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Große Ungewissheit bei Sportclubs

Behörden schieben Entscheidungsverantwortung auf Vereine – „Schwierige Geschichte“

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Ludwigsburg. Die Sportvereine im Landkreis Ludwigsburg sind nach den amtlichen Empfehlungen zum Coronavirus verunsichert. „Was ist denn eine Empfehlung? Keiner will regresspflichtig werden. Deshalb wird die Schlussentscheidung auf uns übertragen. Das ist eine ganz schwierige Geschichte“, sagte gestern Alexander Reil, der 1. Vorsitzende des Basketball-Bundesligisten MHP-Riesen Ludwigsburg. Zuvor hatte nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Landesgesundheitsminister Manfred Lucha auch das Landratsamt Ludwigsburg eine Absage von Veranstaltungen mit 1000 Besuchern und mehr empfohlen.

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„Etliche Vereine könnten durch Zuschauerausschlüsse in finanzielle Probleme stürzen.“

Alexander Reil
Vorsitzender MHP-Riesen

Die MHP-Riesen empfangen am Sonntag um 15 Uhr die Crailsheim Merlins. Mehr als 4000 Zuschauer werden in der ausverkauften MHP-Arena erwartet. „Wenn dann sollten wir ligaweit eine einheitliche Lösung finden. Ich bin kein Freund von Geisterspielen. Wir machen das Ganze ja für unsere Fans“, sagte Reil, der auch Ligapräsident und damit Interessensvertreter der Bundesliga-Vereine ist. „Die Gesundheit geht vor. Aber man muss eine Balance finden. Etliche Vereine könnten durch Zuschauerausschlüsse in finanzielle Probleme stürzen.“ Bei den Riesen schätzt Reil die Einnahmen bei ausverkaufter Halle auf etwa 140 000 Euro.

Am Donnerstag kommen die Vereinsvertreter zusammen, um möglicherweise eine ligaweite Lösung zu finden. Eine Entscheidung soll es am Abend geben. Sollten Zuschauer ausgeschlossen werden, sind die Folgen ungewiss. „Das ist dann wirklich Improvisation und alles juristisch noch nicht geklärt. Ich kann mich nicht an so einen Fall erinnern“, meinte Reil, der sich auch mit der Stadt Ludwigsburg austauscht, von dort aber wenig Konkretes erwartet.

Auch die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim stehen vor einem Heimspiel. Am Samstagabend um 19.30 Uhr kommen die Rimpar Wölfe in die Ege Trans-Arena. Dass das Spiel wie geplant stattfindet, ist unwahrscheinlich: „Wir werden nicht gegen die Empfehlung handeln“, sagte SG-Geschäftsführer Bastian Spahlinger. Was im Falle eines Zuschauerausschlusses passiert, ist auch für Spahlinger unklar: „Wir müssen das besprechen. Es ist von Behördenseite sehr ausweichend formuliert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Erfahrungswerte fehlen.“

Das Spiel gegen Rimpar wurde vor wenigen Wochen von Sonntag auf Samstag vorverlegt, um einer möglichen Terminkollision aus dem Weg zu gehen. Deshalb wurden laut Spahlinger weniger Karten als gewöhnlich verkauft. „Möglicherweise könnten wir die Dinge so steuern, dass wir unter 1000 Zuschauer kommen,“ sagte Spahlinger. Bei einem gutbesuchten Spiel nimmt die SG in der Regel eine fünfstellige Summe ein. Ein ligaweites Treffen ist laut Spahlinger erst in der kommenden Woche angesetzt.

Bereits abgesagt wurde das Oberliga-Nachholspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und dem FSV 08 Bissingen, das heute Abend stattgefunden hätte. Etwa 3000 Fußball-Fans wären erwartungsgemäß in das Gazi-Stadion auf der Waldau gekommen. Bereits am Samstag könnte es die Bissinger erneut treffen. Um 14 Uhr ist das Derby beim SGV Freiberg im Wasenstadion angesetzt. „Die Spielkommission der Oberliga wird besprechen, wie man da weiter vorgeht. Das wird schnell in Angriff genommen“, sagte Heiner Baumeister, Pressesprecher des Württembergischen Fußballverbandes, gestern auf Anfrage. „Wir werden da nach heutigem Stand keine Maßnahmen treffen“, betonte SGV-Präsident Emir Cerkez. Er rechnet mit 900 bis 1100 Zuschauern. „Wir haben keine Karten im Vorverkauf abgesetzt. Deswegen können wir zur Not auch Ende der Woche entscheiden, sollten sich die Dinge ändern.“

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