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Frauenhandball

Markus Gaugisch erlebt rasanten Aufstieg bis zum Bundestrainer

Am Samstagabend, 19 Uhr, steigt in der Halle am Viadukt das Spitzenspiel der Handball-Bundesliga. Tabellenführer Bietigheim (42:0 Punkte) empfängt das Überraschungsteam des Tabellendritten Buxtehuder SV (28:10). Im Mittelpunkt wird Markus Gaugisch stehen. Der wurde als neuer Bundestrainer der Frauen berufen und wird in einer Doppelfunktion neben der DHB-Auswahl weiterhin die SG-Ladies betreuen.

In Doppelfunktion: Markus Gaugisch trainiert die deutsche Auswahl und Bundesligist SG BBM Bietigheim.Foto: Baumann
In Doppelfunktion: Markus Gaugisch trainiert die deutsche Auswahl und Bundesligist SG BBM Bietigheim.Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Gaugisch erhält beim Deutschen Handballbund einen Vertrag bis 2024, der sich bei Qualifikation für die Olympischen Spiele automatisch bis April 2026 verlängert und damit auch die Weltmeisterschaft im Dezember 2025 umfasst. Ausrichter dieses Turniers werden Deutschland und die Niederlande sein. Seine Premiere als Bundestrainer feiert er nach Ostern bei den Länderspielen gegen Griechenland und die Niederlande (21./23. April).

Eine aufregende Woche liegt vor dem ehemaligen Pfullinger Bundesligaspieler. Am Ostermontag versammelt Gaugisch in der Sportschule Hennef die 19 nominierten Spielerinnen um sich. Am Mittwoch, 20. April, feiert er seinen 48. Geburtstag, tags darauf sitzt er erstmals bei der Nationalmannschaft auf der Bank. Und kann es noch kaum fassen. „Als Bundestrainer berufen zu werden, ist ein Zeichen von enormer Wertschätzung. Es gibt wohl keinen Trainer, den diese Aufgabe nicht reizen würde. Dass ich diese Chance einmal geboten bekommen würde, hatte ich mir kaum vorstellen können.“

In der Tat verlief Gaugischs Aufstieg bei den Frauen rasant. Erst 2020 wechselte der Gymnasiallehrer, der zuvor unter anderem die Bundesligamänner des HBW Balingen-Weilstetten betreut hatte, ins Lager der Frauen. Was die Einstellung anging, überraschten ihn die SG-Ladies. „Die Frauen sind genauso professionell wie die Männer“, erkannte er schnell. Mit den außerhalb des Spielfeldes zu Tage tretenden Unterschieden lernte er umzugehen. So staunte er beim Grillabend zu seinem Einstand: „Die Männer hätten kiloweise Fleisch auf den Grill geklopft. Bei den Frauen war ich fast der Einzige, der ein Steak nahm“.

Die Erfolgsserie des seit 44 Spielen ungeschlagenen Viadukt-Teams beförderte Gaugisch bei der Suche nach einem Nachfolger für Bundestrainer Henk Groener aufs Kandidaten-Karussell. Als der DHB ihn kontaktierte, bat er um Bedenkzeit. Neben der Familie und Schule musste auch die SG BBM zustimmen.

„Wir freuen uns natürlich außerordentlich für Markus Gaugisch und auf die weitere erfolgreiche Zusammenarbeit im Club bis Ende Juni 2023 sowie für die deutsche Nationalmannschaft“, erklärt SG-Sportdirektor Gerit Winnen. „Für die SG BBM ist diese Situation nicht neu. Im Jahr 2019 ist der Erfolgstrainer Martin Albertsen bereits dem Ruf eines Nationalteams gefolgt, damals der Schweiz. Nach transparenten Gesprächen in den letzten Wochen besteht nun frühzeitig Klarheit und es bleibt uns ausreichend Zeit, den nächsten Volltreffer für die SG-Trainerbank zur Saison 2023/24 zu finden.“

Olympia 2024 als Ziel

Am Ostermontag tritt Gaugisch erstmals vor das Nationalteam. Seine Aufgabe: Die bei den letzten Titelkämpfen nicht überzeugende Mannschaft in der Weltspitze zu etablieren. Seine Vision: „2024 sind die Olympischen Spiele in Paris. Da wollen wir hin. Mit der Olympiateilnahme würde sich auch für mich ein Traum erfüllen.“ Nicht weniger erwartet DHB-Präsident Andreas Michelmann: „Wir sind davon überzeugt, mit Markus Gaugisch die hochgesteckten Ziele erreichen zu können. Es geht um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 und das Halbfinale der WM 2025.“

Drei Titel für Bietigheim möglich

Nach den beiden Länderspielen im holländischen Almelo rückt für „Gaugi“, wie er in der Handballszene genannt wird, wieder die SG in den Fokus. „Wir haben die Chance, jetzt drei Titel nach Bietigheim zu holen. Dafür werden wir gemeinsam alles tun.“ Termine mit der DHB-Auswahl stehen erst wieder im Herbst an. „Künftig werde ich 24 Stunden Handball im Blick haben und jede Minute in den Erfolg beider Mannschaften investieren!“

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