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Abstiegsduell

Bietigheim entgleitet Erstklassigkeit

Schockstarre in der Bietigheimer Ege Trans-Arena: Handball-Bundesligist SG BBM Bietigheim hat am Pfingstsonntag quasi in letzter Sekunde den Ligaverbleib verspielt. Zum Happy End fehlte gegen den VfL Gummersbach lediglich ein einziges Tor.

Schmerzhaftes Finale: SG-Spielmacher Jonas Link wird von den Gummersbachern Pouya Norouzi (li.) und Alexander Becker gestoppt.Foto: Baumann
Schmerzhaftes Finale: SG-Spielmacher Jonas Link wird von den Gummersbachern Pouya Norouzi (li.) und Alexander Becker gestoppt. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Weltmeister Michael Kraus, der nach seiner Oberschenkel-Verletzung in beiden Halbzeiten nur Kurzauftritte hatte, verpasste mit dem letzten Wurf das 26:25, das dem Aufsteiger beim Saisonfinale die Rettung gebracht hätte. So gab es am Ende nach dem 25:25 (14:13) nur Verlierer auf dem Parkett, denn auch Altmeister Gummersbach reichte das Remis nicht, um die Klasse zu halten. Im Fernduell durfte schließlich Ludwigshafen jubeln.

„Wir haben dafür gesorgt, dass wir in Handball-Deutschland deutlich wahrgenommen werden. Wir sind nicht mehr die graue Maus.“

Jochen Zürn
Sportlicher Leiter der SG

„Es hat nicht sollen sein. In Überzahl haben wir die Möglichkeit, auf fünf Tore davonzuziehen. Dann wäre das Momentum sicher auf unserer Seite gewesen“, trauerte Jochen Zürn, Sportlicher Leiter der SG, der verpassten Chance nach.

Denn Bietigheim lag trotz nervösem Beginn fast die gesamte Spielzeit über in Führung, zumeist mit einem oder zwei Toren. Und als Kapitän Patrick Rentschler nach 43 Minuten das 19:15 glückte, waren wohl die meisten der Bietigheimer Anhänger unter den 4517 Zuschauern in der erstmals ausverkauften Arena sicher, dass nichts mehr schief gehen konnte.

Doch Gummersbach verließ sich nicht auf seine ruhmreiche Vergangenheit (12 Meisterschaften, fünf Pokalsiege, elf europäische Titel), sondern warf Kampfkraft und Willensstärke in das Duell. Nach 54 Minuten war der Ausgleich zum 22:22 durch Stanislav Zhukov geschafft, 30 Sekunden später lag der VfL durch Pouya Norouzi plötzlich sogar vorne. Kraus übernahm nun beim Gastgeber Verantwortung, traf zweimal (zum 23:23 und zum 25:25), doch der entscheidende Wurf strich in der Schlussminute links am Pfosten vorbei.

Danach machte sich Fassungslosigkeit breit. „Den Wurf musste er nehmen“, meinte Zürn, der die beiden Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies ausdrücklich lobte („Eine Weltklasseleistung“) und den Blick trotz aller Enttäuschung schnell wieder nach vorne richtete. „Wir haben dafür gesorgt, dass wir in Handball-Deutschland deutlich wahrgenommen werden. Wir sind nicht mehr die graue Maus.“ Ziel sei es, so Zürn, wieder in die erste Liga zurückzukehren. „Wir sind gut aufgestellt.“

Weiter erstklassig spielen wird auf jeden Fall Torhüter Domenico Ebner, dessen Wechsel zum TSV Hannover-Burgdorf schon länger feststand. „Es ist schwer, diesen Abstieg in Worte zu fassen. Es ist einfach schade. Ich hätte mir gewünscht, nächste Saison hier mit Hannover ein Heimspiel in meiner alten Heimat zu haben“, sagte der 25-Jährige, der in Bietigheim Publikumsliebling war. Der K.o. im „Endspiel“ machte auch ihm sichtlich zu schaffen.

SG BBM: Ebner, Müller; Haller (2), Rentschler (5), Claus (4), Kraus (3), Schäfer (6/2), Rönningen, Link (4), Asmuth, Döll, Trost, Emanuel, Marcec, Fischer (1).

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