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Ringen

Frank Stäblers spezielle Mischung bei seinem Abschiedskampf kommt gut an

Die Inszenierung war perfekt: Auf großer Bühne in Ludwigsburg verabschiedete sich der Ringer Frank Stäbler von seinen Fans und beendete eine äußerst erfolgreiche Sportlerkarriere.

Einmarsch des Gladiators: Frank Stäbler vor seinem letzten Kampf.Fotos: Baumann
Einmarsch des Gladiators: Frank Stäbler vor seinem letzten Kampf.Fotos: Baumann
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Ludwigsburg. Der dreifache Weltmeister und Olympia-Dritte von Tokio 2021, der noch bis Februar für die Red Devils Heilbronn in der Bundesliga aktiv war, sorgte am Samstagabend noch einmal für große Emotionen und servierte ein ganz spezielles Spektakel mit einer Mischung aus Sport und Show. 4267 Zuschauer in der fast ausverkauften MHP-Arena entfachten eine großartige Stimmung und genossen den Abend, der unter dem Motto „The last Fight“ stand.

„Das ist unglaublich“, staunte Stäbler mit Blick auf die Ränge. „Wir haben in diesen Abend so viel Herzblut gesteckt.“ Mit dieser Art von Event-Charakter soll der Sportart in Zukunft mehr Aufmerksamkeit beschert werden als üblich.

Stäbler, 32 Jahre alt, setzte zum Schluss noch einmal ein Highlight und verließ die Ringermatte als Sieger, denn in seinem letzten Kampf glückte dem in Böblingen geborenen Musberger tatsächlich noch die Revanche für Tokio mit einem Sieg gegen den iranischen Olympiasieger Mohammadreza Geraei, dem er bei den Spielen 2021 im Viertelfinale unglücklich und auch umstritten unterlegen war. Am Ende reichte es für den Fliegengewichtler über die Trostrunde noch zur Bronzemedaille.

In Ludwigsburg hatte Stäbler zum Karriere-Abschluss die deutsche Ringer-Nationalmannschaft und eine internationale Auswahl aus Weltmeistern und Olympiasiegern versammelt. In der MHP-Arena, wo sonst die Ludwigsburger Bundesliga-Basketballer zu Hause sind, lag nun eine Ringermatte. „Ich habe mir auf die Fahnen geschrieben, das größte Ringer-Event aller Zeiten auf die Beine zu stellen“, hatte Stäbler die Meßlatte sehr hoch gesetzt.

Nach einer Videobotschaft von IOC-Präsident Thomas Bach („Du bist nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden und dir immer selbst treu geblieben, nie abgehoben“) starteten die neun Kämpfe im griechisch-römischen Stil, kommentiert von ARD-Reporter Tom Bartels.

Für die deutsche Auswahl verbuchte Peter Öhler gegen den Norweger Felix Baldauf den ersten Sieg, nachdem Jello Krahmer und Etienne Kinsinger gegen Alin Alexuc-Ciurariu (Rumänien) und Victor Ciobanu (Moldawien) den Kürzeren gezogen hatten.

Roland Schwarz profitierte in seinem Kampf von der verletzungsbedingten Aufgabe des Iraners Mohammadali Geraei. Nach Niederlagen von Marius Braun und Eduard Popp, der im Schwergewicht die Klasse des bereits 39 Jahre alten und vierfachen kubanischen Olympiasiegers Mijain Lopez anerkennen musste, überraschte Pascal Eisele mit einem 9:7-Erfolg über Akzhol Makhmudov aus Kigisistan, der 2021 Olympia-Silber holte.

Stäbler bleibt dem Ringen verbunden

Doch der Höhepunkt des Kampfabend, der mit zahlreichen Showacts wie dem Auftritt von Musiker Tim Bendzko garniert war, begann um 22.05 Uhr, als sich schließlich Frank Stäbler auf die Bühne begab.

Die Arena kochte, feuerte mit „Franky“-Sprechchören ihren Liebling an. Und der holte zum Schluss noch einmal alles aus sich heraus, blieb trotz eines 2:7-Rückstands unbeeindruckt und entschied den Kampf mit 8:7 noch für sich. Stäbler ballte seine Faust ein letztes Mal und sank dann auf die Knie. „Mir fehlen die Worte“, schien der dreifache Weltmeister am Ende sogar von sich selbst ein bisschen überrascht zu sein.

Die Karriere ist beendet, dem Ringen wird Frank Stäbler aber verbunden bleiben, wie er unlängst ankündigte. Mit dem baden-württembergischen Kultusministerium wurde eine Kampagne mit dem Namen „Be ready“ auf die Beine gestellt. Dabei werden Brennpunkt-Schulen besucht und Werte vermittelt, die auch im Ringen wichtig sind.

Von den Einnahmen des Kampfabend will Stäbler 10 000 Euro für soziale Zwecke spenden, 5000 davon für „Athletes for Ukraine“. Für den Verein, der nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine Sportler aus dem osteuropäischen Land unterstützt, ist Stäbler einer der Botschafter.

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