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Eine packende Partie mit zwei Verlierern

Bietigheim und Gummersbach müssen in die zweite Liga. Am Ende eines dramatischen Spiels lassen die Spieler ihren Emotionen freien Lauf.

Domenico Ebner verabschiedet sich von den SG-Fans.Foto: Baumann
Domenico Ebner verabschiedet sich von den SG-Fans. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Stille hatte es in den zwei Stunden zuvor nicht gegeben in der Bietigheimer Ege.Trans-Arena. Schon lange vor Anpfiff begannen die rund 500 mitgereisten Fans des VfL Gummersbach, mit den Anhängern der SG BBM Bietigheim um die Wette zu singen, zu trommeln, zu fiebern. Doch nun, direkt mit Abpfiff des Spiels, schien es, als wurde sowohl jedem der 4517 Zuschauer als auch Spielern, Trainern und Funktionären der Stecker gezogen. Bis zuletzt glaubten beide Teams an den Klassenverbleib. Die SG wurde mit dem vergebenen Wurf von Mimi Kraus aus ihren Träumen gerissen, der VfL wenige Minuten nach Spielende, als das Ergebnis aus Ludwigshafen die Runde machte.

So klar vor der Partie war, dass beiden Teams der Abstieg drohte, so überwältigt wirkten sie, als dieses Szenario plötzlich Gewissheit wurde. „Ich bin traurig und enttäuscht“, sagte BBM-Trainer Hannes Jon Jonsson sichtlich geknickt über eine emotionale Partie mit einem Ende, das kaum ernüchternder sein konnte. Denn es war ein Spiel mit zwei Verlierern. „Ich habe keine Worte. Ich habe mir den Tag anders vorgestellt“, sagte Keeper Domenico Ebner mit brüchiger Stimme und Tränen in den Augen nach seinem letzten Spiel als Bietigheimer.

Ebner wurde wie auch Felix König, der in die Sportkoordination der SG wechselt, und Robin Haller nach Abpfiff verabschiedet. „Ich wollte mich mit dem schönsten Geschenk verabschieden, das ging aber nicht“, sagte der 33-jährige Haller, dessen Vertrag nach zwölf Jahren im SG-Trikot nicht verlängert wird.

Zuvor ließen Haller und Ebner alles auf dem Parkett, was sie zu bieten hatten. Haller bereitete etliche Tore mit klugen Pässen vor, Ebner brachte zwischenzeitlich die Gummersbacher mit seinen Paraden zur Verzweiflung. Besonders in dieser Phase merkte man ihm an, wie er seine letzten Minuten als SG-Keeper genießen konnte – aber auch nach Spielende, wie die Enttäuschung ihn wie ein Schlag traf. Ähnlich emotional reagierte Haller, als SG-Geschäftsführer Bastian Spahlinger das Wort ergriff und Richtung Hallendecke zeigte: „Schau mal nach oben, da bleibst du bei uns“, ehe ein Banner mit Hallers Nummer von der Decke gelassen wurde.

Trotz der Abschiede und der Enttäuschung ist der Abstieg für die SG leichter zu verkraften als für die Gummersbacher. In Bietigheim war man auf einen solchen Ausgang vorbereitet, hat zweigleisig geplant. Auch Spahlinger ist weiterhin von der Mannschaft überzeugt. „In der Truppe steckt so viel Herz und Mentalität, ich bin sicher, dass wir ganz schnell wieder kommen“, kündigte er an.

Was mit Mentalität machbar ist, zeigte am Sonntag auch Mimi Kraus. Der Weltmeister von 2007 spielte trotz einer schweren Oberschenkelverletzung gegen die Gummersbacher. „Es war eigentlich drei Wochen zu früh, ich bin vollgepumpt mit Schmerzmitteln“, sagte der 35-Jährige. Dass er auch in der neuen Saison für die SG auflaufen wird, ist trotz des Abstiegs nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: „Ich bin keiner, der da die Segel streicht. Ich sage dann eher, jetzt erst recht“, sagte Kraus, der schon Pläne für die kommende Saison schmiedete. Er wolle „in einem Jahr hier jubelnd in der Halle stehen“. Auch Jon Jonsson war optimistisch, dass Kraus weiterhin das Bietigheimer Trikot tragen wird. „Ich glaube, dass er bleibt“, sagte er und verschwand in der Kabine.

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