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Hockey

Berliner Wespennest statt Berghain

Der HC Ludwigsburg steht vor einem strapaziösen Wochenende in Berlin. Während mit den Zehlendorfer Wespen ein Gegner auf Augenhöhe wartet, wäre alles andere als ein Sieg gegen den Berliner SC eine Überraschung. Zu kämpfen hat der HCL indes noch mit der allgegenwärtigen Corona-Pandemie.

HCL-Trainer Daniel Weißer würde am liebsten mit sechs Punkten aus Berlin zurück nach Schwaben reisen. Foto: Baumann
HCL-Trainer Daniel Weißer würde am liebsten mit sechs Punkten aus Berlin zurück nach Schwaben reisen. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Leicht hat es der HC Ludwigsburg nicht, in einen Spielrhythmus zu kommen. Auf die lange coronabedingte Saisonunterbrechung folgte zuletzt der Rückrundenauftakt in der zweiten Feldhockey-Bundesliga beim SC Frankfurt 1880 – und im Anschluss erneut eine dreiwöchige Pflichtspielpause, ehe der HCL nun beim Doppelspieltag in Berlin wieder gefordert ist. Heute (15 Uhr) treten die Ludwigsburger bei den Zehlendorfer Wespen an, morgen beim noch punktlosen Schlusslicht Berliner SC (12 Uhr). In der deutschen Hauptstadt, in der man mit dem Wort Rhythmus eher die riesige Musikszene Berlins verbindet, will der HCL nun in seinen sportlichen Spielrhythmus zurückfinden. Daher begibt sich der HCL auf besagter Rhythmussuche nun ins Wespennest, die Heimspielstätte der Zehlendorfer, und nicht etwa in den Berliner Szeneclub Berghain.

Niederlage im Test gegen München

Damit der Berlin-Ausflug von Erfolg gekrönt sein wird, haben die Ludwigsburger bereits in den vergangenen Wochen die Vorarbeit geleistet. „Wir haben zwischendrin ein Testspiel gegen den Münchner SC bestritten und mit 3:5 verloren“, sagt HCL-Trainer Daniel Weißer über seine Herangehensweise, die spielfreie Zeit zu überbrücken. Denn beim Rückrundenauftakt gegen Spitzenreiter Frankfurt fiel auf, dass sein Team noch nicht zu alter Kombinationsstärke gefunden hat. „Wir waren noch nicht im Spielfluss. Passkombinationen haben noch nicht richtig gesessen und wir waren nicht so stocksicher“, blickt Weißer zurück. Das habe sich mit dem Testspiel gegen den bayrischen Tabellennachbarn und etlichen Spielformen im Training allerdings bereits verbessert.

Gegen die Zehlendorfer Wespen erwartet Weißer „ein Duell auf Augenhöhe“, spricht von einem 50:50-Spiel. Die Partie gegen den Berliner SC erscheint indes auf dem Papier wie ein absoluter Pflichtsieg für den Ludwigsburger Tabellendritten der Gruppe Süd der zweiten Liga. Null Punkte holten die Hauptstädter in 10 Partien, kassierten gleichzeitig die meisten Gegentore der Liga (46) und durften selbst nur 13 Mal einen eigenen Torerfolg bejubeln. Zwar merkt Weißer an, dass sich der BSC durchaus verstärkt habe, aus der eigenen Favoritenrolle macht er aber dennoch keinen Hehl: „Die drei Punkte sind Pflicht und fest eingerechnet.“

Währenddessen hinterlässt die Corona-Pandemie beim HCL nicht nur wegen der fehlenden Spielpraxis ihre Spuren. Neuzugang Philip Bleibaum steht vor wichtigen Abschlussklausuren und kann dafür nicht riskieren, wegen der Auswärtsfahrt nach Berlin in Quarantäne zu kommen und die Prüfungen zu verpassen. „Den Tribut müssen wir zollen diesen Herbst“, sieht es Weißer sachlich und freut sich darüber, dass seine Mannschaft überhaupt auf dem Hockeyfeld dem Ball nachjagen darf. „Ansonsten müssten wir sagen, wir spielen gar nicht.“

Bleibaum wird dem HCL in Berlin genau so fehlen wie David Hanel (Bänderriss) und der langzeitverletzte Jonas Fischer (Kreuzbandriss). Auf den Rest der Mannschaft wartet ein anstrengendes Wochenende mit Fahrstress, Regenwetter und Temperaturen um die 10 Grad Celsius. „In Berlin ist es nie leicht“, sagt Weißer dazu, will aber nicht ausschließen, mit der maximalen Ausbeute aus der Hauptstadt zurück nach Schwaben zu fahren: „Sechs Punkte sind möglich, ich wäre mit vier Zählern zufrieden – und wenn wir drei mitbringen, ist es auch noch in Ordnung.“

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