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Radsport

Kriegers kleiner Erfolg beim Giro

Der Vaihinger Radprofi Alexander Krieger hat seine erste Grand Tour hinter sich. Beim Giro d’Italia kam der 29-Jährige nicht nur als einer von 143 Fahrern im Ziel an, sondern hatte mit seinem Team AlpecinFenix auch einen Erfolg zu feiern.

Alexander Krieger beendet den Giro auf dem 140. Platz der Gesamtwertung. Foto: Valentina Celeste
Alexander Krieger beendet den Giro auf dem 140. Platz der Gesamtwertung. Foto: Valentina Celeste

Ludwigsburg. Dass der Vaihinger Radprofi Alexander Krieger überhaupt beim Giro d’Italia im vergangenen Mai an den Start gehen konnte, war zuvor kaum zu erwarten gewesen. Der Fahrer des Pro-Continental-Teams Alpecin-Fenix war kurz vor Weihnachten in einen schweren Trainingsunfall verwickelt, als ihn in Roßwag ein entgegenkommender Autofahrer übersah. „Ich hatte gedacht, dass der Giro zu früh kommt. Dass es jetzt geklappt hat, hatte ich um Weihnachten herum für unmöglich gehalten“, sagt Krieger, der bei dem Unfall unter anderem eine Gehirnerschütterung und ein offenes Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Nur fünf Monate später startete Krieger nun beim Giro, nach der Tour de France gemeinsam mit der spanischen Vuelta die zweitgrößte Landesrundfahrt – und kam am Ende der 21 Etappen als einer von 143 Fahrern im Ziel an.

Dabei musste Krieger vor dem Giro einen weiteren Rückschlag verdauen. Während der Türkei-Rundfahrt war er erneut in einen Sturz verwickelt. „Das hat die Vorbereitung, die eh schon nicht so gut war, deutlich schlechter gemacht“, sagt er. Umso größer war die Freude, als er schließlich den Giro zu Ende bringen konnte. „Mit dem Sturz im Hinterkopf hätte man nicht traurig sein dürfen, wenn ich es nicht zu Ende gefahren hätte. Es wäre enttäuschend, aber auch realistisch gewesen, es nicht nach Mailand zu schaffen.“

Das bloße Ankommen war aber nicht das einzige Ziel des Sprintspezialisten. Als Anfahrer für seinen belgischen Mitstreiter Tim Merlier wurde die zweite Etappe bereits zum Höhepunkt der Rundfahrt für das Alpecin-Team. Im Sprint setzte sich Merlier durch und schlüpfte sogar in das Maglia Ciclamino (alpenveilchenrotes Trikot) des punktbesten Fahrers. „Das war der herausragendste Tag. Da hat alles gepasst“, blickt Krieger zurück, der als letzter Anfahrer Merliers Weg zum Etappensieg ebnete.

Nach Merliers Ausscheiden auf der zehnten Etappe lag der Fokus des Alpecin-Teams am 13. Giro-Tag auf Sprinter Krieger. Immerhin Platz elf sprang für den Vaihinger heraus, ganz zufrieden ist er damit aber nicht. „Ich hätte es ein bisschen besser erhofft“, gesteht er. Jedoch sei der Sprint nicht zugeschnitten gewesen auf den technisch versierten Fahrer Krieger, der in jüngeren Jahren lange für den Ludwigsburger RSC Komet fuhr und noch heute dort Mitglied ist. „Der war tellerflach, fast abfallend und somit superschnell. Der technische Teil, in dem ich auch in einem solchen Feld zu den Besten gehöre, hat einfach gefehlt“, sagt Krieger. Insgesamt sei beim Giro, der ersten Grand Tour, an der der 29-Jährige nun teilnahm, „alles eine Nummer größer“, als er es gewohnt ist. „Es ist eben das höchste Level“, sagt er. Erschwerend hinzu kamen starke Unwetter bei der Rundfahrt.

Buchmann-Sturz hautnah miterlebt

Während der Kolumbianer Egan Bernal überlegen das Rosa Trikot bis Mailand verteidigte und somit den Giro gewann, war für einen anderen Deutschen im Feld vorzeitig Schluss. Emanuel Buchmann musste wegen eines Sturzes auf der 15. Etappe aufgeben. Eine „Schrecksekunde“, wie Krieger es beschreibt: „Ich war direkt daneben und hatte sehr viel Glück. Das hat mich ganz schön beschäftigt.“ Der Massensturz, in den Buchmann verwickelt war, sei bei hoher Geschwindigkeit auf einer Brücke geschehen und kostete Buchmann die letzten Hoffnungen auf einen Platz unter den ersten drei. „Das Podium wäre realistisch gewesen für ihn. Ich hatte das Gefühl, er war gut drauf und hatte am Tag davor noch mit ihm gesprochen“, berichtet Krieger.

Für den Vaihinger endete der Giro ohne weitere Stürze oder Verletzungen. Obwohl Krieger vergangenes Jahr im Gespräch mit unserer Zeitung bereits Ambitionen auf eine Teilnahme an der Tour de France angemeldet hat und sein Team auch für die Frankreichrundfahrt qualifiziert ist, „ist die Tour keine Option“, wie er versichert. Nachdem der Giro die erste Grand Tour seiner Karriere war, „wäre die Tour de France zu viel des Guten. Aber ich bin froh, dass ich den Giro fahren durfte. Ich trauere der Tour de France also gar nicht hinterher“. Nun hat Krieger auch für die kommende Saison bereits einen Vertrag bei Alpecin-Fenix – und könnte dann womöglich seinen Traum von der Frankreich-Rundfahrt erfüllen: „Das ist sehr, sehr weit weg. Aber klar, das ist ein Ziel.“ Bis dahin könnte zunächst allerdings ein Start bei der deutschen Meisterschaft in Stuttgart anstehen. Dort holte er vergangenes Jahr den dritten Platz.

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