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Amateurfußball

DJK Ludwigsburg: Gefangen in der Kreisliga B

Heute Nachmittag entscheidet der Württembergische Fußballverband über die aktuelle Saison bei den Amateuren ab der Verbandsliga. An einer Annullierung wird dabei wohl kaum ein Weg vorbeiführen. Für den Kreisligisten DJK Ludwigsburg wäre das besonders bitter.

Erneut im Pech: Die DJK Ludwigsburg um Kapitän Tom-Lukas Kornmann. Foto: Fabian Pritzkuleit/p
Erneut im Pech: Die DJK Ludwigsburg um Kapitän Tom-Lukas Kornmann. Foto: Fabian Pritzkuleit/p

Ludwigsburg/Stuttgart. Auch Lars Schweizer hat lange auf eine Fortführung der Fußballsaison gehofft. Der Trainer der SG DJK Ludwigsburg steht mit seinem Team an der Tabellenspitze der KreisligaB3 – mit sechs Siegen aus sechs Spielen. Doch wenn der Beirat des Württembergischen Fußballverbandes heute Nachmittag tagt, wird wohl von der Verbandsliga bis zur Kreisliga B eine Annullierung der Spielzeit beschlossen, die seit Ende Oktober unterbrochen ist. Alles andere wäre eine Überraschung. Bereits Mitte Februar hatte der Verband beschlossen: Weitergespielt werden kann nur, wenn das bis zum 9. Mai möglich ist. Dabei wurden drei bis vier Wochen Vorbereitung zugesichert, mit Training unter Wettkampfbedingungen. Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens scheint das aussichtslos.

Vergeblicher Kampf um die Relegation

„Es ist eine sehr bescheidene Situation, die uns da ereilt, eigentlich zum zweiten Mal in Folge“, klagt Schweizer. Die Ludwigsburger traf es schon vor elf Monaten hart. Der Verband brach die Saison 2019/20 im Mai ab und wertete die Spielzeit nach der Quotientenregel (Punkte geteilt durch Anzahl der Spiele). Absteiger gab es keine, Relegationsteilnehmer ebenfalls nicht. Die DJK rutschte dadurch vom ersten auf den zweiten Platz und verpasste so den ersehnten Aufstieg.

Die Ludwigsburger versuchten, mit anderen Tabellenzweiten wie dem SV Pattonville um die Ausspielung der Relegation zu kämpfen, schließlich wurden die Pokalwettbewerbe auch zu Ende gebracht – doch der Versuch war vergeblich.

Trotz der großen Enttäuschung blieb das Team zusammen und startete motiviert in die neue Saison. Dieses Mal sollte nicht dasselbe passieren. „Ich habe den Jungs immer gesagt, dass wir Vollgas geben müssen, um jedes Spiel zu gewinnen, damit wir zu jeder Zeit auf Platz 1 stehen“, sagt Schweizer. Und das Team des 28-Jährigen lieferte: sechs Spiele, sechs Siege, durchschnittlich mehr als fünf geschossene Tore pro Spiel. „Die Jungs hatten Bock, noch mal richtig anzugreifen, und das haben wir auch gemacht. Wir hatten eine super Vorbereitung und eine gute Trainingsbeteiligung“, berichtet der B-Lizenzinhaber.

Doch das Coronavirus kam nach einer Entspannung über den Sommer im Herbst mit voller Wucht zurück. Der Verband war dieses Mal vorbereitet, die Spielordnung angepasst. Sobald mindestens die Hinrunde absolviert ist, kann die Saison mit der Quotientenregel gewertet werden, so die Regel. „Ich persönlich war im Oktober der festen Überzeugung, dass wir noch mal kicken können. Damals war aber auch noch nichts von der britischen Mutante bekannt“, schaut Schweizer zurück. Und da DJK in einer kleinen Staffel mit nur zehn Teams spielt, würden auch nur noch drei Spiele zur abgeschlossenen Hinrunde fehlen.

Trainerjob bleibt unvollendet

Doch eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist nicht in Sicht und andere Ligen und Staffeln sind deutlich größer. Der Verband strebt eine einheitliche Lösung an. Aus dem Aufstieg wird für die Ludwigsburger also wieder nichts. „Man kann es nachvollziehen, aber es stößt sauer auf. Das ist schwierig, für mich als Trainer und für uns Spieler“, klagt Schweizer. „Alle investieren viel, um aufzusteigen, und nun ist es zum zweiten Mal so, dass man sportlich nichts mehr ausrichten kann.“

Ob die Mannschaft sich noch einmal zu einem dritten Anlauf aufraffen kann? „Bisher sind wir immer wieder aufgestanden, und von den Spielern höre ich vor allem, dass sie wieder Bock haben zu kicken“, sagt Schweizer. Für ihn selbst wird das Trainerkapitel aber wohl unvollendet zu Ende gehen. Schweizer kandidiert bei der Bundestagswahl im September im Wahlkreis Neckar-Zaber für die Grünen. Sollte er in den Bundestag einziehen, müsste er sein Amt niederlegen.

Die Suche nach Alternativen läuft bereits, da auch schon die Terminfülle während des Wahlkampfes eine Doppelbelastung unmöglich macht. „Seit ich fünf Jahre alt bin, bin ich in diesem Verein. Ich habe alle möglichen Posten besetzt und sehr viel Herzblut in diesen Aufstieg gesetzt, es dann so aufgrund der Pandemie nicht zu schaffen, ist auch persönlich schmerzlich“, sagt Schweizer.

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