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2. Handball-Bundesliga

Harter Job für Brian Ankersen

Trainer Hannes Jón Jónsson ist zurückgetreten und damit seiner Entlassung zuvorgekommen. Das teilte die SG BBM Bietigheim gestern mit. Der bisherige Trainer der 2. Frauenmannschaft, Brian Ankersen, soll den Handball-Zweitligisten nun vor dem Abstieg retten. Gefordert ist aber vor allem die Mannschaft.

Interimstrainer: Brian Ankersen übernimmt die SG-Handballer.Foto: Baumann
Interimstrainer: Brian Ankersen übernimmt die SG-Handballer. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Das Ende seiner Trainer-Tätigkeit bei der SG BBM Bietigheim passt ins Bild. Gestern teilte der Handball-Zweitligist mit, dass Hannes Jón Jónsson zurückgetreten ist. „Er hat sehr viel bewegt und in keiner Saison eine faire Chance gehabt, eine normale Spielzeit zu bestreiten. Es tut mir leid, dass so ein guter Typ unter solchen Umständen solche Entscheidungen treffen muss“, sagte SG-Sportdirektor Jochen Zürn im Gespräch mit unserer Zeitung.

Den Abstiegsrängen gefährlich nah

Mit seinem Rücktritt machte es Jónsson der SG um einiges einfacher. Denn nach sechs Niederlagen aus den letzten sieben Spielen sind die Bietigheimer den Abstiegsplätzen gefährlich nahe. Nur noch sechs Punkte beträgt das Polster. Der Isländer kam somit seiner Entlassung zuvor (wir berichteten). Gestern Vormittag nach dem regelmäßigen Coronatest teilte Jónsson sein Ausscheiden der Mannschaft mit.

„Die Leistung und Ergebnisse haben in letzter Zeit nicht gepasst. Wenn ich als Trainer das Gefühl habe, dass ich meiner Mannschaft nicht mehr helfen kann, dann ist es Zeit für einen neuen Impuls“, wurde Jónsson in der Pressemitteilung zitiert. Selbst erreichbar war der 41-Jährige gestern nicht.

Jónsson hatte die SG im Februar 2019 als Nachfolger von Ralf Bader in der Bundesliga übernommen. Am Ende fehlte zum Klassenverbleib nur ein Tor. Die Mission direkter Wiederaufstieg begann in der vergangenen Saison mit einem gewaltigen Fehlstart. Dann startete Bietigheim eine beeindruckende Aufholjagd. Auf Rang 3 liegend zerplatzten die Aufstiegsträume nach dem Saisonabbruch aufgrund der Coronavirus-Pandemie jäh.

Auch in der aktuellen Saison ging vieles schief. Zweimal kursierte das Coronavirus innerhalb des Teams. Zweimal musste ein Großteil der Mannschaft in Quarantäne, elf Spieler infizierten sich insgesamt. Sportlich rutschte die SG in der Folge in den Tabellenkeller, fing sich aber und rückte bis auf Rang sechs vor. Der Aufstieg schien wieder möglich.

Doch dann verkündete der Verein, den Vertrag mit Jónsson nicht zu verlängern. Stattdessen wurde der ehemalige Weltklasse-Handballer Iker Romero als Coach für die kommende Saison präsentiert. Seitdem verloren die Bietigheimer fünf von sechs Spielen und stürzten wieder in Richtung Abstiegszone. „Ich würde das nicht als den entscheidenden Zeitpunkt definieren. Wir haben damals klar entschieden und das Hannes im Gespräch auch mitgeteilt“, betont Zürn. „Ich habe auch mit vielen Spielern Gespräche geführt und die Mannschaft war immer klar pro Hannes.“

Unerfahrener Nachfolger

Bis zum Saisonende soll der in Deutschland geborene Däne Brian Ankersen das Training leiten und das Team in sichere Gefilde führen – unterstützt von Zürn, der selbst jahrelang als Trainer arbeitete und die B-Lizenz besitzt. „Ich werde, wenn Bedarf da ist, mit auf die Bank gehen. Das hat schon einmal geholfen. Ich werde auch als Gesprächspartner da sein und auch öfter im Training sein“, sagt Zürn. Gestern Abend fand das erste Training statt, morgen Abend tritt die SG bereits beim TuS N-Lübbecke an.

Ankersen trainierte bisher die zweite Frauenmannschaft und das weibliche A-Jugend-Bundesliga-Team der SG. Der 32-Jährige lebt mit seiner Partnerin, der SG-Bundesliga-Torhüterin Emily Sando, seit dieser Saison in Bietigheim und war zuvor selbst Handballprofi. „Das ist ein höchst engagierter junger Trainer, dem wir zutrauen, erfolgreich mit der Situation umzugehen.“

Zürn sieht aber nun vor allem die Spieler gefordert: „Die Mannschaft ist jetzt komplett in der Verantwortung. Es gibt keine Entschuldigungen mehr. Das habe ich dem Team auch so gesagt.“

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