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Fußball-Bezirksliga
Musterschüler Lamin Jaitehs steiniger Weg

Neben dem Platz für seine Hilfsbereitschaft bekannt, auf dem Feld ein Terrier: Aldingens Lamin Jaite links). Foto: Baumann
Neben dem Platz für seine Hilfsbereitschaft bekannt, auf dem Feld ein Terrier: Aldingens Lamin Jaite links). Foto: Baumann
TVA-Verteidiger hat sich nicht nur in seinem Verein hervorragend integriert

Ludwigsburg. Dass es in einem Fußballverein nicht nur um Tore und Punkte geht, zeigt das Beispiel Lamin K. Jaiteh. Er kam 2015 als Flüchtling aus Gambia und ist heute ein Musterbeispiel an gelungener Integration. Sein Verein TV Aldingen, mit dem er am Sonntag in der Bezirksliga beim TSV Münchingen gastiert, hat daran großen Anteil.

„Auf dem Platz ist er ein Terrier“, sagt sein Trainer Tobias Büttner über Linksverteidiger Jaiteh. Schon seit sechs Jahren trägt dieser das Trikot des TV Aldingen und hat sich über A-Jugend und zweite Mannschaft inzwischen ins Bezirksligateam hochgearbeitet. „Selten habe ich einen so lernbegierigen Spieler erlebt. Er saugt alle Hilfen auf, die man ihm gibt“, erzählt Büttner und charakterisiert damit nicht nur den Fußballspieler, sondern auch den Menschen Lamin Jaiteh.

2015 kam er als Flüchtling aus Gambia nach Deutschland. „Die ersten zwei Wochen verbrachte ich in Karlsruhe, ab dann in Remseck“, erzählt Jaiteh, der längst Deutsch gelernt hat. Gambia litt damals unter dem durch einen Militärputsch an die Macht gekommenen Yahya Jammeh. „Es war eine Diktatur mit viel Korruption. Inzwischen ist Jammeh zwar weg, aber die Korruption ist immer noch da“, erklärt Jaiteh. In Remseck wurde er bald beim TVA vorstellig: Fußballspielen wollte er. „Das habe ich in Gambia getan, seit ich klein war“, erinnert er sich: „Anfangs war es schwer wegen der Sprache und Kultur. Aber der Verein und meine Mitspieler haben mir immer sehr geholfen.“ Parallel setzte er sich auf den berühmten Hosenboden und ackerte fürs gesellschaftliche Fortkommen: Sprachkurse, Praktika, im Sommer 2019 der Hauptschulabschluss. Für jemanden, der vier Jahre zuvor noch kein Wort Deutsch sprach, keine kleine Sache. Mit seiner ausgeprägten Lernbegierde hat Jaiteh eine Menge erreicht: Eigene kleine Wohnung, Vollzeit-Festanstellung bei der Stadt Stuttgart und nicht zu vergessen: Stammplatz beim TVA.

„Ich bekomme kein Geld vom Staat. Ich kann mich alleine finanzieren, bin aber nur geduldet, weil mein Asylantrag abgelehnt wurde. Mir droht also immer die Abschiebung“, berichtet er.

Doch sein Verein, dem er als Fußballer und Jugendtrainer, aber ebenso als einer, der überall anpackt, wo Hilfe gebraucht wird, in den letzten Jahren so viel gegeben hat, steht Jaiteh dabei zur Seite. Frank Schneider, Sportlicher Leiter des TVA, formulierte persönlich den Härtefallantrag, den man bei den Behörden eingereicht hat, um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu erwirken. „Für mich ist Lamin einfach ein Musterbeispiel für gelungene Integration“, erklärt Schneider und startete sogar eine Unterschriftenaktion, bei der sich über 2000 Unterstützer fanden. Eine Entscheidung der Behörden wird nicht mehr in diesem Jahr erwartet.

Für Lamin K. Jaiteh heißt dies, weiter mit der Ungewissheit leben. Liebend gerne würde er seine Familie in Gambia besuchen, die er seit sieben Jahren nicht mehr gesehen hat. „Das geht nur mit Aufenthaltsgenehmigung“, erklärt er traurig. Zumindest kurzzeitig sollte dies am Sonntag in den Hintergrund rücken: dann geht es in der Bezirksliga zum TSV Münchingen und der sonst hilfsbereite Lamin Jaiteh wird wieder für 90 Minuten zum Terrier.

Zudem spielen: FSV 08 Bissingen II – TSV Benningen, SKV Rutesheim II – Drita Kosova Kornwestheim, TASV Hessigheim – TSV Schwieberdingen, TSV Höfingen – MTV Ludwigsburg, AKV Ludwigsburg – TSV Merklingen, Croatia Bietigheim – SV Gebersheim, SV Perouse – FV Löchgau II.