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Radsport

Krieger kämpft für den Tour-Traum

Mit Platz drei bei den deutschen Straßenrad-Meisterschaften hat Alexander Krieger aufhorchen lassen. Der 28-jährige Vaihinger vom Team Alpecin-Fenix empfiehlt sich damit für einen neuen Vertrag bei dem belgischen Team – und die Chance, mit Glück irgendwann bei der Tour de France mitzufahren.

Die schnellsten Deutschen: Meister Marcel Meisen (Mitte) bei der Siegerehrung mit Pascal Ackermann (l.) und Alexander Krieger. Foto: Schmidt/dpa
Die schnellsten Deutschen: Meister Marcel Meisen (Mitte) bei der Siegerehrung mit Pascal Ackermann (l.) und Alexander Krieger. Foto: Schmidt/dpa

Ludwigsburg. Auch Alexander Krieger musste in diesem Jahr ins „Homeoffice“ wechseln. Statt für Trainingslager und Radrennen in andere Länder zu reisen, musste sich der 28-jährige Radprofi vom Team Alpecin-Fenix in seiner Heimat Vaihingen fithalten. „Es gibt Schlimmeres, als bei mir in der Heimat zu fahren“, blickt Krieger zurück. „Wir waren natürlich etwas privilegiert in Deutschland, weil wir raus durften.“ So spielte sich sein Homeoffice nicht in den eigenen vier Wänden, sondern nur größtenteils in seiner schwäbischen Heimat ab. In anderen Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich mussten selbst Berufsfahrer in der eigenen Wohnung auf der Rolle trainieren.

Wie gut die deutschen Fahrer ihr Trainingspensum in der Heimat abgespult haben, konnte man am vergangenen Wochenende sehen. Bei der deutschen Meisterschaft auf dem Sachsenring maßen sich die besten Fahrer des Landes – und Krieger sprintete auf Rang drei. Nur sein Teamkollege und neuer deutscher Meister Marcel Meisen sowie Pascal Ackermann vom Team Bora-Hansgrohe waren auf den letzten Metern der sächsischen Rennstrecke schneller. „Es ist eine Mannschaftssportart, und mein Teamkollege hat gewonnen. Es geht also nicht wirklich besser“, blickt Krieger auf das regnerische Rennen auf der berühmten Motorsportstrecke zurück.

Vertrag bei Alpecin-Fenix läuft nach dieser Saison aus

Für Krieger, der zu Beginn seiner Karriere lange für das Ludwigsburger Team RSC Komet an den Start ging, ist es nicht nur die Jagd nach persönlichen Erfolgen, sondern auch der Kampf um einen neuen Vertrag. Sein Arbeitspapier beim Rennstall Alpecin-Fenix läuft nach der Saison aus. „Wegen Corona schwinden die Chancen, sich zu präsentieren und zu zeigen“, sagt Krieger.

Die Konkurrenzsituation ist in diesem Jahr wohl noch größer als ohnehin schon im Radsport, der enorm von Sponsorengeldern getragen wird. Nach dem schweren Sturz des 23-jährigen Niederländers Fabio Jakobsen bei der Polen-Rundfahrt hatten etliche Fahrer bemerkt, dass in Rennen härter zur Sache gegangen wird. „Bei dem einen oder anderen spielt der mentale Druck mit, in einer relativ kurzen Saison abliefern zu wollen. Da geht es auch um Verträge“, sagte etwa der Sprinter Rick Zabel der Deutschen Presse-Agentur. „Es gibt viele Fahrer, denen es wie mir geht“, bemerkt auch Krieger. „Jeder steckt womöglich ein bisschen mehr rein“, sagt er, auch wenn er in seinen bisherigen Rennen nicht gespürt habe, dass Fahrer mehr Risiko eingehen.

Trotzdem ist der Sturz von Jakobsen, der mittlerweile aus dem Koma erwacht ist, nicht spurlos an Krieger vorübergegangen, zumal auch der Vaihinger in Massensprints am liebsten vorne mitmischt. „Als das passiert ist, war ich auf einem Radrennen in Tschechien. Da war nicht so gute Stimmung. Jeder, der ein bisschen mitsprintet, wusste, dass es jeden hätte treffen können.“

Ein wenig Sicherheit könnte Krieger der Auftritt bei der deutschen Meisterschaft indes gegeben haben. Zwar sei noch nicht über einen neuen Vertrag gesprochen worden, „ich denke aber, dass ich einen guten Job gemacht habe und habe gutes Feedback bekommen“, so Krieger.

Chancen für Start bei der Tour de France stehen gut

Für ihn wäre ein Verbleib bei Alpecin-Fenix in vielerlei Hinsicht erstrebenswert. Medienberichten zufolge stehen die Chancen gut, dass das Team um Star-Fahrer Mathieu van der Poel 2021 bei der Tour de France starten wird. Die Frankreich-Rundfahrt wäre auch eines der großen Ziele von Krieger. Einmal hat der 28-Jährige bereits Tour-Luft geschnuppert, allerdings nur als Zuschauer im vergangenen Jahr. „Dort ist alles ein bisschen größer, mehr Zuschauer, mehr Drumherum, mehr Aufmerksamkeit“, stellt er fest, weiß aber auch nüchtern betrachtet: „Am Ende ist es ein Radrennen. Es ist nicht so, dass es unmöglich für mich wäre, da mitzufahren und meinen Job zu machen“, gibt er sich selbstbewusst. Er müsse nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – womöglich also im Team Alpecin-Fenix im nächsten Jahr.

In dieser Saison bleibt Krieger nur die Zuschauerrolle aus der Ferne. Die Tour de France beginnt morgen und wird aufgrund der Coronapandemie ohne Fans am Streckenrand stattfinden. Dort traut Krieger dem 27-jährigen Ravensburger Emanuel Buchmann sogar den ganz großen Wurf zu: „Er sah für mich sehr, sehr stark aus. Ich halte es nicht für unmöglich, dass Emanuel die Tour gewinnt.“

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