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Fußball-EM
Flasche, Referee, Taktik: Drei Dinge beim zweiten Halbfinale

Euro 2024: Training England
Englands Trainer Gareth Southgate will mit seiner Mannschaft ins EM-Finale einziehen. Foto: Adam Davy
Euro 2024: Niederlande - Türkei
Gakpo kann bei der EM zum Torschützenkönig werden. Foto: Sören Stache
Felix Zwayer
Leitet das Halbfinale: der Deutsche Felix Zwayer. Foto: Tom Weller
Euro 2024: England - Schweiz
Hat einen kleinen Spickzettel auf der Wasserflasche: Englands Torhüter Jordan Pickford. Foto: David Inderlied
Die Niederlande und England - das verspricht eigentlich Fußball-Spektakel. Die aktuellen Teams boten dies bei der EM weniger. Worauf kommt es beim großen Duell in Dortmund an?

Dortmund. Tatsächlich hätte es diesen Fußball-Klassiker schon im Achtelfinale geben können. Doch weil Georgien eine kleine Fußball-Sensation gegen Portugal schaffte, wurde die Niederlande als Dritter in einem komplexen System doch einem anderen Gruppensieger zugeteilt - und bekommt nun am Mittwoch (21.00 Uhr) die Chance, gegen England ins große Finale einzuziehen.

Die Niederlande wartet seit 1988 auf einen großen Titel, England sogar seit 1966. Entsprechend sehnen sich die Fans nach einem Triumph bei dieser EM. Rund 100.000 Fans werden am Spieltag in Dortmund erwartet. Die Oranje-Party mit nach links und nach rechts hüpfenden Fans dürfte selbst die feierwütigen Engländer klar in den Schatten stellen. Doch wer setzt sich am Abend durch?

1) Taktieren oder Spektakel?

Gareth Southgate erwartet Großes. «Ich denke, es wird ein aufregendes Spiel, denn es gibt hervorragende Offensivspieler in beiden Mannschaften», sagte der Nationaltrainer. Sein Team hat diese Spieler wie Kapitän Harry Kane oder Weltklasseprofi Phil Foden schon in den bisherigen fünf Partien zur Verfügung gehabt. Spektakel gab es aber nie. «Wir müssen noch einen Schritt nach vorne machen im Vergleich zum vergangenen Spiel», sagte Southgate, der sein Team gerne abwarten lässt, viel taktiert und zudem großen Wert auf gute Absicherung legt.

Die Niederlande um Stürmer Cody Gakpo konnten nach schwacher Vorrunde zumindest in der K.-o.-Phase zeitweise überzeugen. Das 3:0 gegen Rumänien vor einer Woche hätte noch deutlich höher ausfallen können. Beim 2:1 gegen die Türkei zeigte das Team von Trainer Ronald Koeman immerhin Moral und drehte einen Rückstand. «Die Spieler haben gezeigt, dass sie großes Herz haben», lobte der Bondscoach. Gakpo ist mit bislang drei Treffern ein Anwärter für den Titel als EM-Torschützenkönig.

 

2) Schiedsrichter Zwayer

Jude Bellingham fand damals klare Worte. «Du gibst einem Schiedsrichter, der schon in Spielmanipulationen verwickelt war, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?», sagte Bellingham nach einer BVB-Niederlage gegen den FC Bayern, bei der Felix Zwayer Fehler unterlaufen waren. Am Mittwoch kommt es zu einer erneuten Begegnung von England-Star Bellingham mit dem deutschen Referee, der die Partie von der UEFA zugeteilt bekam.

Bellingham spielte damit auf den Schiedsrichter-Skandal um Robert Hoyzer vor inzwischen fast 20 Jahren an. Der Mittelfeldspieler wurde für seine Aussagen vom DFB-Sportgericht zu einer Geldstrafe von 40.000 Euro verurteilt. Zwayer gehörte 2005 zu den Kronzeugen im Fall Hoyzer, der Spiele manipuliert hatte. Er wurde damals vom DFB rückwirkend für mehrere Monate gesperrt, weil er seinen Verdacht gegen Hoyzer nicht früher gemeldet hatte.

Die englische Delegation zeigte sich gelassen. «Ich mache mir keine Sorgen darüber, wer der Schiedsrichter sein wird. Er wird auf einem sehr hohen Niveau pfeifen», sagte Southgate. Verteidiger Luke Shaw betonte, man müsse die Ansetzung respektieren. Diese werde keinen Einfluss auf die Einstellung der Three Lions haben.

 

3) Flaschenpost erneut benötigt?

Braucht Jordan Pickford wieder seinen schon jetzt berühmten Zettel auf der schwarzen Trinkflasche? Für das Elfmeterschießen gegen die Schweiz war der englische Schlussmann bestens präpariert und hatte per Zettel verewigt, welche Vorlieben die Schützen des Gegners haben. Vier von 14 Strafstößen hat Pickford in drei Spielen mit der Entscheidung vom Punkt gehalten - eine sehr gute Quote. 

Dass England zwei dieser drei Duelle für sich entschied, ist für Sportpsychologe Geir Jordet kein Zufall. «Ein Elfmeterschießen ist ein großes Team-Event. Die Vorbereitung sollte schon Jahre zuvor begonnen haben. England arbeitet seit acht Jahren an dieser Sache, gegen die Schweiz haben wir gesehen, dass sie sich einem perfekten Elfmeterschießen langsam nähern», sagte Jordet der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Die Niederlande dagegen ging zuletzt zweimal als Verlierer aus dem Elfmeterschießen: 2014 im WM-Halbfinale gegen Argentinien, 2022 im WM-Viertelfinale gegen Argentinien.

 

 

 

© dpa-infocom, dpa:240710-930-169217/2