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Handball

Zeit bei TSG Oßweil nach 40 Jahren nicht vergessen

Beim Vorbereitungsturnier um den BGV-Cup gastieren heute auch die Rhein-Neckar Löwen in der MHP-Arena. Für Löwen-Trainer Martin Schwalb ein besonderes Ereignis: Ludwigsburgs erfolgreichster Handballer kehrt nach vielen Jahren in seine Heimatstadt zurück.

Der Ludwigsburger Martin Schwalb hat als erfolgreicher Handballspieler und -trainer Karriere gemacht.Foto: Marco Wolf
Der Ludwigsburger Martin Schwalb hat als erfolgreicher Handballspieler und -trainer Karriere gemacht. Foto: Marco Wolf

Ludwigsburg. „Als ich erfuhr, dass wir in Ludwigsburg spielen, habe ich mich riesig gefreut“, erzählt der ehemalige Weltklassespieler. „Sofort dachte ich an meine Zeit bei der TSG Oßweil zurück. Mit zehn, elf habe ich angefangen, lernte das Handball-Abc bei Gerhard Krautt.“

Der „Käpt’n“ formte mehrere Bundesligaspieler, Schwalb war der erfolgreichste. Die Oßweiler integrierten das noch in der Jugend spielberechtigte Toptalent 1981/82 in ihr Regionalligateam. Mit 18 wurde der Gymnasiast Torschützenkönig in der damals zweithöchsten Liga. Es folgte der Wechsel zum Bundesligisten Göppingen. „Zuerst lief es nicht rund“, erinnert sich Schwalb. Auf seiner Position im rechten Rückraum spielte Jerzy Klempel. Hinter dem damals teuersten Handballer der Welt kam er kaum zum Einsatz. Im zweiten Jahr startete der blonde Schlaks aber durch. „Es war ein tolles Gefühl, als meine Würfe in der Hohenstaufenhalle im Tor einschlugen. Da habe ich gemerkt, ich kann Bundesliga und will mehr davon.“

Es folgte 1983 das erste von 193 Länderspielen und 1984 die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. „Das war eine geile Zeit. Wir hatten ein ganz junges Team und konnten den Erfolg noch gar nicht richtig einordnen.“ Nach Göppingen spielte der Linkshänder bei den damaligen Topteams TV Großwallstadt, Tusem Essen und SG Wallau-Massenheim. „Wallau war mein Ding“, meint er rückblickend, „ein Dorf wie Oßweil, handballverrückt und liebenswert.“ Nach 428 Bundesligaspielen, 2272 Toren, je drei Meistertiteln und Pokalsiegen sowie zwei Europacup-Erfolgen beendete er 1998 seine aktive Laufbahn.

„Kaum hatte ich den Ball aus der Hand gelegt, machte mich Wallaus Präsident Bodo Ströhmann zum Trainer.“ Nach Wallau coachte der Ludwigsburger die HSG Wetzlar und ab 2005 den HSV Hamburg. Schwalb weckte den Handball an der Elbe aus einem Dornröschenschlaf, gewann mit dem HSV mehrere Titel. Höhepunkt war der Champions-League-Triumph 2013.

Der Erfolg hatte seinen Preis: 2014 erlitt er einen schweren Herzinfarkt. „Nachdem die Ärzte in einer Notoperation mein Leben gerettet hatten, hörte ich sofort mit dem Rauchen auf und warf den unterschriftsreif vor mir liegenden Vertrag mit Paris St. Germain in den Papierkorb.“ Fortan nahm er sich zurück, tauschte die Trainer-Rolle mit der des TV-Handball-Experten und entdeckte sein Faible für Quizsendungen. „Da rate ich mit. Gerne wäre ich mal Kandidat bei ,Wer wird Millionär‘.“

Enge Freundschaft zu Jürgen Klopp

Überraschend präsentierten die Rhein-Neckar Löwen im Februar 2020 Schwalb als neuen Coach. „Ich hatte wieder richtig Bock auf die Bank“, begründete der sein Comeback. Nach nur zwei Spielen kam der Corona-Stopp, Schwalb war selbst infiziert: „Eine ernste Situation. Angesichts meiner medizinischen Vorgeschichte gehöre ich zur Risikogruppe. Zum Glück liegt das hinter mir, ich bin wieder gesund.“

Zu seinen Freunden zählt auch Jürgen Klopp. „In meiner Wallauer Zeit machten wir beide ein Praktikum bei SAT.1 in Mainz. Als 2011 „Kloppo“ mit Dortmund und ich mit dem HSV deutscher Meister wurde, feierten wir gemeinsam.“ Kontakte in die schwäbische Heimat gibt es dagegen kaum. „Seit fast 40 Jahren bin ich weg. Umso mehr würde es mich freuen, in der Halle ein paar bekannte Gesichter zu sehen.“ Die MHP-Arena ist allerdings Neuland für ihn. Mit Ludwigsburg assoziiert Martin Schwalb die Rundsporthalle. „Die tolle Atmosphäre bei den Spielen mit Oßweil werde ich nie vergessen.“

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