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Kein Aufstieg bei Saisonabbruch

Deutscher Hockey-Bund überrascht HCL-Trainer Daniel Weißer mit Entscheidung

Ludwigsburg. Daniel Weißer, Trainer des HC Ludwigburg, hat irritiert auf die Entscheidung des Deutschen Hockey-Bund (DHB) reagiert, wonach auch bei einem Saisonabbruch die Wertungen der aktuellen Tabellenstände nicht über Meisterschaften oder Auf- und Abstiege entscheiden würden. „Das erschließt sich mir momentan nicht so wirklich“, sagte Weißer gestern auf Nachfrage.

Zuvor hatte der DHB den Spielbetrieb in der ersten und zweiten Bundesliga aufgrund der Corona-Pandemie mindestens bis zum 31. Juli ausgesetzt, wie der Verband ebenfalls gestern bekanntgab. „Das war abzusehen, dass das passiert“, sagte Weißer dazu. Vergangenen Freitag habe es eine große Runde gegeben, in der die Bundesligaclubs abstimmen konnten, ob die Saison abgebrochen werden soll. „Eine Variante war Abbruch, die andere war nochmal zwei Wochen warten“, so Weißer.

Das Problem dabei: „Es ist noch nicht abzusehen, ob überhaupt im September gespielt werden kann. Was würde also passieren, wenn die Saison abgebrochen wird und man dann noch nicht spielen kann? Man hätte dann im Frühjahr 2021 das gleiche Problem“, sagte Weißer. Daher habe man sich entschlossen, den Spielbetrieb zunächst auszusetzen und weitere Szenarien in den nächsten Tagen zu erarbeiten. Über diese soll nächsten Freitag in einer weiteren Runde der Bundesligisten abgestimmt werden.

Etwas verärgert ist Weißer indes nur über einen Alleingang des DHB, der in der aktuellen Mitteilung die Auf- und Abstiege sowie Meisterschaften im Falle eines Saisonabbruchs kategorisch ausschloss. In den Sitzungen sei darüber laut Weißer jedoch kein Ton gesprochen worden. Der DHB gab dazu gestern auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme ab.

Ein Saisonabbruch ohne Aufsteiger wäre laut Weißer besonders für die Frauenmannschaft des HCL in der Oberliga ärgerlich: „Für die wäre es saubitter. Man verliert so wieder ein Jahr, indem man in der Oberliga rumdümpelt.“

Auch eine Fortsetzung der Saison in diesem Jahr wird sich, das kündigte Weißer bereits an, schwierig gestalten – zu welchem genauen Zeitpunkt auch immer sie kommen mag. Das föderale System in Deutschland könnte für einen Flickenteppich auch im deutschen Hockey sorgen. „Da wird es ganz schwierig, irgendwie eine einheitliche Regelung zu finden“, blickte Weißer voraus und übte sich immerhin in zurückhaltendem Optimismus: „Ich glaube nicht, dass wir bis August keinen Hockeyschläger in der Hand haben werden – oder hoffe es zumindest.“

Die Spieler des HCL bemühen sich indes, fit zu bleiben. Allzu viel Spaß mache das den hockeyverrückten Spielern allerdings nicht immer. „Für Ballsportler ist es ziemlich dramatisch“, sagte Weißer. Aufgaben, die seine Spieler sonst als Pflichtprogramm erachten würden – also beispielsweise Ausdauereinheiten – werden für die nächsten Monate voraussichtlich Trainingsmittelpunkt sein.

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