Logo

Traditionsverein

Letzte 07er wollen den Mythos bewahren

Die Sportvereinigung 07 Ludwigsburg steht in der Winterpause der Fußball-Bezirksliga womöglich vor der letzten Rückrunde ihrer fast 112-jährigen Geschichte. Die verbliebenen 07er unternehmen derzeit einen letzten Versuch, den ruhmreichen Namen zu retten. Doch das liegt nicht nur in deren Händen.

Letzter großer Moment: 07 Ludwigsburg, damals Verbandsligist, gegen den damaligen Oberliga-Meister Sonnenhof Großaspach im WFV-Pokalfinale 2009. Vor 1500 Zuschauern in Schwieberdingen kassiert 07 in der Schlussminute das entscheidende 0:1.Archivfoto:
Letzter großer Moment: 07 Ludwigsburg, damals Verbandsligist, gegen den damaligen Oberliga-Meister Sonnenhof Großaspach im WFV-Pokalfinale 2009. Vor 1500 Zuschauern in Schwieberdingen kassiert 07 in der Schlussminute das entscheidende 0:1. Foto: Baumann

Ludwigsburg. „Wir ringen darum, dass wir den Namen 07 mit dem Fußball erhalten können“, sagt Ehrenpräsident Gerd Maser. Der 72-Jährige war bis 2004 zwölf Jahre lang Vorsitzender der SpVgg 07 Ludwigsburg. Gemeinsam mit dem derzeitigen zweiten Vorsitzenden Silvester Apro (77) kämpft der Steuerberater darum, dass 07 fortbestehen kann. Denn der Name ist das einzige, was von den glorreichen Tagen übrig geblieben ist. Nun steht auch dieses Überbleibsel auf dem Spiel.

Bis Ende der 90er Jahre spielte die Fußballabteilung in der dritthöchsten Spielklasse und nahm mehrfach am DFB-Pokal teil. In den 70ern kämpften die Gelb-Schwarzen sogar einige Jahre in der damals zweitklassigen Regionalliga Süd um Punkte. Doch das ist längst vorbei. Seit Jahren geht es bergab. Geplagt von finanziellen Problemen und zerrieben von Streit im Vorstand ist der Traditionsclub mittlerweile in der Bezirksliga angekommen. Achte Liga. selbst dort steckt 07 im Abstiegskampf.

Weil die finanziellen Lasten nicht mehr zu tragen sind, die Zahlungsunfähigkeit droht und auch die Funktionärsebene erodiert ist, sehen die verbliebenen Ehrenamtlichen nur eine Chance: Eine Fusion gilt als letzte Möglichkeit, den Sportbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Gespräche mit dem größten Verein der Stadt, dem MTV Ludwigsburg, sind auf einem guten Weg. Ende März soll die Verschmelzung der beiden Vereine auf einer gemeinsamen Mitgliederversammlung beschlossen werden (wir berichteten). Der MTV würde alle Schulden, aber auch das Eigentum und die Spielrechte der Sportvereinigung übernehmen. Nach jahrelangem Niedergang wäre der Traditionsverein verschwunden. 07 steht vor dem Ende.

Doch Maser und Apro kämpfen um den Erhalt des Namens. Der Plan der wenigen verbliebenen 07er: Eine Abspaltung der ersten und zweiten Mannschaft als Vereinsneugründung, gemeinsam mit der Spvgg Schlößlesfeld. Alle anderen Abteilungen wie American Football, Gymnastik, Boxen und Rollerderby und auch die Fußballjugend sollen dagegen in den MTV übergehen, so beschreiben es mehrere Vertreter von 07 und dem MTV.

Die geplante Spvgg 07 Ludwigsburg-Schlößlesfeld solle dann eng mit dem MTV kooperieren, wie Maser erklärt. „Das muss klar vertraglich vorher geregelt werden“, betont der langjährige Vorsitzende. „Wir müssten bezüglich der Jugend und der Platznutzung eine Kooperationsvereinbarung treffen.“ Eine solche Vereinbarung soll Grundlage für das Gelingen sein: „Es macht nur Sinn, wenn es eine längerfristige Geschichte werden kann“, stellt Maser klar. Weiter müssen finanzielle Fragen geklärt werden. Laut einem internen Protokoll, das unserer Zeitung vorliegt, werden die Kosten für eine 07-Bezirksliga-Mannschaft mit 60 000 Euro pro Saison veranschlagt. Maser ist optimistisch: „Die Personalien stehen zu 90 Prozent. Namen möchte ich da keine nennen. Insgesamt sind wir im Moment bei etwa 60 Prozent.“

Doch hätte ein solches Konstrukt Übelebenschancen? Und welches Interesse hätte der MTV daran? Der größte Ludwigsburger Sportverein hat selbst zwei Fußballteams in der Kreisliga B. „Dieser Wunsch, den Mythos zu bewahren, wurde an mehreren Stellen in der Stadt geäußert. Deshalb versuchen wir, den Namen zu retten, aber nicht um jeden Preis“, sagt der MTV-Vorsitzende Matthias Knecht, der auch der 1. Vorsitzende des Stadtverbandes für Sport ist, auf Anfrage.

Knecht selbst favorisiert ein anderes Modell. Er wirbt für die Gründung eines gemeinsamen FC Ludwigsburg: „Bevor es eine Notlösung wird, nur um den Namen zu bewahren, lassen wir es lieber und machen eine richtig gute Geschichte beim MTV. Aber gemeinsame Sache im Aktivenbereich wird wohl Utopie bleiben.“ Eine deutliche Aussage gibt es im Nachwuchsbereich: „Die Jugendarbeit würde beim MTV stattfinden, dafür sind wir auch stark“, betont Knecht.

Ob sich MTV, 07 und Schlößlesfeld einigen können, erscheint fraglich. Knecht sieht die Teams des MTV nicht auf ewig in der Kreisliga B. „Wir würden versuchen, mit möglichst geringem Einsatz von Mitteln möglichst weit zu kommen“, sagt Knecht. Da unter keinen Umständen Spieler eingekauft werden sollen, bleibt als einzige Möglichkeit die Integration gut ausgebildeter Jugendspieler. „Da haben wir ein junges Team, das versucht, etwas zu entwickeln. Wenn das dazu führt, dass wir in der Landes- oder Verbandsliga spielen, wäre das schon toll“, lässt Knecht durchblicken, wohin der Weg führen soll.

Entspannt sieht die Spvgg Schlößlesfeld die Verhandlungen. „Wir sind da nicht abgeneigt, weil die Zusammenarbeit bisher gut lief“, sagt der Schlößlesfelder Vorsitzende Ralf Kußmaul. Die zweite 07-Mannschaft spielt seit dieser Saison in einer Spielgemeinschaft mit Schlößlesfeld. „Wir haben nichts zu verlieren und schauen uns das mal an.“ Für Schlößlesfeld geht es vor allem darum, seine beengte Platzsituation zu verbessern. Wie Knecht versichert, wäre dafür aber keine Fusion nötig: „Wir werden in jedem Fall Schlößlesfeld eine Heimat garantieren.“

Eine Entscheidung, ob und wie es mit den 07-Fußballern weitergehen kann, soll bis Mitte Februar getroffen werden.

Autor: