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Wenn aus Mario plötzlich VARio wird

Videobeweis spielt beim VfB-Sieg gegen Nürnberg eine große Rolle – Kritik von allen Seiten

Haben in letzter Zeit einiges zu bereden: Mario Gomez (rechts) und die Unparteiischen. Hier Robert Schröder.Foto: Baumann
Haben in letzter Zeit einiges zu bereden: Mario Gomez (rechts) und die Unparteiischen. Hier Robert Schröder. Foto: Baumann

Stuttgart. Es scheint eine ganze Weile gedauert zu haben, bis sich Thomas Hitzlsperger sicher war, dass dem VfB Stuttgart der Sieg gegen den 1. FC Nürnberg in der 2. Fußball-Bundesliga nicht mehr zu nehmen ist. „Haben wir das Spiel wirklich gewonnen oder kommt gleich noch der nächste VAR?“, twitterte der Sportvorstand der Schwaben am späten Montagabend. Zuvor gab es wiederholten Ärger mit dem Videoschiedsrichter (VAR) in einem Spiel, nach dem nahezu alle Beteiligten mit der Situation rund um den Kölner Keller unzufrieden waren.

Das fing bei den Zuschauern an. Jedes Mal, wenn der VAR eingriff und das Spiel unterbrochen war, äußerten Heim- und Gästefans gemeinsam ihren Unmut gegen den DFB. Weiter ging es nach dem Spiel, als sowohl Club-Trainer Jens Keller als auch die VfB-Verantwortlichen Kritik an der in dieser Saison erstmals in der 2. Liga eingesetzten Unterstützung der Schiedsrichter übten.

„Die Mannschaft hat viel investiert und dann kommen wir durch zwei fragwürdige Entscheidungen ins Hintertreffen“, wetterte Nürnbergs Keller gegen den Kölner Keller. Bereits die Aktion vor dem Elfmeter zum 1:1-Ausgleich der Stuttgarter durch Silas Wamangituka (58.), als Enrico Valentini den Ball nach einer Ecke mit dem Oberarm klärte, beurteilte Keller nicht als klaren Elfmeter. Besonders vor dem 2:1 durch Mario Gomez (59.) nur eine Minute später sah er allerdings ein eindeutiges Foulspiel von Wataru Endo an Johannes Geis. „Eine klare Fehlentscheidung. Unser Spieler köpft den Ball und wird von hinten weggeräumt“, so Keller. Der VfB also als glücklicher Sieger? Im Gegenteil. Auch die Schwaben fühlten sich benachteiligt. „Der Videobeweis verändert im Moment komplett den Ablauf des Spiels, gerade wenn er so oft eingesetzt wird“, sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. Philipp Förster, der Torschütze zum 3:1 (72.), nannte „das mit dem Videobeweis eine Katastrophe“.

Denn auch die Stuttgarter blieben nicht vom Eingreifen des VAR verschont. Sowohl Endo als auch Gomez wurde in Durchgang eins der Ausgleich auf Michael Freys frühen 1:0-Treffer (10.) für die Gäste verweigert. Während Gomez in der 34. Minute wegen einer Abseitsstellung zu Recht zurückgepfiffen wurde, sorgte Endos Treffer für reichlich Diskussionen. Nach einer Ecke hatte Gomez Nürnbergs Kapitän Hanno Behrens den Weg versperrt, ehe Endo aus kurzer Distanz einnetzte. „Das siehst du bei jeder Standardsituation. Dann können wir den Videobeweis bei vielen Ecken einsetzen“, sagte Mislintat.

Gerade Gomez war auf dem besten Weg, sich zur tragischen Figur der letzten beiden Spiele zu entwickeln. Bereits vergangene Woche in Sandhausen wurden drei Treffer von ihm zurückgepfiffen. Als auch sein 2:1 zumindest überprüft wurde, steckte das noch in den VfB-Köpfen. „Ganz ehrlich: Ich habe nicht sofort gejubelt, weil ich mir dachte, bei dem Lauf, den wir haben, kann das auch noch passieren“, sagte Mislintat über das 2:1. Doch der Treffer zählte.

Der VfB nahm es indes mit Humor und taufte auf seinem Twitter-Account Mario Gomez in VARio Gomez um. Und mittlerweile dürfte auch Hitzlsperger sicher sein, dass seinem VfB der Sieg nicht mehr zu nehmen sein wird.

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