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VfB Stuttgart

Fans stärken Vogt den Rücken

Im Machtkampf beim VfB Stuttgart haben nun die Fanvertreter des Fußball-Bundesligisten Stellung bezogen – gegen Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und für Präsident Claus Vogt. Die Kandidatur Hitzlspergers soll derweil rechtlich geprüft werden.

Vor der Pandemie: Anhänger des VfB Stuttgart erzeugen mit lautstarken Gesängen und optischen Akzenten stets eine außergewöhnliche Atmosphäre – und haben eine klare Meinung. Foto: Baumann
Vor der Pandemie: Anhänger des VfB Stuttgart erzeugen mit lautstarken Gesängen und optischen Akzenten stets eine außergewöhnliche Atmosphäre – und haben eine klare Meinung. Foto: Baumann

Stuttgart. Die organisierten Fans des VfB Stuttgart haben Vorstandschef Thomas Hitzlsperger für seine „ungebührliche Attacke“ auf Präsident Claus Vogt kritisiert. In einem öffentlichen Schreiben forderten Fanvertreterinnen und Fanvertreter des VfB-Fanausschusses gestern zudem von der Clubführung „ein öffentliches Wort der Rückendeckung“ für Vogt. Dies wäre „dringend angebracht, um weiteren Schaden vom VfB abzuwenden“, hieß es.

Vergangene Woche hatte Hitzlsperger seine Kandidatur für das Präsidentenamt öffentlich gemacht und Vogt scharf angegriffen. Auf der Mitgliederversammlung im März will der 38-Jährige zum Präsidenten gewählt werden und so Vogt aus dem Verein drängen. Nach Ansicht der Fans sollte die Mitgliederversammlung „in die wärmeren Monate“ verlegt werden. Hintergrund ist, dass die Veranstaltung im März aufgrund der Coronapandemie in Teilen virtuell durchgeführt werden soll. Außerdem rechnen die Fans bis zum 18.März nicht mit einer vollständigen Aufklärung der Datenaffäre.

Nach Vogts Auffassung ist der wahre Grund für Hitzlspergers fragwürdiges Vorgehen die Aufklärung der sogenannten Datenaffäre. Unter anderem im Zuge der letztlich geglückten Ausgliederung 2017 sollen laut Kicker Mitgliederdaten an Dritte geflossen sein, um subtil für die Ausgliederung zu werben. Vogt initiierte daraufhin eine unabhängige Aufklärung und beauftragte eine Kanzlei. Die Kosten dafür sind laut Vogt von einer Versicherung gedeckt. Mehrere damalige Verantwortliche des Vereins haben auch heute noch eine Führungsposition beim VfB. Derzeit ruht die Aufklärung, die verschiedenen Gremien des Vereins und der Profifußball-AG debattieren noch über eine Fortführung. Ziel war eigentlich, dass der Abschlussbericht bis Ende des Monats vorliegt. Bis dahin sollen auch zwei Kandidaten für die Wahl zum Präsidenten benannt werden.

Auch der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Württemberg, Stefan Brink, ermittelt: „Derzeit sind wir in Gesprächen mit den Verantwortlichen des VfB und sehen dem Eingang weiterführender Informationen entgegen“, ließ er auf Anfrage über eine Sprecherin schriftlich mitteilen.

Bewerbung wird rechtlich geprüft

Der für die Kandidatenauswahl zuständige Vereinsbeirat lässt die Bewerbung von Vorstandschef Thomas Hitzlsperger rechtlich prüfen. Man habe dafür eine „renommierte Anwaltskanzlei im Sportrecht beauftragt“, hieß es in einer Mitteilung auf der Internetseite des VfB. Die Kanzlei solle die rechtlichen Gegebenheiten der Bewerbung „in Bezug auf unsere Satzung, das Aktien- und Gesellschaftsrecht, die DFL-Vorgaben und etwaige Interessenskonflikte“ überprüfen.

Zuletzt waren Fragen aufgekommen, ob der Ex-Nationalspieler alle in der Satzung vorgeschriebenen Bedingungen für das Amt erfüllt. Außerdem ist fraglich, ob er gleichzeitig Vorstandschef und Präsident des Vereins sein kann. Die Fans kritisierten das Vorhaben: „Das bisherige Zusammenspiel zwischen e.V. und AG war ein zentrales Versprechen der Ausgliederung. Die gewünschte Gewaltenteilung wieder aufzuheben und durch eine neuartige und abstruse Doppelfunktion zu ersetzen, bricht erneut mit Versprechen, Erwartungen und Beschlüssen.“ Die öffentliche Auseinandersetzung hat den VfB in keinem guten Licht dastehen lassen, hieß es nun vom Vereinsbeirat. „Daher hat der Vereinsbeirat den beiden Bewerbern nahegelegt, bis zur Nominierungsentscheidung in dieser Thematik keine öffentlichen Auftritte und weiteren Stellungnahmen zu geben“, sagte der Vorsitzende Wolf-Dietrich Erhard. Das Gremium führt in den kommenden Wochen Gespräche mit den vier Bewerbern. (jai/lsw)