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„Beim Training besser auf den eigenen Körper hören“

Marathonrekordhalter Arne Gabius erklärt, was Hobbysportler von Profis lernen können – Keine Ernährungsexperimente während eines Wettkampfes

Plaudert aus dem Nähkästchen eines Profisportlers: Marathonspitzenläufer Arne Gabius bei seinem Lauf geht‘s-Vortrag.Foto: Ramona Theiss
Plaudert aus dem Nähkästchen eines Profisportlers: Marathonspitzenläufer Arne Gabius bei seinem Lauf geht‘s-Vortrag. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Er ist Arzt, Profisportler und Deutschlands schnellster Marathonläufer: Arne Gabius. Den Teilnehmern des LKZ-Gesundheitsprojektes Lauf geht’s bot der 38-jährige Wahl-Stuttgarter bei seinem Vortrag aber nicht nur Einblicke in die Welt des Spitzensports, sondern gab auch ganz praktische Tipps, wie sich Hobbyläufer seine Erkenntnisse aus mehr als zwei Jahrzehnten Hochleistungssport zunutze machen können.

Das gilt beispielsweise für das Thema Ernährung. Einige Tage vor einem Wettkampf, wie etwa dem Halbmarathon, den die Lauf geht’s-Teilnehmer im Oktober im Bottwartal laufen wollen, sollten Ausdauersportler ihre Mahlzeiten „gut salzen“, empfahl der deutsche Marathonrekordhalter. Damit könne man die Natriumspeicher im Körper auffüllen, was dazu beitrage, während der sportlichen Belastung Muskelkrämpfe zu vermeiden. Denn diese würden entgegen der landläufigen Ansicht nicht von Magnesiummangel, sondern von Natriummangel verursacht. Nur nächtliche Muskelkrämpfe würden von Magnesiummangel ausgelöst.

Für die Ernährung direkt vor und während eines Laufes hatte Gabius eine einfache Regel parat: keine Experimente. Das bedeutet für ihn auch, dass man Essen und Trinken für den Wettkampf vorher, etwa im Training, testen sollte, um Magen- und Darmprobleme zu vermeiden.

Auch wenn die Umfänge und die Intensität des Trainings von Arne Gabius seinen Zuhörern fast schon außerirdisch erschienen, sein Grundprinzip können auch Hobbyläufer anwenden: Man solle sich nicht sklavisch von Trainingsplänen und Pulsuhren antreiben oder auch bremsen lassen, sondern auf den eigenen Körper hören, postulierte er. So hat sich Gabius, der ohne Trainer arbeitet, in seine Trainingspläne neben Soll-Einheiten auch Kann-Einheiten geschrieben. Die könne er dann ohne schlechtes Gewissen weglassen, wenn er sich einmal nicht so gut fühle, sagte er und empfahl dies auch für Hobbysportler.

Um einen Wettkampf erfolgreich zu absolvieren, egal ob als Profi- oder Breitensportler sei neben der Vorbereitung und der Ernährung auch die Psychologie wichtig, erläuterte Gabius. So sei bei seinem Rekordlauf in Frankfurt 2015 seine „Selbstwirksamkeitserwartung“ ein entscheidender Erfolgsfaktor gewesen, wie ihm ein Sportpsychologe attestiert habe. Für verschiedene Phasen des Marathons hatte Gabius Bilder und positive Assoziationen im Kopf. Das habe ihm auch geholfen, die schwierige Phase nach Kilometer 30, als ihn Seitenstechen plagte, zu überstehen. Das könnten auch Hobbysportler nutzen, um ihre Ziele zu erreichen.

Diesen Hobbyläufern beantwortete Gabius nach seinem Vortrag noch eine halbe Stunde ihre Fragen, etwa nach seinen eigenen Zukunftsplänen. Der 38-Jährige will bei einem der großen Herbstmarathons starten und dort zumindest die Norm für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio erfüllen.

Ein Thema in der Fragerunde war auch, was von Laufen mit nüchternem Magen zu halten sei. Gabius selbst schafft es nach eigener Aussage inzwischen ohne Frühstück 25 Kilometer zu laufen, doch es sei nicht Jedermanns Sache, gab er zu Bedenken. Für Menschen, die das vertragen, sei es aber eine gute Sache.