Logo

Triathlon

Fabian Knobelspies löst sein Ticket für Ironman auf Hawaii

Das Zauberwort jedes Triathleten lautet Hawaii. Auch Fabian Knobelspies (SV Ludwigsburg/Team Silla Hopp) spukt der legendäre Ironman lange im Kopf herum. Nun löste Ludwigsburger in Frankfurt das begehrte Ticket für die WM am 13. Oktober.

350_0900_19844_Freisteller_Up_Teaser_Politik_1.jpg
Fabian Knobelspies darf in Hawaii an den Start gehen.Foto: privat

Ludwigsburg. Im Vorfeld der Mainova European Championship (3,86 km Schwimmen/186 km Rad/42,195 km Laufen) setzte sich Fabian Knobelspies selbst unter Druck: „Man denkt ständig an Hawaii, ich wollte aufs Treppchen in meiner Altersklasse.“ Er wird in diesem Jahr 30, das heißt, seine Konkurrenten gehören der AK 30 bis 34 an.

Betreut, gecoacht und motiviert von seinem Bruder Christoph (35) kraulte Knobelspies mit 52:36 Minuten die drittbeste Zeit in seiner Altersklasse. Eine gute Grundlage. „Auf dem Rad bin ich ein bisschen lockerer gefahren, ich hatte keinen Tiefpunkt“, fühlte er sich in seiner Strategie bestätigt, bei großer Hitze noch genügend Körner für den abschließenden Marathon zurückzuhalten.

„Man verliert überproportional viel Zeit, wenn man sich auf dem Rad zu sehr verausgabt“, weiß der Ludwigsburger und nahm in Kauf, dass er einige Plätze einbüßte (Radzeit 5:05:04). Als AK-Siebter schnürte er seine Laufschuhe und arbeitete sich auf Platz 2 vor (Marathon 3:05:04). Mit der Gesamtzeit von 9:09:11 Stunden wurde Knobelspies hinter dem Franzosen Mathieu Paolillo (9:04:43) und vor seinem Marbacher Vereinskameraden David Albert (9:11:10) AK30-Vizeeuropameister. Beim Europameisterschaftstriumph von Jan Frodeno (8:00:58) belegte der Schwabe als viertbester Deutscher den Gesamtplatz 18.

Nach der Tortur ist Regeneration angesagt. Das Heimspiel Ludwigsburger Citylauf, das quasi vor seinem Arbeitsplatz im Rathaus gestartet wird, erlebte der Verwaltungsbeamte nur als Zuschauer. Und obwohl es ihn, mit der WM-Teilnahme in petto, bereits wieder in den Füßen juckt, muss er sich auch in dieser Woche noch zurückhalten. Der Körper dankt es, wenn er eine aktive Auszeit erhält.

Knobelspies’ Bewegungsdrang wurde ihm in einer sportlichen Familie in die Wiege gelegt. „Als Kind und Jugendlicher habe ich alles ausprobiert – Fußball, Basketball, Tischtennis“, blickt er zurück. Zum Ausdauersport kam er durchs Laufen. Nach dem Studium in Kehl begann er „ein bisschen intensiver zu schwimmen“. Und da Bruder Christoph schon dem Ausdauer-Dreikampf frönte, landete auch Fabian beim Triathlonverein Silla Hopp in Murr. „Mein Bruder hat meinen Schwimmstil verfeinert“, schildert der EM-Silbermedaillengewinner seine Entwicklung. Für das Team Silla Hopp starten die beiden in der Baden-Württemberg-Liga und steuerten ihr Scherflein zum Klassenerhalt bei. Zwischen Liga und Ironman klaffen Welten: „Auf der Kurzdistanz musst du durchballern von der ersten bis zur letzten Minute, auf der Langdistanz muss man kühlen Kopf behalten.“

Seine Schwimmeinheiten absolviert er mit der Trainingsgruppe des SV Ludwigsburg, „bei denen bin ich voll gefordert“. Häufiger Laufpartner von Knobelspies ist Timo Striegel (Team Silla Hopp). Seine langen Trainingsfahrten auf dem Rad führen ihn häufig ins Stromberggebiet, wo sich der Verkehr auf den Straßen noch halbwegs in Grenzen hält. Dort hat er sich 2011 im Stausee Ehmetsklinge erstmals bei einem Jedermann-Triathlon versucht. Im selben Jahr noch bewältigte er die olympische Distanz (1,5 km/40 km/10 km) am Schluchsee. 2013 wagte sich Knobelspies bei der Challenge Walchsee (Österreich) an eine Mitteldistanz (1,9 km/90 km/21,195 km), 2015 qualifizierte er sich für die WM in dieser Kategorie (Platz 15/AK 25.).

Ein Jahr später nahm er seine aufregende Langdistanz-Premiere in Frankfurt in Angriff. Mit 8:58 Stunden blieb der Ludwigsburger gleich unter der Traumgrenze jedes Triathleten. 2017 brachte dann jedoch einen Rückschlag. Bei der Heilbronn Challenge stürzte er und zog sich einen komplizierten Schlüsselbeinbruch zu, aber schon in diesem Jahr meldete sich Knobelspies in alter Stärke zurück.

Der ehrgeizige Athlet hat keinen Trainer. Er gestaltet seine Pläne aus den selbst gewonnenen Erfahrungen – als wäre es seine vierte Disziplin. Seine kleine Triathlon-Bibliothek erweist sich als hilfreich: „Ich habe so gut wie alles zu Hause stehen, was Literatur angeht.“