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Handball
Emotionaler Sieg stachelt die SG BBM Bietigheim und Alexander Pfeifer an

Mit 40 Toren der fünftbeste Werfer der SG BBM Bietigheim: Alexander Pfeifer. Foto: Baumann
Mit 40 Toren der fünftbeste Werfer der SG BBM Bietigheim: Alexander Pfeifer. Foto: Baumann
Der stimmungsvolle Comeback-Sieg beim VfL Lübeck-Schwartau hat bei der SG BBM Bietigheim den Hunger auf weitere Siege entfacht. Dafür muss der Handball-Zweitligist aber an seiner Konstanz arbeiten. Den nächsten Schritt können Linksaußen Alexander Pfeifer und Co. am Freitag in der Viadukthalle gegen Schlusslicht TuS Ferndorf machen.

Bietigheim-Bissingen. Was genau Coach Iker Romero ihm und seinen Teamkollegen gesagt hat, daran erinnert sich Alexander Pfeifer nicht mehr genau. „Da müsste ich ein bisschen überlegen“, gesteht der Linksaußen des Handball-Zweitligisten SG BBM Bietigheim im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass es aber seine Wirkung gezeigt hat, dessen ist sich der 20-Jährige sicher. „Sie waren sehr krass, die Gefühle von Iker“, sagt Pfeifer über den emotionalen Ausbruch seines spanischen Cheftrainers. Der hatte während einer Auszeit beim VfL Lübeck-Schwartau vergangenen Freitag bei einem 1:8-Rückstand einen SG-Spieler nach dem anderen am Trikot gepackt und durchgerüttelt – mit Erfolg. Es folgte eine Aufholjagd, gekrönt von einem 35:31-Auswärtssieg. Es war erst das zweite Mal in dieser Saison, dass die SG BBM zwei Spiele in Serie gewinnen konnte. Am Freitag soll in der Viadukthalle (19 Uhr/Sportdeutschland.tv) gegen Schlusslicht TuS Ferndorf der dritte Sieg am Stück her. Es wäre ein Bietigheimer Novum in dieser Saison.

Wie viele seiner Teamkollegen schwärmt auch Pfeifer von der herausragenden Vorbereitung, die die SG vor dieser Saison gespielt habe. „Da ist mir klar geworden, was wir für eine geile Truppe sind“, so Neuzugang Pfeifer. Doch der eigentliche Aufstiegskandidat bringt es nur selten und viel zu inkonstant aufs Parkett. Zu häufig folgten auf überlegene Siege ernüchternde Niederlagen. Eine solche hatte sich auch vor Romeros Brandrede in der Auszeit in Lübeck angebahnt. „Er hat uns auf diese emotionale und direkte Weise gezeigt, dass wir als starke Truppe viel zu viel Potenzial haben, um so eine Leistung abzurufen“, sagt Pfeifer.

Ein Problem, das nicht neu ist. Auch in der Mannschaft habe man schon Gespräche darüber geführt, wie es sein kann, dass die als Favoriten auf die Spitzenplätze gehandelten Bietigheimer auf Rang zehn im Mittelfeld der Tabelle feststecken. „Wir haben festgestellt, dass oft die Angst höher ist, einen Fehler zu machen, als der Wille da ist, alles richtig zu machen“, hebt Pfeifer den mentalen Aspekt hervor.

Vertrag bis 2023

Bis 2023 läuft der Vertrag des U19-Vizeweltmeisters in Bietigheim, der vor der Saison vom Ligakonkurrenten TV Großwallstadt zur SG wechselte. Aus seinem Ziel, in die erste Liga aufzusteigen, macht er keinen Hehl. Alleine, um dort zumindest einmal auf sein Vorbild Uwe Gensheimer zu treffen. Abgehakt hat er das für diese Saison trotz der aktuell sieben Zähler Rückstand auf den zweitplatzierten VfL Hagen nicht. „Ich merke immer wieder, dass in dieser Liga alles möglich ist“, sagt er. „Ich schreibe sowas gar nicht ab.“ An einen Aufstieg knüpft Pfeifer, der nebenberuflich selbstständig im Finanz- und Investmentbereich arbeitet, einen Verbleib im Ellental aber nicht: „Wenn es nicht klappen sollte, wird das kein Kriterium sein, etwas anders zu entscheiden. Ich weiß, was in unserer Mannschaft steckt.“

Damit das klappt, will er weiter mit seinen Toren helfen. 40 Treffer hat er in dieser Spielzeit bereits erzielt, das macht ihn zum fünftbesten Werfer seines Teams. Der Jubel ist aber meist der gleiche: Mit seinem Finger zeigt er auf die Plätze der Tribüne, auf denen seine Familie Platz nimmt. „Wenn ich ein Tor werfe, geht der Finger in Richtung meiner Freundin“, sagt Pfeifer, dessen Eltern, Freundin und Familie der Freundin trotz zweistündiger Anreise regelmäßig nach Bietigheim kommen.

Gegen Ferndorf sind in der Viadukthalle bis zu 750 Zuschauer zugelassen. „Wir haben zwei Spiele hintereinander für uns entscheiden können und es wird weiter gehen“, ist sich Pfeifer sicher. Lediglich ein Unentschieden konnte der Gast aus Nordrhein-Westfalen in dieser Saison aus einer fremden Halle entführen, liegt derzeit auf dem letzten Tabellenplatz. Die kleine Siegesserie der Bietigheimer habe laut Pfeifer dagegen erst den Hunger auf mehr entfacht: „Ich glaube, dass wir gerade merken, wie geil es ist, zu gewinnen“, sagt Pfeifer nach dem emotionalen Sieg in Lübeck. Und vielleicht klappt es diesmal auch ohne ein vehementes Wachrütteln von Coach Romero.