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Leichtathletik
Johanna Göring bietet der Hochsprung-Elite die Stirn

Johanna Göring. Foto: Ralf Görlitz
Johanna Göring. Foto: Ralf Görlitz
Johanna Göring vom SV Salamander Kornwestheim hat ihrer Ausnahmestellung im deutschen Hochsprung ein weiteres Ausrufezeichen hinzugefügt. Bei der U18-EM in Jerusalem gewann das 17-jährige Talent hinter der Topfavoritin Angelina Topic aus Serbien die Silbermedaille.

Kornwestheim. Mit übersprungenen 1,88 Meter überbot die junge Hochspringerin, die bei den WM-Titelkämpfen der Aktiven in Eugene/USA (15. bis 24. Juli) nicht an den Start gehen wird, die aktuelle Leistung ihrer nationalen Konkurrenz. Bei den deutschen Meisterschaften Ende Juni in Berlin hatte sich Bianca Stichling (TSV Bayer 04 Leverkusen) nach ihrem Titel in der Halle nun auch unter freiem Himmel den Sieg mit 1,87 Meter im ersten Durchgang gesichert. Silber teilten sich Lea Halmans (SV Saar 05) und Marie-Laurence Jungfleisch (VfB Stuttgart), die beide 1,84 Meter überquerten.

„Mein Herz schlägt noch bei fünf Millionen“, sagte die überglückliche Johanna Göring unmittelbar nach dem Wettkampf am Mittwochabend im Interviewbereich. Göring hatte soeben ihren Medaillentraum erfüllt und der großen Favoritin Angelina Topic (Serbien), mit 1,96 Metern U18-Weltbeste, lange die Stirn geboten. Die 17-Jährige, die im Freien in dieser Saison bislang 1,85 Meter überquert hatte, legte bis einschließlich 1,88 Meter einen blitzsauberen Wettkampf hin und rief somit das beste Ergebnis des Sommers zum Höhepunkt ab. Damit waren bis auf Göring selbst und Angelina Topic alle Konkurrentinnen ausgeschieden, Silber war der Salamander-Athletin also frühzeitig sicher.

Nach einem Fehlversuch bei 1,90 Meter ging die Stuttgarterin direkt 1,92 Meter und danach 1,94 Meter an. Denn Topic, die sich noch bei 1,83 und 1,88 Meter einen Patzer geleistet hatte, nahm 1,90 und 1,92 Meter im ersten Versuch. „Ich bin froh, dass wir gepokert haben, dass wir es probiert haben“, erklärte die Silbermedaillen-Gewinnerin. „Ich bin einfach nur glücklich. Ich hatte noch nie einen Wettkampf, bei dem ich so im Flow war.“

Mit der Medaille sei ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Da die 17-Jährige in dieser Saison auch schon schwächere Wettkämpfe hatte (wie etwa 1,79 Meter bei der U18-Gala in Walldorf), hatte sie ihre Erwartungen bewusst nicht allzu hochgeschraubt. In Jerusalem bewies sie nun, dass sie trotz Nervosität auf den Punkt ihre Leistung abrufen konnte.

„Ich war die ganze Zeit so, so aufgeregt, und das hat mir fast schon Sorgen bereitet“, meinte Johanna Göring. „Ich dachte: Zu aufgeregt ist auch schlecht. Meine Beine haben gezittert, bei jedem Sprung. Und dann bin ich einfach bei jedem drüber gekommen bis 1,88 Meter. Ich glaube, weil die Aufregung mich so hochgepusht hat.“

Trotz Aufregung auf den Punkt fit

Ihren Versuch bei 1,94 Meter fand Johanna Göring selbst „gar nicht so schlecht“. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm (15. bis 17. Juli) hofft sie auf eine weitere Chance, ihre persönliche Bestleistung (1,92 m) aus dem Vorjahr anzugreifen.

Teamkollegin Joana Herrmann, mit 1,75 Metern Siebte, hatte direkt nach ihrem Ausscheiden gar prophezeit, Johanna Göring werde „mindestens 1,92 Meter springen“: „Sie hat riesiges Potenzial.“ Die Athletin vom SV Teuto Riesenbeck hatte die 1,75 Meter im zweiten Versuch geknackt, aber mit einem Bestwert von 1,80 Metern hätte auch sie die 1,79 Meter gerne noch überquert.