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Handball

SG BBM Bietigheim krönt mit Sieg im DHB-Pokal eine perfekte Saison

Erst der Arbeitssieg, dann die Machtdemonstration. Beim Final Four des DHB-Pokals gehen die Bietigheimer Handballerinnen auch im 52. und 53. Pflichtspiel der Saison als Siegerinnen vom Parkett. Nach einem 32:28 im Halbfinale gegen den Thüringer HC wird das Endspiel gegen Oldenburg zum Schützenfest.

Oldenburgs Julia Renner (l.) macht der SG BBM um Trine Østergaard das Leben schwer. Foto: Baumann
Oldenburgs Julia Renner (l.) macht der SG BBM um Trine Østergaard das Leben schwer. Foto: Baumann

Stuttgart. Eine perfekte Saison haben die Bietigheimer Handballerinnen mit dem deutschen Pokalsieg gekrönt. Das Finale gewann die SG BBM am Sonntag vor 2735 Zuschauern in der Stuttgarter Porsche Arena 40:30 (17:12) gegen der VfL Oldenburg. Damit schaffte das Team von Markus Gaugisch das Quadruple: Meisterschale, DHB-Pokal, Supercup und der Sieg in der European League gingen an die Enz!

„Das war ein extrem intensives Wochenende“, befand Inger Smits. Die Holländerin, zur besten Spielerin des Final Four gewählt, lobte die Gegner. „Thüringen und Oldenburg haben es uns nicht leicht gemacht. Aber wir haben gekämpft und erreicht, was wir wollten!“

Arbeitssieg gegen den Thüringer HC

Auf dem Weg ins Endspiel überzeugte die im Final Four ohne die am Knie verletzte Kapitänin Danick Snelder angetretene SG beim 32:28-Halbfinalsieg gegen den Thüringer HC nur phasenweise. Die Abwehr bekämpfte den beherzt aufspielenden THC nicht energisch genug. Kerstin Kündig nutzte die Freiräume aus. Die überragende Schweizerin traf siebenmal selbst und spielte ihre Kreisläuferin Annika Meyer (6 Tore) zu oft frei. Bietigheim bekam die Partie erst nach dem 9:9 (20. Minute) in den Griff. Inger Smits und Karolina Kudlacz-Gloc brachten den Meister auf Endspiel-Kurs. Nach 39 Minuten lag die SG 22:14 vorn, leistete sich dann aber mehrere Ballverluste. Thüringen kam bis auf 29:26 heran. „Heute hatte ich erstmals in dieser Saison das Gefühl, dass gegen Bietigheim etwas drin war“, erklärte THC-Trainer Herbert Müller. Sein Versuch, die Partie in der Schlussphase durch eine offensive Abwehr noch zu kippen, blieb aber erfolglos. „Man kann nicht immer glänzen, sondern muss auch mal ein Spiel dreckig gewinnen“, resümierte BBM-Coach Gaugisch.

Oldenburg als Überraschungsgegner

Mit Oldenburg als Endspielgegner war nicht unbedingt zu rechnen. Der VfL gewann sein Halbfinale gegen den Buxtehuder SV überraschend 28:26. Die blutjunge BSV-Formation, in der Bundesliga sensationell Dritter, schien mental überfordert und lag gegen den aggressiv verteidigenden Außenseiter permanent zurück.

Auch im Finale überzeugte Oldenburg. Mit wechselnden Abwehrformationen versuchte der VfL den Rhythmus der SG zu stören. „Das hat Spaß gemacht“, freute sich Gaugisch, „der VfL hat sich etwas überlegt und uns richtig gefordert“. Dass es für seine Formation nicht gereicht hat, störte Oldenburg-Coach Niels Bötel wenig: „Wir haben Bietigheim vor Aufgaben gestellt, aber die SG hat alle gelöst. Für uns ist dieses Wochenende trotzdem ein Megaerfolg.“

Spektakuläres Finale

Die Fans erlebten ein spektakuläres Finale mit 70 Toren. Bereits nach 13 Minuten führte der von Inger Smits angetriebene Meister 10:4. Bötel griff zur Grünen Karte und änderte sein Konzept. Das allein hätte die Aufholjagd seines Teams vermutlich nicht ausgelöst, aber Bietigheim scheiterte nun bei klarsten Chancen mehrfach an der VfL-Torhüterin Julia Renner. „Das war ein super Abschluss meiner Karriere“, freute sich die als beste Torhüterin des Turniers gekürte Oldenburgerin, die maßgeblich daran beteiligt war, dass ihre Mannschaft beim 14:12 nach 27 Minuten wieder in Schlagdistanz war.

Wie schon in den letzten Do-or-die-Spielen zündete die SG in den letzten Minuten vor der Pause den Turbo. Xenia Smits, die 7-Meter-Vollstreckerin Julia Maidhof und Jenny Behrend schockten den Gegner mit schnellen Toren zur 17:12-Pausenführung.

Alle 44 Sekunden ein Tor

Im zweiten Durchgang ging es Schlag auf Schlag. Beide Teams steigerten das Tempo, hüben wie drüben blieb kaum Zeit eine vernünftige Abwehr zu stellen. Im Schnitt fiel alle 44 Sekunden ein Tor. „Es war ungemein schnell“, staunte Xenia Smits, die einmal mehr zu Bietigheims Besten gehörte.

So wie sie und Kudlacz-Gloc die VfL-Abwehr durcheinanderwirbelten, taten es auf der Gegenseite Kathrin Pichlmeier und Merle Carstensen, die zusammen 17 Tore erzielten. Bis zum 28:24 in der 45. Minute durfte Oldenburg auf eine Überraschung wie 2018 hoffen als die Niedersächsinnen nach einem Vier-Tore-Rückstand das Finale gegen Bietigheim gewinnen konnten.

Kudlacz-Gloc dämpfte mit einem Doppelschlag die VfL-Hoffnungen. Nach einem Kempa-Zuspiel von Veronika Malá traf die Polin zum 29:24, dann tunnelte sie aus der eigenen Hälfte Julia Renner, die gerade ins Tor zurückeilte. Nun war die SG nicht mehr zu stoppen. Innerhalb weniger Minuten erhöhten die Bietigheimerinnen auf 37:27 und gewannen das begeisternde Finale 40:30. „Wir hatten bei der Besprechung über unsere Ziele vor der Saison die Möglichkeit von vier Titeln angesprochen“, blickte Gaugisch zurück. „Dass wir das, was da als Powerpoint-Präsentation vor uns stand, aber so in die Realität umsetzen konnten, ist sensationell.“

SG BBM: Szikora, Moreschi, van der Linden; I. Smits (5 Tore gegen Thüringen /5 gegen Oldenburg), Lauenroth (3/1), Schulze (3/4), Kudlacz-Gloc (5/6), Naidzinavicius (1/1), Dulfer (1/4), X. Smits (3/1), Østergaard (3/4), Maidhof (3/6), Jørgensen, Behrend (2/3), Malá (3/5)

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