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Podiumsdiskussion

Fragen an die Kenner der Profisportszene

Schüler der Kursstufe des Friedrich-Schiller-Gymnasiums debattieren mit Gästen aus der Branche – Kommerzialisierung und Leistungsdruck im Fokus

John Patrick (links), Christoph Schickhardt (3. v. l.), Roland Eitel (5. v.l.) und Patrick Milchraum (2. v. r.) diskutieren mit Schülern des Friedrich-Schiller-Gymnasiums. Foto: Ramona Theiss
John Patrick (links), Christoph Schickhardt (3. v. l.), Roland Eitel (5. v.l.) und Patrick Milchraum (2. v. r.) diskutieren mit Schülern des Friedrich-Schiller-Gymnasiums. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Wie wirkt sich die Kommerzialisierung auf den Sport aus? Was hatte das Goldsteak auf dem Social-Media-Account von Fußballstar Franck Ribery zu suchen? Und wie hoch ist eigentlich der Druck im Profisport? Diese und weitere Fragen stellten die Schüler des Ludwigsburger Friedrich-Schiller-Gymnasiums in einer Diskussionsrunde mit illustren Gästen aus der Profisportszene: John Patrick (Trainer des Basketball-Bundesligisten MHP-Riesen Ludwigsburg), Christoph Schickhardt (Rechtsanwalt im Profisport), Roland Eitel (Medienberater) und der ehemalige U-21-Nationalspieler Patrick Milchraum hatten zumeist die passende Antwort parat.

Im Rahmen der Neuauflage des Programms „Schiller debattiert“ trugen Schüler der Kursstufe des Friedrich-Schiller-Gymnasiums ihre vorbereiteten Fragen vor. Rund 120 Schüler, Eltern und Interessierte lauschten den Beiträgen.

„Die Emotionen im Sport, sei es nach einer Niederlage oder bei einem Sieg, sind das, was mich am meisten fasziniert“, sagte Roland Eitel, der unter anderen den ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann zu seinen Klienten zählt. „Der Sport ist ein großartiges Thema.“ Das sahen auch die Zuhörer so, denn lange nach Ende der Podiumsrunde wurde noch fleißig weiterdiskutiert.

Auf großes Interesse stieß die Frage nach der zunehmenden Vermarktung und den teilweise horrenden Ablösesummen im Profifußball. „Die gesamte Gesellschaft ist mittlerweile kommerzialisiert“, sagte Rechtsanwalt Schickhardt, der früher selbst Schüler am Friedrich-Schiller-Gymnasium war. Besonders werde die Ökonomisierung durch die TV-Sender und Sportartikelhersteller betrieben, wobei auf dem Fußball ein besonderes Augenmerk liege: „Das Interesse am Fußball in Deutschland ist historisch“, so Schickhardt. Dabei hätten es auch die anderen Sportarten verdient, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Riesen-Coach John Patrick sieht das ähnlich. „Fußball ist in Deutschland zu einer Religion geworden“, sagte er. „Hier liebt man vor allem den Fußball, in den USA liebt man den Sport.“ In der Frage, wie eigentlich sportlicher Erfolg zu definieren sei, ging die Meinung der Experten auseinander. Ex-Profi Patrick Milchraum, der inzwischen für den FSV Bissingen kickt, definierte den sportlichen Erfolg über die Leistung. „Erfolg hat man, wenn man gewinnt“, sagte er.

Roland Eitel sah das etwas differenzierter. „Bezogen auf das Thema Erfolg haben wir Deutschen ein ziemlich gestörtes Verhältnis“, meinte er. „Erfolg muss jeder für sich selbst definieren.“ Für John Patrick bedeutet Sport mehr, als nur zu gewinnen. „Es geht auch darum, zu lernen, richtig mit Niederlagen umzugehen. Es macht einen stärker. Auch das ist Erfolg.“

Was aber passiert, wenn die Pleiten sich häufen und die Spieler, Trainer und Funktionäre immer mehr in den Fokus geraten? Patrick Milchraum glaubt, dass die Mechanismen teilweise „ein wenig außer Kontrolle geraten“ sind. Der Druck im Profisport habe in den letzten Jahren extrem zugenommen. „In Deutschland ist Verlieren quasi verboten“, meinte Milchraum. Als ein Beispiel nannte er Per Mertesacker. Der ehemalige Fußball-Nationalspieler hatte erst vor Kurzem eingestanden, dass sein Körper auf die hohe Erwartungshaltung häufig mit Brechreiz reagiert habe. Für Schickhardt und Eitel sind Sportpsychologen deshalb nicht mehr aus den Mannschaften wegzudenken. „Gerade der Druck auf junge Talente nimmt zu“, räumte Patrick ein. Er habe es sich zur Aufgabe gemacht, die psychische Belastung, so gut es geht, von den Spielern zu nehmen. Es gehe nicht darum, wer die meisten Tore und Punkte erzielte, sondern darum, zu zeigen, was man drauf hat.

Doch wie schafft man es eigentlich, Profisportler zu werden, wollten die Schüler von den Experten erfahren. „Es gehört ein enormer Wille, ein enormes Talent und enormes Glück dazu“, sagte Christoph Schickhardt. Und Patrick Milchraum nahm den Schülern ein wenig die Illusionen. „Das Leben als Profisportler hat nicht nur positive Seiten. Doch wer einen eisernen Willen und dazu eine große Portion Talent hat, sollte es versuchen.“ Roland Eitel riet den Zuhörern, sich erst einmal die Frage zu stellen, „was überhaupt ein Star ist“. Oft seien die, die nicht am lautesten schreien, die größeren Profis.

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