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Reitsport

Dressurturnier am Schloss Monrepos: Amateurin Janina Kahl schlägt Olympiasiegerin Dorothee Schneider

Janina Kahl überrascht beim 26. Dressurturnier am Schloss Monrepos die Konkurrenz und sichert sich den Sieg in der Drei-Sterne-Dressur vor Favoritin Dorothee Schneider.

Janina Kahl auf Emiliano S. Foto: Baumann
Janina Kahl auf Emiliano S. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Mit einer dicken Überraschung endete das 26. Dressurturnier am Schloss Monrepos. Beim Großen Preis der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, dem Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung, schnappte Janina Kahl aus Magstadt der zweimaligen Olympiasiegerin Dorothee Schneider den Sieg weg.

Die Schwäbin war baff. „Das ist eine echte Überraschung. Normalerweise kommt man als Amateur an einer Olympiasiegerin nicht vorbei.“ Durch den Erfolg gingen der Mutter von zwei Kindern sogar die Ziele aus. „Eigentlich habe ich mit diesem Sieg alles erreicht, was ich mir für die Saison erträumt hatte.“ Angesichts der Top-Form ihres 13-jährigen Wallachs Emiliano S scheint mehr möglich: „Er war megastark, wird immer besser!“

Beim Grand Prix hatte Janina Kahl dank eines nahezu fehlerfreien Rittes mit 74,605% die Bestmarke vorgelegt. Als Dorothee Schneider mit der zehnjährigen Stute Sisters Act auf der rechten Hand antrabte und die Trabverstärkung folgen ließ, war die Mehrzahl der vielen Zuschauer davon überzeugt, dass die 53-Jährige Kahls Ergebnis toppen würde. Fünf Minuten danach beendete sie mit einer Zick-Zack-Traversale und Piaffe ihren Ritt. Dafür bekam Schneider 73,326%, das reichte zum Abschluss eines stressigen Wochenendes nur für Platz zwei vor Jasmin Schaudt aus Herbertingen. Am Samstagmorgen hatte Schneider mit Sister Act die Qualifikation vor Kahl gewonnen, war anschließend mit dem Auto 400 Kilometer nach Aachen gefahren. Dort demonstrierte sie vor Fachpublikum ihre Ausbildungsmethoden für Jungpferde. Danach ging es zurück nach Ludwigsburg. Am Sonntagmorgen gewann sie eine M-Klasse-Dressur, gönnte sich dann vor dem Großen Preis eine Mütze Schlaf. „Normalerweise mache ich kein Nickerchen vor einer Prüfung, aber diesmal war das nötig.“

Matthias Rath gewinnt das Familienduell

Rund 200 Reiter, davon viele mit bekannten Namen, sattelten in 14 Prüfungen vor dem Seeschloss 377 Pferde. Dazu gehörten Lieselott Marie Linsenhoff und ihr Bruder Matthias Rath. „Matthias war schon öfter da. Er hat mir vorgeschwärmt, wie schön es hier ist. Da musste ich einfach mit“, sagte die 21-Jährige, deren Mutter und Oma Olympiasiegerinnen waren. „Da ich in Paris studiere, war das erst das zweite Turnier mit meinem neuen Pferd.“ Am Freitag gab es in einer S-Klasse-Prüfung ein Familienduell. Rath gewann auf Sant Jordi vor seiner Schwester mit West Side Story.

Auch Rath, der von 2010 bis 2014 das mit mehr als zehn Millionen Euro gehandelte Wunderpferd Totilas ritt, bestätigte seinen Eindruck vom Turnier: „Das ist supertoll organisiert, die Stallzelte sind gut, die Böden ausgezeichnet. Alles funktioniert reibungslos, deswegen komme ich gerne hierher. Bei den nationalen Turnieren ist Ludwigsburg weit vorne.“

Komplimente für den Reit- und Fahrverein

Zu den größten Talenten des Dressursports zählt Ann-Kathrin Lindner. Die wurde 2021 mit der deutschen Equipe U25-Europameisterin. In Ludwigsburg fiel sie schon auf dem Abreiteplatz auf. Experten lobten ihren perfekten Sitz. „Der große Vorteil ist, dass ich eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht habe und mich daneben mit reitspezifischen Workouts fit halte“, erklärte die Ilsfelderin. Ihre Eltern haben in Leingarten einen Reitstall gemietet, in dem ihr elf Nachwuchspferde zur Verfügung stehen. Die Vierbeiner, mit denen sie zuletzt große Erfolge feierte, wurden gewinnbringend verkauft. Lediglich ihr Spitzenpferd FBW Sunfire ist noch zu haben. Die Frage nach dem Preis beantwortet die kürzlich zur Berufsreiterin gewordene Lindner mit einem Vergleich: „Er ist für ein gutes, großes Haus auf dem Markt!“ Beim Ludwigsburger Turnier blieb die bald 26-Jährige ohne Sieg: „Ich habe neue, unerfahrene Pferde, die noch viel lernen müssen. Daher halte ich meine Ziele für dieses Jahr etwas kleiner.“

Der Reit- und Fahrverein Ludwigsburg sammelte als Ausrichter große Komplimente, griff durch gute Platzierungen aber auch einige Schleifen bei den Siegerehrungen ab. Besonders happy war Sabine Klenk. Der Turnierorganisatorin glückten mehrere Top-Resultate, darunter ein Sieg mit ihrem Wallach Matteo, mit dem sie sich für das Bundeschampionat der Sechsjährigen qualifizierte. Nicht ihr einziges Vorhaben: „Wenn wir in ein, zwei Tagen aufgeräumt haben, beginnt sofort die Planung für unser Internationales Dressurfestival im September.“

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