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VfB Stuttgart: Wie sich in der Pandemie Fanprotest äußert

Stuttgarter Anhänger haben durch Kontaktbeschränkung kaum ein Forum für ihre Stimmungslage – Riethmüller will ins Präsidium

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Stuttgart. Seit Wochen herrscht beim VfB Stuttgart große Unruhe, viele Fragen sind ungeklärt: Wer trägt Verantwortung für die Datenaffäre und wie sehen die personellen Konsequenzen aus? Wird die Mitgliederversammlung am 18.März stattfinden und welche zwei Kandidaten schlägt der Vereinsbeirat zur Präsidentenwahl vor?

Mitglieder und Fans müssen die Geschehnisse weitgehend tatenlos verfolgen, denn für möglichen Protest gibt es kaum ein analoges Forum. Wegen Kontaktbeschränkungen und Zuschauerverbot im Stadion können die Fans ihrer Stimmung nicht wie gewohnt Ausdruck verleihen. Und die Stuttgarter Fanszene nimmt die Coronaregeln sehr ernst. Ihre begrenzten Möglichkeiten versuchen die Anhänger dennoch zu nutzen. Anfang Januar wurden im Stadionumfeld Spruchbänder angebracht: „Niemand ist größer als der Verein und seine Mitglieder“, stand dort unter anderem zu lesen.

Bei den Heimspielen hängt in der Cannstatter Kurve ein übergroßes Banner mit der Aufschrift „Keine virtuelle MV“. Die Fans wollen, dass die Mitgliederversammlung nicht wie geplant am 18. März digital stattfindet, sondern später als Präsenzveranstaltung, damit es eine offene Debatte geben kann. Das forderten kürzlich etwa 140 Fanclubs.

Deutliche Worte fanden am Sonntag die Ultras. „Kein VfB mit Euch Betrügern“, stand auf dem Spruchband, mit dem sich etwa 20 Personen vor dem Clubheim fotografieren ließen. Alle trugen dabei einen Mund-Nasen-Schutz. Dennoch: Eine volle Cannstatter Kurve würde wohl ein eindrucksvolleres Stimmungsbild abgeben.

„Natürlich kommt unter diesem Aspekt die Pandemie manchem beim VfB entgegen. Dass diejenigen, die in den Datenskandal verwickelt sind, noch im Amt sind, während der Präsident öffentlich niedergemacht wurde und wird, ist den Mitgliedern gegenüber eine bodenlose Frechheit“, sagt Christian Riethmüller in Bezug auf die Enthüllungen des Spiegel im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Nachrichtenmagazin hatte jüngst aus dem Ermittlungsbericht zum Datenskandal zitiert und damit mehrere Führungskräfte in enorme Bedrängnis gebracht.

Der Chef des Tübinger Buchhandelunternehmens Osiander trat bei der Präsidentenwahl 2019 gegen Claus Vogt an und unterlag damals. Dennoch beschäftigt sich Riethmüller weiter mit dem Verein und teilt seine Meinung dabei auf Twitter und Facebook. Vor ein paar Wochen hat der Vereinsbeirat Riethmüller laut eigener Aussage sogar gefragt, ob er erneut gegen Vogt antreten wolle: „Aber ich werde mich nicht an diesem Putschversuch beteiligen und stehe deshalb nicht zur Verfügung“, betont er. Grundsätzlich habe er aber Lust auf ein Amt bei seinem Herzensverein, auch unter Vogt: „Ich würde gerne Verantwortung übernehmen und kann mir einen Posten im Präsidium sehr gut vorstellen.“

Was die Mitgliederversammlung angeht, plädiert Riethmüller für eine Verschiebung. „Ich halte es für völlig unrealistisch, die Versammlung mit Wahlen am 18.März abzuhalten. Wenigstens dabei sollte im Sinne des Vereins entschieden werden.“ Auch an den Vereinsbeirat hat Riethmüller einen Wunsch: „Lasst die Mitglieder entscheiden, ob Claus Vogt Präsident bleibt.“

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