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„Das bricht einem natürlich das Herz“

Kaum ein Trainer oder Athlet, kann sich vorstellen, dass die Olympischen Spiele wie geplant stattfinden

Andre Link.
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Ludwigsburg. Eigentlich wäre André Link derzeit in Indien beim Weltcup der Sportschützen. Doch wie zahlreiche andere Sportler wurde auch der aus Mundelsheim stammende Athlet durch das Coronavirus ausgebremst. „Wir haben bisher noch keinen deutschen Quotenplatz im Dreistellungskampf mit dem Kleinkaliber ergattert“, berichtet Link über seinen Kampf um die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio, die vom 24. Juli bis zum 9. August stattfinden sollen.

Nun herrscht auch für ihn Ungewissheit. Wie soll die Qualifikation ablaufen? Können die Spiele so überhaupt stattfinden? Die Trainingszentren sind geschlossen, Wettkämpfe abgesagt. „Ich hatte seit zwei Wochen kein Gewehr mehr in der Hand“, sagt der 25-Jährige, der bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro knapp eine Medaille verpasste. In Hinblick auf Tokio plädiert er auf eine Verschiebung. „So ist es nicht fair. Es haben nicht alle Sportler die Chance, sich ordentlich vorzubereiten.“

Auch Vanessa Grimberg kann sich nicht vorstellen, wie die Spiele unter diesen Voraussetzungen stattfinden sollen. Die Ludwigsburgerin nahm als Schwimmerin ebenfalls an den Olympischen Spielen in Rio teil. Vergangenen Herbst beendete die mehrfache deutsche Meisterin im Brustschwimmen ihre Karriere. Sie weiß, wie heftig es für die betroffenen Sportler sein muss. „Das bricht einem natürlich das Herz“, sagt die 27-Jährige. Vor allem ihre Sportart, das Schwimmen, trifft die Coronakrise hart. Schwimmhallen sind gesperrt, es ist unmöglich zu trainieren. „Das ist das Schlimmste, was passieren kann. Jetzt würde man an der Formzuspitzung arbeiten, aber das geht nur im Wasser.“ Selbst Grimberg vermisst das Schwimmbad schon. „Auch ohne Leistungssport wird das Wasser meine Leidenschaft bleiben. Ich habe schon richtig Entzug.“ Grimberg arbeitet nun in der Entwicklungsabteilung eines Stuttgarter Automobil-Herstellers. „Ich habe das Glück, das mir der Übergang vom Sport in den Beruf gut gelungen ist.“

Ungewissheit kostet Motivation

Die Leichtathleten würden aktuell normalerweise am Feinschliff arbeiten. Grundlagen, Techniktraining, Trainingswettkämpfe – so ist der Ablauf, berichtet Stadtverbandstrainer Marko Lindner. Zahlreiche junge Talente des LAZ Ludwigsburg hat der Coach in den vergangenen Jahren an den Leistungssport herangeführt. Momentan trainiert er täglich mit einem anderen Athleten. „Natürlich in einem gewissen Abstand, wo nichts passieren kann“, betont er. Den Rest machen die Sportler selbstständig. „Das große Problem ist diese Ungewissheit. Das zehrt an der Motivation. Wir brauchen eine schnelle Entscheidung“, fordert Lindner. Die Athleten bräuchten die Wettkämpfe zur Zielsetzung. „Am besten wäre es, Olympia zu verschieben. Dann könnte die Saison gut bis September gehen und die Sportler sich darauf einstellen.“

Die problematischen Trainingsbedingungen sieht Turnen-Bundestrainerin Ulla Koch nicht als größtes Hindernis. „Es kommen immer wieder Athleten nach langer Verletzungspause kurz vor Olympia noch zurück. Alle bekommen ihre individuellen Pläne. Da liegt es an jedem selbst, was er daraus macht.“ Dennoch spricht sie sich klar gegen eine reguläre Austragung der Spiele aus: „Die Spiele sollten auf jeden Fall stattfinden, aber erst im nächsten Jahr.“

Große Verantwortung

Sie hält es für unwahrscheinlich, dass eine Massenveranstaltung wie Olympia Ende Juli bereits durchführbar wäre. „Mir liegt die Gesundheit aller total am Herzen. Wir wollen nicht dazu beitragen, dass das Virus sich weiter verbreitet. Es hängen da so viele Schicksale daran. Jeder muss verzichten und schauen, dass wir da rauskommen, auch wir Sportler“, betont die Trainerin von Tabea Alt. Für die Ludwigsburgerin würden die Spiele in Tokio ohnehin zu früh kommen. Die 20-Jährige kämpft seit über zwei Jahren mit einer Schulterverletzung und befindet sich immer noch in der Rehaphase.

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