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Interview

„Große Sehnsucht nach Olympia“

Letzter WM-Test für die deutschen Handballerinnen. Am Donnerstag (19 Uhr) trifft die verjüngte Nationalmannschaftsteam in der Stuttgarter SCHARRena auf Montenegro. Am Freitag startet der Flieger zur WM in Japan (30. November bis 15. Dezember). Die LKZ sprach mit der Kapitänin der DHB-Auswahl Kim Naidzinavicius, einer von fünf Bietigheimerinnen im WM-Kader.

Hehre Ziele: Kim Naidzinavicius, die Kapitänin der Handball-Nationalmannschaft.Foto: Baumann
Hehre Ziele: Kim Naidzinavicius, die Kapitänin der Handball-Nationalmannschaft. Foto: Baumann

Frau Naidzinavicius, wie ist die Stimmung im Team?

Kim Naidzinavicius: Wir sind seit Montag in der Sportschule Steinbach beisammen. Die Vorfreude auf die WM ist riesig, alle sind hochmotiviert. Die letzten Trainingseinheiten und das Spiel gegen die starke Mannschaft Montenegros, die ja auch bei der WM vertreten ist, wollen wir optimal für die WM-Vorbereitung nutzen.

Die Freude über die Nominierung von gleich fünf BBM-Spielerinnen war sicher groß?

Natürlich. Wir sind fast vier Wochen unterwegs. Das ist es für mich schön, dass mit Antje Lauenroth zum Beispiel jemand dabei ist, mit dem man vertraut ist und den man mag. Wir wurden 2008 gemeinsam U 20-Weltmeister und spielen 2019 wieder zusammen um den WM-Titel. Auch spielerisch bringt das Vorteile, wenn Trainer Henk Groener Formationen aufs Feld schicken kann, die sich gut kennen und nicht nur in der Nationalmannschaft zusammenspielen.

Wie haben Sie sich über Japan informiert?

Vor wenigen Wochen fanden die Doppelländerspiele der Männer und Frauen gegen Kroatien statt. Dabei haben die Männer, die ja schon letztes Jahr in Japan gespielt haben, uns Tipps gegeben und auch die Angst genommen, dass wir nichts Ordentliches zu essen kriegen.

Ihr wollt über die WM in Japan zu den Olympischen Spielen im Sommer 2020 in Japan. Um dieses Vorhaben im Auge zu behalten, muss bei der WM mindestens der siebte Platz her. Wie groß sind die Chancen?

Wir treffen in der Vorrunde auf Titelverteidiger Frankreich, Dänemark, Brasilien, Korea sowie Australien und müssen gegen diese starke Konkurrenz mindestens Dritter werden, um in die Hauptrunde einzuziehen. In unserer Mannschaft steckt viel Potenzial. Wenn wir das zum richtigen Zeitpunkt abrufen, sind wir in der Lage, unser Ziel zu erreichen.

Ihr Traum von der ersten Olympiateilnahme lebt?

In mir steckt eine große Sehnsucht nach Olympia. Das Thema ist jetzt bei der WM natürlich aktueller denn je. Wir wollen die Chance auf die Spiele in Tokio wahren.

Wo liegen die Stärken des deutschen Teams?

Wir haben eine homogene, junge, ambitionierte Mannschaft, die Dinge gut analysieren, ansprechen und umsetzen kann. Auf vielen Positionen sind wir qualitativ gut besetzt. Das stimmt mich optimistisch.

Reicht die Erfahrung für die WM?

Wir haben sich nicht so viel internationale Praxis wie andere Nationen. Aber es ist gut, dass die jungen Spielerinnen jetzt WM-Erfahrungen sammeln können. Wir wollen zeigen, dass der Umbruch der richtige Schritt war.

Ein wichtiger Schritt ist für viele Top-Spielerinnen oft ein Wechsel ins Ausland. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Das ist schon eine Option. Aber es gibt Vor- und Nachteile. Bei den vielen Top-clubs dreht sich alles nur um die Champions League und in der nationalen Liga gibt es, wie zum Beispiel bei Buducnost, oft keine Gegner.

Das T-Shirt von Aron Palmarsson, das Sie früher als Glücksbringer unter dem Trikot trugen, hat schon lange ausgedient. Welche Rituale pflegen Sie jetzt?

Wenn man jede Woche zweimal spielt, gibt es gewisse Abläufe, an die man sich gewöhnt. Aber das ist nichts Besonderes mehr und wenn mal etwas davon nicht klappt, ist es nicht so, dass ich befürchte, deswegen ein Spiel zu verlieren. (joh)