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Sieg gegen Ferencváros Budapest
Champions League: Für die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim gehen die Superlative aus

Melinda Szikora (vorne), die Spielerin des Spiels, feiert mit ihren Teamkolleginnen nach dem deutlichen Sieg. Foto: Baumann
Melinda Szikora (vorne), die Spielerin des Spiels, feiert mit ihren Teamkolleginnen nach dem deutlichen Sieg. Foto: Baumann
Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim feiern in der Champions League einen überraschenden Kantersieg gegen Ferencváros Budapest. Dabei sahen sie sich vor dem Spiel gegen das ungarische Spitzenteam noch in der Außenseiterrolle.

Ludwigsburg. Gut, besser, Bietigheim! Am Sonntag gingen den 1721 Handball-Fans in der MHP-Arena die Superlative aus. Mit einem vorher in dieser Höhe nie für möglich gehaltenen 40:20-Sieg gegen Ferencváros Budapest sorgte die SG BBM in der Champions League für eine Sensation.

Markus Gaugisch tat sich direkt nach dem Spiel schwer, für die überragende Vorstellung seines Teams Worte zu finden. Er beschränkte sich auf „Gut, gell!“. Mit etwas Abstand meinte der BBM-Coach: „So ein Tag ist nicht normal. Am wichtigsten ist es zu gewinnen, ob mit einem oder 20 Toren, ist zweitrangig. Aber was alle meine Spielerinnen heute gezeigt haben, war unglaublich.“ So wenig wie in den meisten Situationen die FTC-Werferinnen an ihrer Landsfrau, kam auch Gaugisch nicht an Melinda Szikora vorbei. Die Ungarin im SG-Tor war absolute Weltklasse. „Ihre Paraden haben uns geholfen, in einen Run zu kommen, dann griff ein Rädchen ins andere und wir spielten uns vorne wie hinten in einen Rausch.“

Matchwinnerin Melinda Szikora am Finger verletzt

Bis zur 46. Minute wehrte die frühere Ferencváros-Keeperin 53 Prozent aller Würfe ab, entschärfte viele Budapester Top-Chancen. „Die meisten Spielerinnen kenne ich vom Nationalteam, das hat geholfen“, freute sich die zur besten Spielerin gekürte 33-Jährige. Beim Stand von 30:14 musste sie allerdings das Feld räumen. Bei einer erfolgreichen Abwehraktion verletzte sie sich am Finger. „Es muss geröntgt werden“, meinte sie nach der Partie mit schmerzverzerrtem Gesicht.

Den Grundstein für den Erfolg legte das Viadukt-Team in der ersten Viertelstunde. Gegen die laufstarke, kämpferisch ans Limit gehende und taktisch bestens eingestellte BBM-Abwehr tat sich Ferencváros enorm schwer. Bietigheim eroberte viele Bälle, setzte sich auf 8:3 ab. Das Bietigheimer Bollwerk beeindruckte die Ungarinnen sichtbar. Allein Linkshänderin Katrin Klujber fand ab und zu eine Lücke, konnte den SG-Express aber nicht stoppen.

Emily Bölk nach Niederlage ratlos

Das Viadukt-Team war auf allen Positionen torgefährlich. Linksaußen Veronika Malá tanzte Angela Malestein auf dem linken Flügel aus, schickte die frühere Bietigheimerin für zwei Minuten auf die Strafbank, netzte danach dreimal ein. Am Kreis war Kaba Gassama ein Unruheherd. Trine Østergaard versenkte ihre Gegenstöße gewohnt sicher. Im Rückraum erspielten sich Kelly Dulfer, Inger Smits, Karolin Kudlacz-Gloc und Xenia Smits die Lücken, die sie für ihre Durchbrüche brauchten. Daraus resultierten neben vielen Treffern auch mehrere Strafwürfe. Die verwandelte Julia Maidhof eiskalt. Am Ende standen neun Tore der Linkshänderin zu Buch, darunter acht Siebenmeter.

Die Hoffnung der ungarischen Fans, dass ihr Team der Partie nach dem 18:9-Pausenstand noch eine Wende geben könnte, verpufften. Die SG beantwortete jeden FTC-Treffer mit einer eigenen Bude. Nach dem 22:13 kam es für die Gäste knüppeldick. In den letzten 20 Minuten erhöhte Bietigheim auf 40:20, streute dabei Leckerbissen wie ein von Inger Smits für Kelly Dulfer vorbereitetes Kempa-Tor und zwei mit links erzielte Treffer der Rechtshänderin Karolina Kudlacz-Gloc ein. „Wir hatten in den letzten Jahren auch schwache Spiele, aber so etwas wie heute habe ich noch nie erlebt“, gestand Emily Bölk. „Bietigheim war in allen Belangen viel besser.“

SG BBM: Szikora, Moreschi; Gassama (1), Döll (4), Meyer (3), I. Smits (3), Kudlacz-Gloc (5), Naidzinavicius (1), Dulfer (4), X. Smits (4), Østergaard (3), Maidhof (9/8), Behrend, Malá (3)