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Schießsport

Julia Hochmuth nimmt die EM ins Visier

Vor exakt einem Jahr bestritt Julia Hochmuth ihren letzten Wettkampf – beim Gewinn der EM-Bronzemedaille mit dem deutschen Nationalteam. Es folgte eine lange Leidenszeit. Jetzt meldet sich die ehrgeizige Luftpistolenschützin der SGi Ludwigsburg zurück – mit einem Aus- rufezeichen!

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Ludwigsburg. Bei der EM-Qualifikation am vergangenen Wochenende in München ließ Hochmuth alle Konkurrentinnen hinter sich. Mit insgesamt 1720 Ringen (574, 575, 571) siegte sie vor Carina Wimmer (VSG Dingolfing/1717) und Svenja Berge (SV Hegelsberg-Vellmar/1711). Dieses Frauen-Trio wird Deutschland bei den Europameisterschaften vom 24. Mai bis 5. Juni im kroatischen Osijek vertreten.

Als sich die heute 33-Jährige im Juli 2020 einer Operation an der Halswirbelsäule unterziehen musste, stand hinter der Fortsetzung ihrer sportlichen Laufbahn auf internationalem Niveau ein dickes Fragezeichen. Derselbe Spezialist in Bad Saulgau, der vor 15 Jahren diesen komplizierten Eingriff bei ihrer Mutter Kathrin Hochmuth vorgenommen hatte, fügte Julia ein Titan-Teil als Bandscheibenersatz zwischen die Wirbelkörper.

Unzählige Male hat die Schützin in Training und Wettkampf ihre ein Kilo schwere Waffe in Anschlag gebracht, was eine enorme Belastung für Nackenmuskulatur und Wirbelsäule darstellt. Die Verschleißerscheinungen nach 23 Jahren Leistungssport mussten operativ korrigiert werden.

Julia Hochmuth war gezwungen, ihre Technik neu zu erfinden, denn nach der Operation kann sie ihren Kopf nicht mehr ganz so weit drehen wie früher. Die Konsequenz: Ihre Füße schwenken ein Stück Richtung Scheibe. „Das fühlt sich nach wie vor neu an“, verdeutlicht sie, was es bedeutet, ein über viele Jahre automatisiertes System frisch zu programmieren.

Der Montagabend wurde zum Fixtermin beim Physiotherapeuten. „Ganz langsam habe ich wieder angefangen, mit einmal Training in der Woche“, lässt sich Julia Hochmuth ihren Traum von Olympia einfach nicht nehmen. Eigenwillig und hartnäckig verfolgt sie weiter ihr großes Ziel – auch in dieser schwierigen Zeit mit der Coronapandemie und den unsicheren Perspektiven für die im Sommer geplanten Spiele in Japan.

Große Erleichterung nach Wettkampf

Die drei Wettkämpfe mit jeweils 60 Schuss in anderthalb Tagen forderten der Athletin alles ab. Speziell die letzten 20 Anschläge seien eine große Quälerei gewesen. Da spürte Julia Hochmuth wieder den Schmerz, andererseits aber auch eine große Erleichterung und die Bestätigung, erneut auf internationalem Level angekommen zu sein – entgegen allen Prognosen.

Das Röntgen bei einer Nachkontrolle hat jetzt ergeben hat, „dass alles stabil ist“. Ein gutes Gefühl für Julia Hochmuth, die auf der Homepage des Deutschen Schützen-Bundes mit den optimistischen Worten zitiert wird: „Bis zur EM vergehen noch zehn Wochen – wir machen genau so weiter und ich freue mich auf das, was kommt.“

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