Schritt für Schritt hocharbeiten wollen. Daher ging es von Freiberg im Jahr 2015 auch in die zweite Mannschaft des SV Sandhausen. „Ich habe gehofft, dort den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen.“ Nachdem das nicht gelang, folgte der Wechsel in die Lausitz.

Mit den Paderbornern steht er derzeit auf dem letzten Tabellenplatz mit einem Punkt Rückstand auf Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen. „Wir schaffen den Klassenerhalt, weil wir einfach einen anderen Fußball spielen als die anderen Teams“, ist sich Mamba sicher.

Ein Ziel, wie viele Tore er nun bei den Bayern schießen möchte, gibt der Stürmer nicht aus. Abseits des sportlichen Erfolgs hat er es aber auf etwas anderes abgesehen. „Ich hätte gerne das Trikot von Philippe Coutinho oder Robert Lewandowski“, sagt er. „Ich werde beide fragen, wenn ich beide Trikots kriege – auch nicht schlecht“, lacht er über den möglichen alternativen Doppelpack. Nach seinen zwei Treffern in Dortmund im November schrieb ihm sein Ex-Trainer Gehrmann eine Nachricht. Der Kickers-Coach bemühe sich aber, wie er versichert, „meinen ehemaligen Spielern nicht auf die Nerven zu gehen“. Deshalb kündigt Gehrmann nun an, sich bei Mamba erst zu melden, „wenn er seinen Hattrick gemacht hat“.

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