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Kreisliga
Ludwigsburger 07-Fußballer melden sich mit neuem Team zurück

Trainer Tim Djokic bei der Ansprache. Foto: Baumann
Trainer Tim Djokic bei der Ansprache. Foto: Baumann
Begleitet von negativen Schlagzeilen ging die Spvgg 07 Ludwigsburg vor drei Jahren im MTV auf. Ehemalige Funktionäre und Anhänger des ruhmreichen Traditionsclubs wollen das nicht hinnehmen und bringen nun in der Kreisliga B1 eine neue 07-Mannschaft an den Start.

Ludwigsburg. Mit dem klassischen Kreisliga-Warmmachspiel „Eckle“ beginnt auch die Wiedergeburt 07 Ludwigsburgs in der untersten Fußball-Spielklasse. Mehrere Spieler stehen in der Form eines Viereckes nebeneinander und passen sich den Ball zu, zwei weitere Akteure sind in der Mitte und versuchen, das Spielgerät zu erobern. Am Montagabend sind sogar so viele Spieler zum Trainingsauftakt auf den Rasenplatz an der August-Lämmle-Schule gekommen, dass es für zwei „Eckle“ reicht.

18 neue 07er stehen pünktlich um 19Uhr auf dem Platz, drei Nachzügler stoßen wenig später hinzu. „Diese Woche machen wir noch eine Ausnahme. Aber nächste Woche sind alle um 19 Uhr da“, sagt Trainer Tim Djokic (Foto, rechts) kurz darauf in seiner ersten Teamansprache und betont, wie wichtig ihm Disziplin sei. „Wenn einer zu spät kommt, laufen alle. Fußball ist ein Mannschaftssport. Wir sind nur so stark wie das schwächste Glied.“

Ruhmreiche Vergangenheit

Die Spvgg 07 Ludwigsburg blickt auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück. Lange Jahre war der Club die unangefochtene Nummer eins im Landkreis. Über weite Strecken spielte 07 zweit- und drittklassig, nahm mehrfach am DFB-Pokal teil und wurde 1991 deutscher Vize-Amateurmeister. Mit dem Abstieg aus der damals drittklassigen Regionalliga begann 1997 der Niedergang. Es folgten mehrere Abstiege und ein Mix aus finanziellem Übermut, Streitigkeiten und fehlender Kontinuität. Am Ende stand der Verein vor der Zahlungsunfähigkeit. Es blieb nur die Verschmelzung mit dem MTV Ludwigsburg, in dem 07 am 29. März 2019 aufging.

Doch bereits am Abend der Verschmelzung hatten ein paar alte 07er einen neuen Verein mit dem Namen „07 Ludwigsburg Fußball“ gegründet. Während der Verein komplett in den MTV integriert wurde, sollte davon unabhängig unter Führung des langjährigen Funktionärs Silvester Apro ein Neuanfang gelingen. Nach einigen Rückschlägen – auch aufgrund der Coronavirus-Pandemie – steht 07 nun vor der Rückkehr in den Spielbetrieb.

Zeitpunkt scheint günstig

„Wir wollen, dass 07 wieder hochkommt und der Fußball in Ludwigsburg wieder sehenswert wird“, sagt Apro. Auch wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag brennt der frühere zweite Vorsitzende und Marketingvorstand für sein Vorhaben. Der Zeitpunkt scheint günstig. Mit dem Abstieg des TV Pflugfelden spielt erstmals seit etwa 70 Jahren keine Ludwigsburger Mannschaft auf Verbandsebene. Der eigentliche 07-Nachfolger MTV ist sang- und klanglos aus der Bezirksliga abgestiegen und richtet sein Augenmerk vor allem auf den Jugendfußball.

„Wir sind finanziell gut aufgestellt“, betont Apro. Der Zulauf von Sponsoren sei gut, zudem habe der Verein knapp 100Mitglieder. Laut Apro bekommt kein Spieler Geld. „Wir müssen doch alles neu kaufen: Trikots, Bälle, Trainingsmaterial.“ Das Team ist neu zusammengewürfelt. Die Spieler kommen überwiegend aus umliegenden Kreisliga-Clubs. Am Sonntag um 10Uhr bestreitet 07 das erste Testspiel gegen den TSV Malmsheim II, am 18. September startet der Club gegen den SV Kornwestheim II in die Kreisliga B1 – im Ludwig-Jahn-Stadion. „Das erste Jahr wird ein Findungsjahr“, sagt Trainer Djokic. „Wenn wir uns schnell finden, geht vielleicht etwas. Aber wir haben hier keine Kreisliga-Messis.“

Vorbild VfR Heilbronn

Als Vorbild dient der VfR Heilbronn. Der ebenfalls mit ruhmreicher Geschichte ausgestattete Verein ging nach finanziellen Problemen und einer Fusion im Jahre 2003 unter. 15 Jahre später wurde der VfR neu gegründet, teilweise von ehemaligen A-Jugend-Spielern,die 1996 den DFB-Pokal der A-Junioren gewonnen hatten. Nach drei Aufstiegen spielen die Heilbronner mittlerweile in der Landesliga und sind im Jugendbereich gut aufgestellt. „Ganz klar ist der VfR Heilbronn ein großes Vorbild. Wir wollen den gleichen Weg einschlagen und schauen, dass wir die Stadt und die ehemaligen Fans wiedergewinnen. Wir werden uns aber erst einmal nur eine Mannschaft stellen und darauf konzentrieren. Sollten wir irgendwann die Möglichkeit haben, auch eine Jugend zu melden, werden wir uns dem nicht verschließen“, sagt 07-Sportvorstand Benjamin Pellizzer.