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VfB Stuttgart

„Man muss hinter seiner Philosophie stehen“

Ehemalige Mitarbeiter des VfB vermissen bei dem Traditionsverein Kontinuität und langfristiges Konzept

Robin Dutt.
Robin Dutt.
Ramon Gehrmann
Ramon Gehrmann
Rainer Adrion.Fotos: Baumann
Rainer Adrion. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Der VfB Stuttgart und seine Trainer – kaum ein Bundesligist hat in dieser Personalfrage eine derart große Fluktuation wie die Roten. Spätestens mit der Niederlage in Düsseldorf ist die Diskussion um eine personelle Erneuerung vollends entfacht. Was aber sagen ehemalige Mitarbeiter zu diesem Thema?

„Es ist schon etwas beängstigend, was da gerade auf allen Ebenen passiert. Das macht einen etwas ungeordneten Eindruck“, sagt Rainer Adrion. Der 65-Jährige arbeitete jahrelang beim VfB, zuletzt als Nachwuchschef, ehe der Remsecker 2016 in den Ruhestand ging.

Derzeit ist Adrion im Urlaub in Florida. Doch das Geschehen beim VfB verfolgt er weiter intensiv, wie er versichert. „Jeder Verantwortliche hat seine eigenen Ideen umgesetzt. Man bräuchte die Philosophie des VfB Stuttgart, nicht die eines einzelnen Sportdirektors. Und danach müsste man das Personal aussuchen“, rät der ehemalige Co-Trainer des heutigen Bundestrainers Joachim Löw, mit dem er in Stuttgart 1997 den DFB-Pokal gewann. „Da ist kurzfristig nichts zu ändern. Das erste Geld der Ausgliederung ist weg, der Kader ist da und es funktioniert nicht“, sagt Adrion.

„Ich finde, dass zu viel Aktionismus da ist. Man hat zu wenig Geduld mit den Spielern und Trainern“, kritisiert Ramon Gehrmann, Coach des Oberligisten SGV Freiberg und einst Jugendtrainer beim VfB. „Am Ende des Tages muss man hinter seiner Philosophie stehen.“ Weil die Erwartungshaltung beim VfB so hoch sei, gebe es einen enormen Druck. „Das führt dazu, dass nur kurzfristig nach dem Erfolg geschaut wird. So entsteht Fluktuation“, erklärt der Fußball-Lehrer. „Das Festhalten an einer clubinternen Philosophie wäre eigentlich das richtige Rezept.“

Die verunsicherte Mannschaft brauche Sicherheit und Stabilität. Ein Trainerwechsel bewirke das Gegenteil. „Ich würde am Cheftrainer festhalten und wenn es schiefgeht, hat der VfB genug Kompetenz in den eigenen Reihen“, sagt Gehrmann und meint dabei die fünf Fußball-Lehrer im Nachwuchsbereich: Marc Kienle, Michael Gentner, Andreas Hinkel, Niko Willig und Heiko Gerber. „Wenn der Trainer aus dem eigenen Stall kommt, ist er günstig und er arbeitet nach der eigenen Philosophie.“

Robin Dutt ist selbst ein gebranntes Kind. Unter seiner Ägide als Sportchef (ab Januar 2015) schaffte der VfB Stuttgart zum Ende der Saison 2014/15 zunächst den Klassenverbleib, stieg aber in der Saison 2015/16 erstmals seit 1975 in die 2. Bundesliga ab. Am 17. Mai 2016 trennten sich Dutt und der VfB Stuttgart im gegenseitigen Einvernehmen. Im Februar 2018 übernahm Dutt als Trainer die Zweitligamannschaft des VfL Bochum. „Sie können mich nach dem VfB fragen, eine Antwort kann ich Ihnen nicht geben“, folgt der ehemalige DFB-Sportdirektor einem seiner wichtigsten Grundsätze: Was den ehemaligen Club betrifft, sollte man sich nie einmischen, erst recht nicht, wenn man selbst noch im Geschäft tätig ist.

Auf die sportliche Situation beim VfB angesprochen – die personellen Zwänge außer acht lassend – lässt sich Dutt dann doch zu einer Aussage hinreißen: „Jeder kann es schaffen“, sagt er mit Blick auf den Klassenverbleib. Es sei noch keine Mannschaft abgeschlagen – auch der VfB nicht.

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