Logo

Handball

Der Blick der SG geht erst mal nach unten

Bei den Bietigheimer Handballern ist der Wurm drin. Statt um den Aufstieg mitzuspielen, trennen die SG BBM nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz. Nun kommt mit Coburg eine Spitzenmannschaft ins Schwabenland. Doch der Spielort macht den Bietigheimern Hoffnung.

Foto: Baumann
Foto: Baumann

Ludwigsburg. Ein Heimspiel in fremder Halle – vielleicht ist es gerade das, was die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim nun brauchen. Am Sonntag (14.30 Uhr) geht es zum Auftakt des Doppelspieltags erstmals in dieser Saison für die SG-Männer in der Ludwigsburger MHP-Arena aufs Parkett. Nach bisher fünf sieglosen Spielen in der sonstigen Heimat, der Ege.Trans-Arena, womöglich der Ort, an dem der Heimknoten gegen den Tabellenzweiten HSC Coburg endlich platzt.

Spiel in MHP-Arena im richtigen Moment

„Das sind die Kleinigkeiten, die eine Rolle spielen können“, ist auch der Sportliche Leiter der SG, Jochen Zürn, davon überzeugt, dass das Spiel in der MHP-Arena zum richtigen Zeitpunkt kommt. „Auf unbekanntem Terrain haben wir in dieser Saison besser ausgesehen als zu Hause.“ Ähnlich sieht es auch SG-Trainer Hannes Jón Jónsson: „Das kann ein Vorteil sein. Hoffentlich können wir dort unsere Blockade lösen.“

Gerade einmal acht Punkte haben die Bietigheimer in bislang zehn Spielen geholt, sechs Zähler davon auswärts. Als Aufstiegsfavorit in die Saison gestartet, sind es nun nur noch zwei Punkte, die den Bundesligaabsteiger aus dem Ellental vom ersten Abstiegsplatz trennen. „Wir sind an einem Punkt, an dem wir nicht sein wollten“, sagt Zürn zur aktuellen Situation. „Wir gehen durch eine super schwierige Phase, wir haben uns das alle anders vorgestellt“, weiß auch Jón Jónsson.

Mit Coburg wartet nun eine eingespielte Mannschaft um den starken Rückhalt mit Jan Kulhanek im Tor. Der Keeper, der von 2013 bis 2015 selbst das SG-Trikot trug, spielt trotz seiner 38 Jahre eine sehr starke Saison. Trotz vergleichsweise wenig Spielzeit hat der Tscheche die viertmeisten Bälle der Liga abwehren können. „Er hat schon in Bietigheim Hervorragendes geleistet. Und im Tor kann man auch im hohen Alter noch herausragend spielen“, zollt ihm Zürn Respekt.

Ohnehin spiele Coburg „über Jahre sehr gut“, findet Zürn. Auf dem Papier müsste die SG-Truppe mit ihrem gut besetzten Kader jedoch mit dem HSC mithalten können. Doch das ist nicht das Papier, an dem sich Zürn derzeit orientiert. „Wir müssen die Realität betrachten“, sagt er nüchtern und verweist auf die aktuelle Tabellensituation: „Wir müssen schauen, dass wir nach unten den Abstand vergrößern.“

Sowohl Zürn als auch Jón Jónsson sehen die SG als Außenseiter. „So wie sich die Saison entwickelt hat, kann man nichts anderes sagen, als dass Coburg Favorit ist“, sagt der SG-Trainer, der zuletzt besonders seine Spielgestalter kritisierte. „In unserem Rückraum hat heute keiner ein gutes Spiel gemacht, dann wird es verdammt schwer“, sagte der Isländer nach der 27:30-Niederlage beim TV Emsdetten. Immerhin traf dabei Dominik Claus (Foto) drei seiner vier Würfe. Mimi Kraus versuchte, Verantwortung zu übernehmen, hatte am Ende allerdings bei zehn Versuchen sieben Fehlwürfe. Auch Jonas Link blieb mit zwei Treffern hinter den Erwartungen. „Ich glaube, dass ich sie zu Recht kritisiert habe“, bleibt Jón Jónsson bei seiner Meinung und fügt an: „Keiner unserer Rückraumspieler hat richtig funktioniert.“

Auch laut Zürn spiele man zwar eine ordentliche Verteidigung, in der Offensive fehle aber die Durchschlagskraft. Davon, wie das Team in dieser Woche daran gearbeitet hat, hat sich Zürn selbst ein Bild gemacht: „Ich habe mir das im Training angeschaut, die Mannschaft hat sehr gut gearbeitet.“ Bleibt nur das alte Problem, „das am Sonntag auch auf die Platte zu bringen“, weiß Zürn.

Von einem gewissen Druck spricht auch Jón Jónsson. Es helfe zwar, dass zuletzt SG-Geschäftsführer Bastian Spahlinger ihm sein Vertrauen ausgesprochen habe, das mindere jedoch keineswegs seinen Ehrgeiz. „Ich spüre die Rückendeckung vom Verein und mache mir keine Gedanken um meinen Job. Aber es ist Profigeschäft. Und ich weiß, wie das Geschäft läuft“, sagt Jón Jónsson über seine Situation.

Lauenroth glaubt an ihr Team

Die Männer der SG BBM Bietigheim wollen den Heimfluch bannen, die Frauen im zweiten Spiel der Handball-Doppelveranstaltung in der MHP Arena am Sonntag ab 18 Uhr gegen SCM Ramnicu Valcea die Niederlagenserie in der Champions League beenden.

Alle vier Spiele hat die SG verloren, ist mit 0:8 Punkten und 135 Gegentoren – den meisten aller 16 Teams – Letzter seiner Vierergruppe. Die Kontrahenten Brest (8:0) und Buducnost (6:2) sind bereits weiter, die Entscheidung über den dritten Hauptrundenteilnehmer fällt zwischen der SG und Valcea (2:6). Das Duell mit dem rumänischen Meister wird zum Endspiel. Bei Niederlage oder Unentschieden steigt Bietigheim in den EHF-Cup ab. Nur ein deutlicher Sieg eröffnet die Chance, das zu verhindern. Der sollte deutlich ausfallen. Bei Punktgleichheit entscheidet der direkte Vergleich. Im Hinspiel ließ sich die SG nach 29:26-Zwischenstand unnötig mit 34:27 abschießen.

Vom Erfolg ist Antje Lauenroth überzeugt. „Das ist für uns noch nicht vorbei“, gibt sich die 31-jährige Polizistin kämpferisch. Ihr Optimismus basiert auf der guten Abwehrleistung beim 28:25-Sieg am Mittwoch im Bundesliga-Hit gegen den Thüringer HC. „Wenn wir auch gegen Valcea so decken, werden wir gewinnen.“ Das würde zu ihrer Glückssträhne passen. Die Kreisläuferin wurde für die WM nominiert – als Linksaußen! Das überraschte viele, nicht aber sie selbst. „Bei den letzten Länderspielen lief es richtig gut, daher rechnete ich mir eine Chance aus.“ Wie gegen Valcea. (joh)

Autor: