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2. Handball-Bundesliga

„Wir hätten es geschafft“

Die Handballsaison der 1. und 2. Bundesliga wird abgebrochen. Das haben die 36 Teams der beiden Topligen gestern entschieden. Während sich der THW Kiel deutscher Meister 2020 nennen darf, gehört Zweitligist SG BBM Bietigheim zu den sportlichen Verlierern des Saisonabbruchs.

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Bietigheim-Bissingen. Verständnis und Enttäuschung – Das sind die beiden Emotionen, die sich gestern in Hannes Jón Jónsson (Foto) breitmachten. „Für uns ist das extrem bitter“, sagte der Trainer des Zweitligisten SG BBM Bietigheim nach dem Abbruch der 1. und 2. Handball-Bundesliga. „Man muss diese Entscheidung respektieren. Es hat Gründe, die es nie vorher gab und hoffentlich auch nie mehr in Zukunft.“

Zuvor hatte Coronavirus-Pandemie die Handball-Bundesliga (HBL) zum Saisonabbruch gezwungen und Rekordmeister THW Kiel den ungewöhnlichsten Titel seiner Vereinsgeschichte beschert. Mit großer Mehrheit beschlossen die 36 Clubs der 1. und 2. Liga gestern das vorzeitige Ende der Spielzeit 2019/20 in beiden Klassen. HBL-Präsident Uwe Schwenker bezeichnete den Abbruch als „sehr bitter, aber alternativlos“.

Durch die Festlegung auf die sogenannte Quotientenregelung (Pluspunkte geteilt durch Anzahl der Spiele mal 100) kommt der THW zur ersten Meisterschaft seit 2015 und insgesamt 21. in seiner Historie. „Wir freuen uns. Es ist eine große Bestätigung, eine große Anerkennung für das Geleistete“, sagte Kiels Sport-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Eine Party mit den Fans bleibt allerdings aus. Absteiger wird es keine geben. Die beiden Erstplatzierten der 2. Liga – HSC 2000 Coburg und TuSEM Essen – steigen auf. In der kommenden Saison wird mit 20 Teams in der Bundesliga gespielt.

Damit ist klar: Die Männer der SG BBM Bietigheim haben ihr großes Ziel direkter Wiederaufstieg verpasst. Aufgrund ihres schlechten Saisonstarts standen die Bietigheimer nach 24 Spielen nur auf Rang drei, gewannen aber zwölf der zurückliegenden 14 Spiele. „Wir hatten ein Ziel und waren auf einem guten Weg, das zu erreichen. Ich bin mir sicher, dass wir es geschafft hätten“, sagte Jónsson, der auf einen Play-off- oder FinalFour-Modus gehofft hatte, um die Aufstiegsfrage zu klären. „Aber das wäre alles super-kompliziert geworden. Wir werden nächste Saison wieder angreifen.“

Dann wird in der 2. Bundesliga mit 19 Teams gespielt. Die HSG Krefeld erhält keine Lizenz und steigt als einziges Team ab. Aus den 3. Ligen steigen der Wilhelmshavener HV (Nord-West), der Dessau-Roßlauer HV (Nord-Ost), der TuS Fürstenfeldbruck (Süd) und der TV Großwallstadt (Mitte) mit Ex-SG-Trainer Ralf Bader auf.

Dabei hoffen die Clubs auf einen Start im September. „Existentiell entscheidend wird es nun sein, wann wir wieder in unseren Arenen vor Zuschauern spielen können“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann (55). Insgesamt trifft der Abbruch die Liga hart. Die HBL rechnet mit Verlusten von 25 Millionen Euro. Auch aus diesem Grund war die Entscheidung lange aufgeschoben worden – zumal ein Saisonabbruch in den Statuten nicht vorgesehen war. Ursprünglich bestand die Hoffnung, die Saison spätestens ab dem 16. Mai fortzusetzen, um sie bis Ende Juni abzuschließen. Dieses Szenario ist nun hinfällig.

Anders als im Fußball hätte es den Clubs aus finanzieller Sicht nichts gebracht, die Saison mit Geisterspielen zu Ende zu bringen. Dann wären die Partien zwar im TV zu sehen gewesen, allerdings macht das Fernsehgeld nur einen geringen Anteil im Budget der Vereine aus, bei der SG nicht einmal zehn Prozent. Am meisten verdienen die Bundesligisten mit Ticketing und Sponsoring. Ersteres fällt bei Spielen ohne Zuschauer komplett weg, auch die Werbeeinnahmen hätten erheblich gelitten.

„Man muss respektieren, dass es wichtigere Dinge gibt und die Gesundheit im Vordergrund steht“, sagte SG-Geschäftsführer Bastian Spahlinger, der nach Informationen unserer Zeitung ebenfalls für den Abbruch stimmte. Er plant mit seinem Team nun die neue Saison. „Da wird es viel auf Kommunikation mit den Sponsoren ankommen“, betonte er. Auch, was mit den bisher schon verkauften Tickets geschieht, will Spahlinger mit den Fans besprechen. Die Liquidität der SG sieht er zumindest bis Saisonende nicht gefährdet. „Für uns ist es aber wichtig, dass wir den Kreislauf so schnell wie möglich in Gang bringen.“

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