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Fußball-Bundesliga

„Kindergartentruppe“ des VfB Stuttgart zahlt in der Fußball-Bundesliga gegen RB Leipzig Lehrgeld

Unerfahren, spielstark, aber nicht abgeklärt genug. Gegen effiziente Leipziger zahlt der VfB Stuttgart Lehrgeld, schöpft aber Mut aus einer guten Mannschaftsleistung.

Die Entscheidung: Christopher Nkunku (von links) lässt Hiroki Ito ins Leere rutschen und VfB-Keeper Florian Müller keine Chance.Foto: Weller/dpa
Die Entscheidung: Christopher Nkunku (von links) lässt Hiroki Ito ins Leere rutschen und VfB-Keeper Florian Müller keine Chance.Foto: Weller/dpa

Stuttgart. Auf Zahlen und Statistiken ist im Fußball nicht immer Verlass. 60 Prozent der Zweikämpfe hat der VfB Stuttgart am Samstag in der Bundesliga-Partie gegen RB Leipzig gewonnen, hat mehr als doppelt so häufig aufs gegnerische Tor geschossen (16:7) und dennoch mit 0:2 (0:1) verloren. So war es vielleicht eine andere Zahl, die Aufschluss darüber geben kann, wo denn die Ursachen für die Niederlage der stark spielenden, aber ineffizient auftretenden Stuttgarter liegen. Denn mit einem Durchschnittsalter von 23,5 Jahren schickten die Schwaben erneut eine deutlich jüngere Truppe auf das Feld als der im Schnitt 2,5 Jahre ältere Gegner. „Wir haben mit einer Mannschaft gespielt, die gefühlt das Durchschnittsalter Kindergarten hatte“, sagte der glücklose VfB-Angreifer Sasa Kalajdzic in der ARD. „Aber ich finde, dafür haben es alle richtig gut gemacht.“

Damit hatte der Österreicher durchaus recht. Mit geballten Fäusten schrie RB-Coach Domenico Tedesco nach Spielende in Richtung der eigenen Auswechselbank seine Erleichterung heraus – und eilte danach schnurstracks zu seinem Torhüter Peter Gulacsi. „Er war heute überragend, hat uns im Spiel gehalten“, lobte Tedesco seinen 31 Jahre alten Kapitän. Hatte Leipzigs Andre Silva nach einem Handelfmeter den Favoriten nach elf Minuten in Führung gebracht, folge danach ein Sturmlauf der Stuttgarter. „Weiter geht‘s! Positiv! Positiv!“, feuerte VfB-Keeper Florian Müller in der fast leeren Mercedes-Benz-Arena (500 Zuschauer) seine Vorderleute nach dem frühen Gegentor an. Das zeigte Wirkung, denn die Schwaben ließen sich trotz des Rückstands gegen die Sachsen nicht aus der Bahn werfen.

VfB wird mutiger

Leipzig zog sich zurück, der VfB rannte an, wurde von Minute zu Minute mutiger. Doch die Chancen wurden allesamt von Gulacsi vereitelt. Der Ungar parierte mit grandiosem Reflex gegen Kalajdzic (56.Minute), lenkte einen Fernschuss von Orel Mangala nach spektakulärer Flugeinlage um den Pfosten (63.) und einen Kopfball von Waldemar Anton (67.) über die Latte. Zudem verstolperte Kalajdzic aus aussichtsreicher Position (70.).

„Spontan ist mir das Zitat eingefallen: ‚Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß‘, sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat in der ARD. Und während Tedesco in seinem Spielfazit weit ausholte, breitstehende VfB-Verteidiger lobte, eigene Durchschlagskraft bemängelte und glücklich über den hart erarbeiteten Sieg war, fasste sich sein Gegenüber Pellegrino Matarazzo denkbar knapp: „Kurz und knackig: gute Leistung, leider keine Tore und keine Punkte“, haderte der VfB-Trainer. Denn abgezockte Leipziger zeigten, wie man aus wenig viel machen kann. Nach Ballverlust von Mangala war Christopher Nkunku auf und davon, ließ VfB-Verteidiger Hiroki Ito ins Leere laufen und schloss eiskalt ins kurze Eck ab (71.). Es war Nkunkus 18. Scorerpunkt im 19, Spiel. „Dann war das Spiel gegessen“, so Tedesco.

Zwischen Stolz und Resignation

Beim nun Tabellen-17. schwankt man indes zwischen Stolz auf eine Leistung, die Mut macht, in den verbleibenden 15 Partien aus der Abstiegszone zu kommen, und der Erkenntnis, dass man sich nur durch gute Leistung nicht von der Stelle bewegt. „Ich kann eher so eine Niederlage verdauen. Wenn wir unsere Leistung nicht abrufen würden, wäre es noch schlimmer“, sagte Matarazzo. „Aber wir wissen, wo wir stehen, dass wir Punkte brauchen.“

Matarazzo musste auch gegen Leipzig gehörig improvisieren. Wegen muskulärer Probleme fiel auch noch Borna Sosa aus. Nikolas Nartey lief auf der ungewohnten Linksverteidigerposition auf. Chris Führich übernahm die rechte Flanke, während Innenverteidiger Marc Oliver Kempf nicht im Kader stand. Es gebe „gewisse Unklarheit, was seine vertragliche Situation angeht“, sagte Matarazzo. Kempfs Vertrag läuft im Sommer aus, zuletzt wurde über einen Wintertransfer spekuliert.

Gegen Leipzig blieb Stuttgart das vierte Spiel in Serie ohne eigenen Treffer. „Präziser abschließen und die Anzahl der Chancen erhöhen“, nannte Matarazzo die Verbesserungsansätze. Wie wichtig es dagegen sein kann, ohne Glanzleistung zu gewinnen, zeigte Tedesco. „Wenn ich die Qual der Wahl habe, nehme ich dieses Spiel und schaue auf die Punkte“, sagte der in Esslingen aufgewachsene RB-Trainer. Im letzten Auswärtsspiel in Augsburg hatte sein Team dank schwacher Chancenverwertung ein ähnliches Schicksal ereilt wie den VfB am Samstag. „Ich glaube, dass solche Spiele und Siege für eine Mannschaft wichtig sein können.“

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